Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
810
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810 Novellen⸗Jeitung.

und will dann gar nichts weiter betrachten; man hat es auf den Gemälden von Conaletti geſehen, aber dort ſieht man es nur wie durch einen Schleier. Das gemalte Ltcht iſt nicht das wirkliche Licht. Um die Werke der Architektur herum ſchlängelt ſich das zu einem See erweiterte Waſſer in ſeinem magiſchen Kreiſe, ſeinen grünlichen oder bläulichen Tinten, ſeinem beweglichen Kryſtall. Tauſend kleine Wellen ſpielen und glänzen unter der Seeluft und ihre Rücken ſprühen Funken. Am Horizont gegen Oſten bemerkt man am Ende des Quai der Slavonier Maſten der Schiffe, Gipfel von Kirchen, das hervorſtechende Grün eines Gartens. Das Alles geht aus den Gewäſſern herdor; von allen Seiten ſieht man die Wogen durch Canäle eindeingen, längs der Quais

wenig ſchlank und wirklich dar; die Bildhauer des ſechzehnten Jahrhunderts entwickeln ihre Formen aufgeregt und mus⸗ culös. Rizzo und Sanſovino ſtellen dort den koſtvaren Marmor ihrer Treppen, die zarten Stuckaturarbeiten und die eleganten Launen ihrer Arabesken auf; Rüſtungen und Aſtwerk, Greife und Waldgötter, phantaſtiſche Blumen muthwillige Ziegen, eine ſehr große Menge erdichteter Pflanzen und munterer, ſpringender Thiere. Man ſteigt dieſe Fürſtentreppe mit einer Art von Furchtſamkeit und Achtung hinan, faſt beſchämt über ſeinen traurigen ſchwarzen Anzug, der durch ſeinen Contraſt an die Schleppkleider von brochirter Seide, an die pomphaften Meßgewänder, die Tiaren und die byzantiniſchen Halbſtiefeln und die gebietenden

ſich zitternd bewegen, am Horizonte ſich verdunkeln, zwiſchen den Häuſern rieſeln, die Kirchen umgeben. Das glänzende, lichtvolle, Alles einſchließende Meer diingt ein und umgürtet gleich einem Heiligenſchein Venedig. Wie ein einziger Diamant in der Mitte eines Schmuckes verdugkelt der Dogen⸗ palaſt alles Uebrige. Ich will heute nichts heſchreiben, ich will mich nur vergnügen. Man hat keine ähnliche Architektur geſehen; daran iſt Alles neu, man fühlt ſiß außerhalb des Uebereingekommenen; man begreift, daß es außer den claſſiſchen und gothiſchen Formen, welche we wiederholen und die man uns aufzwingt, eine ganze Welt gebt; daß die menſchliche Erfindung ohne Grenzen iſt und daß ſt der Natur ähnlich, alle Regeln verletzen und nach einem Auſter, das allen denen entgegen iſt, in die man uns einſchlzen will, ein vollkommenes Werk erzeugen kann. Alle Geuhnheiten des Auges ſind umgeſtürzt und mit einem reizeren Er⸗ ſtaunen ſieht man hier die orientaliſche Phantaſie de Volle in die Leere ſtellen, anſtatt das Leere auf das Volle ziſetzen. Eine Colonnade von ſtarken Säulenſchäften trägt eine weite ganz leichte, mit Bogen und Kleezügen zahnförmig esge⸗

Magniſicenzen erinnert, für welche dieſe Marmorſtufen ge macht wurden, und man wird oben am Ende der Treppe von einem heiligen Marcus von Tintoret empfangen, der wie ein alter Saturn mit zwei prächtigen Frauen, der Stärke und der Gerechtigkeit, den Gefährtinnen eines Dogen, der von ihnen das Schwert des Oberbefehls und des Kampfes em⸗ pfängt, in die Luft geſchleudert iſt. Oben an der Treppe eröffnen ſich die Säle der Regierung und die Staatszimmer die alle mit Gemälden austapezirt ſind; da haben Tintoret, Veroneſe, Pordenone, Palma der Jüngere, Titian, Bonifazio und zwanzig Andere die Mauern und die Gewölbe, deren Zeichnungen und Verzierungen Palladio, Aspetti, Scamozzi, Sanſovino gemacht, mit ihren Meiſterwerken bedeckt. Der ganze Geiſt der Stadt in ihrem ſchönſten Alter hat ſich hier verſammelt, um das Vaterland zu verherrlichen, indem ſie das Denkmal ſeiner Siege und die Apotheoſe ſeiner Größe errichteten. Es giebt keine ſolche Trophäe weiter in der Welt; Seeſchlachten, Schiffe, deren Vordertheile wie Schwanenhälſe umgebogen ſind, Galeeren mit zuſammengedrängten Rudern, Schießſcharten, aus denen Regen von Pfeilen hervordringen,

ſchnitten, und auf dieſer ſo ſchwachen Stütze ruht eine meive ſchwebende Fahnen zwiſchen den Maſtbäumen, lärmende 7

Mauer von rothem und weißem Marmor, deſſen Plattenich Handgemenge von Streitenden, welche ſich ſtoß d in ihren Zeichnungen durchkreuzen und das Licht zurückwerg. V nichten, Haufen Jyrier, Sur 31n uhe dnraßan a ver⸗ Darüber zerſchneidet ein Karnieß von hohl gemachten Körper von der Sonne Beenzuauh rfärbt uins durc n ramiden, Obelisken, kleinen Glocken, Fruchtſchnüren 8 Kampf verdreht, mit Gold beſetzte Stoffe ſtählerne Rüſtun m Himmel mit ſeiner Einfaſſung, und dieſe ſtachlichte, aufge mit Perlen beſetzte ſeidene Zeuge, das ganze ſeltſame Genäͤſſch

blühte Vegetation von Marmor über den rothen odervon heroiſchem und luxurisfem I 7 1 L d luxuriöſem P Perlmutter⸗Tinten der Facaden läßt an die reichen Cacteen Jata bis ſcheund uii ſen zad den disſs ejchiht⸗ 8

denken, welche in den Gegenden Afrikas und Aſiens, wo ſie urſprünglich zu Hauſe ſind, die Dolche ihrer Blumen und den Purpur ihrer Blüthen miteinander vermiſchen.

Man tritt ein und plötzlich ſind die Augen mit Formen angefüllt. Um zwei Waſſerbehälter, die mit broncenen Sculpturarbeiten bekleidet ſind, entwickeln vier Fagaden ihre Architektur und ihre Statuen, worin die ganze Jugend der erſten Renaiſſance glänzt. Nichts Nackees und Kaltes; Alles iſt mit Reliefs und Figuren bevölkert; die Pedanterie des Ge⸗ lehrten und des Kritikers iſt nicht gekommen, um unter dem Vorwand der Strenge und der Verbeſſerung die lebhafte Erfindung und das Bedürfniß, den Augen Vergnügen zu verſchaffen, zu beſchränken. In Venedig iſt man nicht ſtreng; man läßt ſich nicht von den Vorſchriften der Bücher zu einem Gefangenen machen; man entſchließt ſich nicht dazu, vor einer von Vitruvius genehmigten Fagade zu gähnen; man will, daß ein Werk der Architektur das ganze fühlende Weſen beſchäftige und erfreue, man faßt es mit Verzierungen, kleinen Säulen und Statuen ein; man macht es reich und aufheiternd. Man ſtell dort heidniſche Coloſſe Mars und Neptun und bibliſche Figuren Adam und Eva auf, die Bildhauer des funfzehnten Jahrhunderts ſtellen darin ihre Körper ein

igt hat; hier und dort die großen Nacktheiten der alle⸗ riſchen Göttinnen; in den Dreiecken die Tugenden des ädenone, eine Art von ſanguiniſchen, koloſſalen choleriſchen Eulichen Frauen mit einem herculiſchen Körper; überall die walfelungen der männlichen Kraft, der thätigen Energie, Prinalichen Freude und als Eintritt in dieſe glänzende wonnſſon das größte der modernen Gemälde, ein Paradies waekoret⸗ achtzig Fuß lang, vierundzwanzig Fuß ſhoch, windn 600 Perſonen in einem röthlichen Lichte umher⸗ imm, welches der erhitzte Rauch einer Feuersbrunſt zu ſein ſant. Weldes Geiſt fühlt ſich ganz verdunkelt und die Sinne Berlän tt. Man ſteht ſtill und ſchließt die Augen; nach mad f Viertelſtunde trifft man dann eine Wahl. Ich ha Hen ur ein Gemälde geſehen, den Triumph Venedigs dan Ganit Daſſelbe iſt nicht blos ein Feſt, es iſt auch Architektur für die Augen. In der Mitte einer großen bloude. Wen. Balconen und gewundenen Säulen ſitzt die beire mit diefanf einem Throne, ganz blühend von Schön⸗ Be denn ir iſchen und roſenfarbigen Carnation, die den nenen or echten Klimate eigenthümlich iſt, und ihr ſeiden ttet ſich unter einem ſeidenen Mantel. Um

Range nur da welche diejen wei in unnge ſeben eine Kr Welch e Ein atlasarlig Schulter und weglichen Sei halten ſie feſt unbeſtimmte man die Har Rock oder eit die andere ul iſt faſt die! Tons in der Wirkung ei körperlich w Geiſte gelau Unter ſind Venet die Bruſt die wirklich andere. S welches ihr fäͤllt oder! man vor T Stirn, bat aus dem der Jugen Andere, b. Höhe und in ihren und ihr T kleines bl Händchen friſches C die ſich ni wie dieſe laren Pe däcat wie 1. Gan Welt un welcher; nackter Näumen dige Köß Kinde, Läichigt andert, einer ve ſortehr