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Catull ein gebundenes Seelenpathos und wahre Sen⸗ timenz hat, vor Allem im Epithalamium, iſt die Arbeit der Ueberſetzung nicht minder glücklich.
Der in der Liebe ſo leidenſchaftlich leichtſinnige, wandelbare und doch im Herzen vor bedenklicher Ver⸗ wundung nicht ſichere römiſche Lyriker hatte ſich in dieſem Hochzeitsgedicht ganz in die Seele der verlaſ⸗ ſenen Ariadne hineingeträumt, und ich will hier nur durch einige Strophen deutlich machen, wie harmonie⸗ voll und fein der Ueberſetzer die meiſterhafte Schil⸗ derung wiedergegeben.
Es blickt von Dia's fluthumrauſchten Strande
dem flücht'gen Theſeus Ariadne nach;
glaubt kaum dem Auge, daß die Liebesbande
zerriſſen ſind, ſie, die im Schlummer lag
und nun erwacht am öden Uferrande,
und ſich verlaſſen ſieht in Noth und Schmach.
Sie ſieht den falſchen Mann die See mit Rudern ſchlagen, die Schwäne hat der Hauch des Windes fortgetragen.
Gleich einem Marmorbilde der Mänade ſtarrt Minos' Kind im wilden Wogendrang des Jammers auf des Ungetreuen Pfade. Was kümmert ſie's, daß ihrem Haupt entſank der farb'ge Schleier an das Schilfgeſtade, daß ihre Bruſt der Hülle ſich entrang,
daß mit den Bändern, die zur Erde fielen, um ihre Füße ſalz'ge Fluthen ſpielen?
Der Kleider Flattern läßt ſie unbeachtet; die ganze Seele, die der Gram umnachtet, hat nur auf Theſeus ihren Sinn gelenkt. Die Armel ach, durch ſteten Liebesſchmerz bethörte Venus ſie, die ihr in's Herz
mit roſ'gen Wünſchen Dornen eingeſenkt, ſeit mit den Schiffen von Piräus' Strande der kühne Held erſchien in ihrem Lande.
Es mußte, um der Peſt Verderben abzuwenden,
Athen, als Sühne für den Uebermuth,
den man an Minos' Sohn vollbracht mit blut'gen Händen, der eignen Söhn' und Töchter theures Blut
dem grimmen Minotaur a ſchweres Opfer ſenden.
Es naht der Schreckensmg. Da will des Unthiers Wuth der Königsſohn beſtehn mit ſeines Schwertes Streichen,
eh' daß man opfre die lebend'gen Leichen.
Dem raſchen Kahn, dem günſt'gen Windeswehen vertrauend kam er an in Minos' Land.
Und als er vor dem ſtolzen Herrſcher ſtand,
da war's, wo ihn mit ſel'gem Blick geſehen
die Jungfrau, die noch nicht des Lebens Harm empfunden in der trauten Mutter Arm,
ſchön wie die Myrthe an Eurota's Wellen,
der in der Frühlingsluft die erſten Knospen ſchwellen.
Und als zurück von ihm den Blick ſie wandte, ein lodernd Feuer war's, das in ihr brannte,
Novellen⸗
Zeitung.
das tobend ihre ganze Bruſt durchglühte.
O Eros, welche Qual erregſt du im Gemüthe
der armen Sterblichen, wenn Du voll hartem Sinn mit Wonnen Sorgen einſt, und du, o Herrſcherin von Golgi, von Idaliums waldigen Höhen,
o, warum wollet ihr die Arme elend ſehen?
Ich geſtehe, daß es ſchwer iſt, die Mittheilung dieſer liebenswürdigen Arbeit abzubrechen. Ich bin von den Philologen, ſelbſt viele große mit eingerechnet, zwei wehmüthig ſtimmende Erſcheinungen gewöhnt: Unempfindlichkeit für den tiefern poetiſchen und cul⸗ turgeſchichtlichen Sinn des Inhalts der antiken Lite⸗ ratur und auf der andern Seite ein mangelhaftes Deutſch. Während man bei Gelegenheit der Oper und der muſikaliſchen Dichtungen mit Recht den Aus⸗ ſpruch geltend gemacht hat: was ſo ſinnlos iſt, daß man es ſich nicht zu ſagen getraut, das ſingt man, ſo darf man bektagen, daß viele anſpruchsvolle Philologen in Rede und Schrift lateiniſche Vorträge verfaßt haben und noch verfaſſen, deren geiſtige Fonds ſich, in unſere Mutterſprache überſetzt, als ſtark ordinär erweiſen. Ein arm geborner und arm gebliebener Kopf giebt ſich durch einige ciceronianiſche Sprachen noch ziemlich leicht den Anſtrich von Wohlhabenheit.
Wenn man nun einen Gelehrten findet, der von dieſen Einſchränkungen nicht bedrückt wird, ſo iſt es Pflicht, auf deſſen Beſtrebungen in weiteren Kreiſen aufmerkſam zu machen.
Es könnte nur noch die Frage aufgeworfen werden, ob gerade Catull zu den claſſiſchen Autoren gehört, die eine allgemeinere Aufmerkſamkeit verdienen. Nie⸗ mand wird indeß darüber in Zweifel ſein, daß gerade die ſubjective genrebildliche Lyrik, ſobald ſie wie bei Catull aus dem Gebicte der Phantaſie heraus und in das der realen Wirklichkeit hineintritt, ein ſehr detailirtes ſittenſchilderndes Moment darbietet und bei Beobachtungen verweilt, für welche der Geſchichts⸗ ſchreiber in der Regel nur darum keine Zeit zu haben glaubt, weil er als Nichtdichter dafür keinen Sinn hat. Gerade durch dieſe Puncte aber werden die Winkel beſtimmt, in welchen ſich die Lichtſtrahlen der alten Lebensſonne ſchneiden und abbeugen und den Forſcher ihr Farbenſpiel begreifen lehren.
Die Erläuterungen zu verfolgen und zu würdigen, mit denen der Verfaſſer den Lebensgang des römiſchen Poeten begleitet, würde zu ſehr in's Fachwiſſenſchaft⸗ liche hineinführen. Sie machen dem beſten Namen Ehre. Gebildete Literaturfreunde werden durch dieſes Buch ſich wieder ein Fenſter mehr in die Schatten⸗ welt der Vergangenheit eröffnet ſehen.
das ihn gliih von fern und iſt Offerd verglicen, w Straßen in trockenen, er man dann d dieſe prachtve gothiſchen, 1 die Gegenwe trachtet, ſo hierher beg Städten ve widmet hat man ſchwör bewundert Herzen, der glücklich zu Man brauch nicht zu ber erwas dave läßt Körpe warme Luf farbigen o Schweigen ten Fläche Alles, ſein ſammelt, entzogen, Der zwiſchen und für ſt Verſchiede Die meiſt Kleezug Vuanan gethüte ohne jema andere, Reihen ar Serpenti polirten ſanften welches Jeit hat Formen dem gro


