Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
806
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welche dem weichenden Feinde folgte; endlich erhielt er die Nachricht, daß Heinrichs Regiment an der Straße nach Pirna gegen die Preußen und Ruſſen gefochten hätte, das Gerücht ihn aber zu den Ver⸗ mißten zählte. Schmerzlich bekümmert folgte er jener Straße, wo ihm bei jedem Schritt die Spuren des furchtbaren Kampfes entgegentraten und zerbrochene Lafetten, Haufen verſtümmelter Leichen und todte Pferde ihm den Weg faſt verſperrten. Nach ſtunden⸗ langem vergeblichen Suchen ging er, etwas erleichtert, unter den umherliegenden todten Ofſicieren von Heinrichs Regimente den Sohn nicht entdeckt zu haben, durch den Großen Garten zurück. Während er ſich mühſam durch die Verhaue Bahn brach, er⸗ zahlten ihm einige der Landleute, die zum Begraben der Todten aufgeboten waren, daß ſie einen ſchwer ver⸗ wundeten hohen Officier in dem kleinen Hauſe am öſtlichen Thore geſehen hätten. Von einer bangen Ahnung durchzuckt, eilte er dahin, und als er eintrat, fiel ſein erſter Blick auf den Sohn, der mit halb⸗ geſchloſſenen Augen und todtbleichen Zügen, eine blut⸗ getränkte Binde um den Kopf und an andern Stellen des Körpers blutend, gleich einem Serbenden auf einem Strohlager im Hausflure dalag. Er knieete nieder. Heinrich erkannte den Vater und ſtreckte ihm matt die linke Hand entgegen, während die Rechte gelähmt auf einer Strohſchütte lag. Er hatte einen tiefen Säbelhieb am Kopfe und war am Arm und am Beine

von Kugeln ſchwer verwundet. (Schluß folgt.)

Gedicht von Luiſe Mayer.*)

Graf Königmarks letzte Stunde.

In des Fürſtenhaaſes Gängen Waffenklirroꝛ, laute Stimmen, Dann ein Fall auf glatten Boden. Trüb' und matt die Kerzen glimmen.

Auf dem ſchwarzbehang'nen Tiſche Ruht die ſtarre, blut'ge Leiche, Noch im letzten Todeskampfe Zuckt das Angeſicht, das bleiche.

Ernſte Männer ſtehen ſchweigend Rings im Halbkreis um den Todten. Trüben Blicks die Häupter neigend, Und ſie harren eines Boten,

*) Aus Gedichte von Luiſe Mayer. Bremen, Verlag von Karl Tannen's Buchhandlung. 1866.

Novellen⸗ZJeitung.

Eines Boten, in die Zimmer Ihrer Fürſtin abgeſendet, Daß er ſie hierher geleite, Eh' der Stundenſchlag vollendet.

Dorothea naht mit ſicherm,

Langſam würdevollem Schritte; Hocherhob'nen Hauptes tritt ſie In der ernſten Männer Mitte.

Wer hat mein zu dieſer Stunde Und an dieſem Ort begehret?

Was iſt's, daß man meine Ruhe, Die ſo ſchwer errung'ne, ſtöret?

Aus der Schaar der ernſten Männer Tritt ihr der Gemahl entgegen, Fragt mit höhniſch kaltem Blicke: Kam man Euch ſo ungelegen?

Habt vielleicht an Euren Buhlen Jüngſt gedacht und ſüß geträumet; Doch damit iſt's aus für immer,

Ifſt er aus dem Weg geräumet!

Nicht mehr wird ſein Liebesflüſtern Euer treulos Herz berücken,

Nicht verſtohl'ner Weiſe wird er Eure weißen Hände drücken.

Auf den Todten ſchaut die Fürſtin Thränenlos und ohne Klagen, Gott im Himmel ſei Dir gnädig! Hört man leiſen Tons ſie ſagen.

Dann zu dem Gemahl ſich wendend, Spricht ſie laut und feſt die Worte: Weſſen will man mich verklagen An ſo unheilvollem Orte?

Wünſchtet Ihr mich auszuſtoßen Aus dem Hauſe, aus dem Lande? Nicht ſo ſchwerer Klage braucht' es, Nur Euch ſelber bringt ſie Schande.

Oft genug hab' ich gebeten, In die Heimath mich zu laſſen, Wo mich keine Freunde täuſchen, Wo mich keine Feinde haſſen.

Aber nimmermehr beladen

Mit unwürdigem Verdachte,

Werde ich ein Bündniß löſen,

Das mich arm und elend machte.

Litera

Cat von Weſ Sander).

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In eminente Spracht