Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
797
Einzelbild herunterladen

oder die in

in verzierten

. he uns nen Kußland

nen überal Lage von feinem angebratt iſt, 9 Außerdem

f jeden kalten

n dürfen.

t beſteht

ans die Tooppe en bezegen ſind,

In den

ever⸗ er enffal⸗

olia zwiſchen den zendem Laub her⸗ ſtall, Porzellan

G.

bekommen. ablichen, nur

Vierte Folge. 797 ihnen, drei bis vier Bevorzugte empfangen kann. Zuweilen England Lachscoteletten ißt, ſo hat man in Rußland ausge⸗ beſteht dies Boudoir auch aus bunten Glaswänden, die mit zeichnete ſervirte Hühnercoteletten, welche durch Kaiſer Nico⸗ eingeätzten Bildern verziert ſind. Häufig erblickt man unter laus allgemein in Aufnahme gekommen ſind. Etwas, wonach den Fauteuils, Divans und Tabourets mit perſiſchen Seiden⸗ die ruſſiſchen Gourmands vor allen Dingen, aber meiſtens überzügen auch einen rieſigen ausgeſtopften und gepolſterten vergeblich ſtreben, ſind friſche Auſtern; da man ſie weither Eisbären, der als Sopha dient, und einige junge ſchwarze verſchreiben muß, verderben ſie den Sommer über unterwegs Bären, die als Fußſchemel oder Tobourets benutzt werden, durch die Hitze und im Winter gefrieren ſie man bezahlt was dem Geiſte, trotz aller modernen Eleganz, doch die Nähe oft das Stück mit einem Rubel. Ein ſehr reich gewordener des Eismeeres, die ſchneebedeckten Steppen und die düſteren Mugik ſoll vor Jahren für das Geſchenk eines Fäßchens Nadelwälder kurz, das eigentliche Rußland zurückruft, friſcher Auſtern die Freiheit von ſeinem Herrn erhalten haben, was man in Petersburg faſt vergeſſen möchte. nachdem er ihm vergeblich Summen von 50 100,000 Rubel Das Schlafzimmer hingegen zeigt gewöhnlich nicht viel für Erlangung dieſer Freiheit geboten! von dem Comfort und Luxus, den man in England und Beim Deſſert giebt es ſtets einen Korb mit Früchten Frankreich darauf verwendet. Hinter einem Bettſchirm oder Orangen, Ananas, Trauben, Birnen und Aepfel der köſtlich⸗ einer jener obenbeſchriebenen geſchnitzten Wände verbirgt ſich ſten Art, die meiſt von fernher eingeführt worden ſind. ein kleines, niedriges Bett, einem Feldbett oder Divan ähnlich Früchte gehören zu den großen Paſſionen der nördlichen die Ruſſen ſind eben orientaliſchen Urſprungs und Völker, weil ſie dieſelben nur mit großen Koſten aus der halten nicht viel auf die Süßigkeit und Bequemlichkeit der Fremde erlangen oder die rebelliſche Natur ihres Klimas Lagerſtätte, ſondern ſchlafen, wo und wie es ſei, faſt möchte zwingen müſſen, ihnen wenigſtens den Anſchein davon zu geben, man ſagen überall, wie die Türken oft nur in ihre Pelze denn der Duft und Geſchmack fehlen ihnen dann gänzlich. gehüllt, auf einem jener grünen Lederſophas, die man in jeder Mag der Ofen noch ſo gut geheizt ſein, die Sonne kann er Ecke findet. Die Idee, aus dem Schlafzimmer eine Art doch nie erſetzen! Heiligthum zu machen, fällt ihnen nicht ein, ſondern die Ge⸗ V Bei Tiſche ſteht hinter jedem Stuhl ein Diener in wohnheiten des ehemaligen Zeltlebens ſcheinen ihnen bis in ſchwarzem Frack, mit weißer Cravatte und eben ſolchen Hand⸗ den Schooß der Civiliſation gefolgt zu ſein, obgleich ſie mit ſchuhen, würdevoll und ernſt wie ein engliſcher Diplomat, deren raffinirteſter Eleganz und ſelbſt Verderbtheit im Uebrigen aber dabei ſo aufmerkſam, daß man keinen Wunſch erſt aus⸗ nur zu genau bekannt ſind. zuſprechen braucht. Betrachtet man dieſen Menſchen jedoch Da wir jetzt die Decorationen ziemlich genau geſchildert aufmerkſam, ſo bemerkt man, daß er einen goldgelben Teint, haben, iſt es Zeit, zum Mahle überzugehen. Wenn man ſich kleine, ſchiefgeſchlitzte ſchwarze Augen, vorſpringende Backen⸗ zum Diner ſetzt, tritt man erſt an ein Buffet, wo man knochen, dicke Lippen und eine aufgeſtülpte Naſe beſitzt, und Caviarſchnitten, marinirten Häring, Anchovis, Käſe, Oliven, der Hausherr, welcher dieſem prüfenden Blicke gefolgt, ſagt Cervelatwurſt und Hamburger Rauchfleiſch findet, von dem nachläſſig, als ob es die natürlichſte Sache der Welt ſei: man nach Belieben ißt, um den Appetit anzuregen. DazuEr iſt ein Mongole von der chineſiſchen Grenze!! giebt es Wermuth, Danziger Liqueur, Madeira, Cognac und Er würde ſich vielleicht maleriſcher und beſſer ausneh⸗ Cumin(eine Art Anisliqueur); man darf ſich nicht verleiten men, wenn man ihm ſeine Nationaltracht, die Mütze aus laſſen, von all' dieſen guten Dingen zu koſten, ſonſt kommt Lammfell und die Tunica mit dem Gürtel, gelaſſen hätte, man leicht völlig geſättigt und halbberauſcht zu Tiſche. In allein dies ſähe weniger europäiſch aus und die Ruſſen mögen allen vornehmen Häuſern führt man franzöſiſche, Küche, V ſich nun einmal durchaus kein aſiatiſches Air geben. indeſſen vermiſcht ſich doch der Nationalgeſchmack in mannig⸗ Das ganze Tafelſerdice Porzellan, Kryſtall, Silber⸗ facher Weiſe. So findet man neben dem Weißbrod auch ſehr zeug läßtnichts zu wünſchen übrig, iſt aber auch nicht anders ſchwarzes Roggenbrod, was die Ruſſen außerordentlich lieben, wie ſonſt wo, ausgenommen die reizenden kleinen Löffel aus und nach den köſtlichſten Bordeaux⸗ und Champagnerweinen Platina und Gold, die man zum Kaffee, Thee und zum Ein⸗ (ächten veuve Cliquot findet man faſt nur in Rußland) trinkt gemachten hat. Auch auf den Tafeln giebt es ſtets die herr⸗ man Porter, Ale und beſonders Kerns, das ruſſiſche National⸗ lichſten Blumen in Fülle und ſelbſt die Schüſſeln mit Back⸗ bier, das man aus gegohrenen Brodrinden bereitet und wel⸗ werk ſind häufig mit kleinen Blumenbouquets garnirt, welche ches Fremde erſt trinken lernen müſſen, ehe ſie Geſchmack die Frau vom Hauſe dann an die Gäſte vertheilt. daran finden. Ebenſo geht es mit dem Chtchi, dem ruſſiſchen Das Benehmen der Ruſſen iſt im höchſten Grade Lieblingsgericht, das aus Hammelbruſt mit Fenchel, Zwie⸗ höflich, zuvorkommend und verbindlich, namentlich gegen beln, Möhren, Kohl, geſchrotener Gerſte und gebackenen Fremde dazu leſen ſie ſehr viel und man iſt oft förmlich Pflaumen zuſammengeſetzt iſt ein eigenthümliches Gemiſch, überraſcht, ſie ſo au courant mit allen neuen Erſcheinungen welches dem Fleiſch einen äußerſt pikanten Geſchmack verleiht! der ausländiſchen Literatur und überhaupt aller Neuigkeiten, Hierzu werden kleine Paſtetchen ſervirt und man lernt dies ſelbſt der Chronique scandaleuse zu finden. Auch die Gericht und noch viele andere bald genug eſſen, wenn man Damen ſind ſehr beleſen, ſie ſprechen und verſtehen meiſt auch nie die Vorliebe der Ruſſen dafür begreift. mehrere Sprachen und viele kennen nicht blos die franzöſiſchen Die Fiſche auf den ruſſiſchen Tafeln ſind wahrhaft Schriftſteller ſehr genau, ſondern haben auch Byron, Goethe köſtlich, zum Beiſpiel der Stör mit ſeinem feinen, fetten und Heinrich Heine in der Urſprache ſtudirt. Dagegen ſieht Fleiſch, welches am Geſchmack der Lamprete ſehr ähnlich iſt. man ſie nie mit einer Handarbeit beſchäftigt, was ſie als Im Sonmer genießt man mit Leidenſchaft eine Art Fiſch⸗ unpaſſend für eine Dame von Stande erachten. Ihre Toilette ſuppe, wo in eiskalter, gewürzter, ſauer und ſüß gemachter iſt im höchſten., Grade elegant und moderner als die Mode Fleiſchbrühe kleine Stücke Fiſch und Eisſtückchen herumſchwim⸗ V ſelbſt nur manchmal verrathen die Schmuckſachen von men. Die Gemüſe werden ſtets im Treibbeet gezogen und kunſtvoll orientaliſcher Arbeit, daß man in Rußland iſt. ſind daher immer gleich delicat junge Schoten und Spargel Nach beendigtem Diner zerſtreut ſich die Geſellſchaft in von ſeltener Dicke giebt es das ganze Jahr. Wie man in den Nebenſalons und man unterhält ſich mit dem Durchblät⸗