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Wahrheit zu hören— allein die Folge war lediglich, daß Künſtler und Publikum blieben wie ſie waren, und er ſelbſt
Rovellen⸗Zeitung.
Winterleben in Petersburg. Wer Petersburg will kennen lernen, muß in den Winter⸗
verleumdet, verſchrieen, verketzert und verhaßt wurde.— monaten daſelbſt ſeinen Aufenthalt nehmen, denn nur zu
Er wäre zu Grunde gegangen, wenn nicht glücklicherweiſe dieſer Zeit entfaltet es ſeine volle nordiſche Eigenthümlichkeit.
die Welt größer geweſen wäre, wie die norwegiſche Haupt⸗
Schon das Vorzimmer eines Petersburger Palaſtes
ſtadt. Er nahm nämlich Theil an einem der nordiſchen macht einen eigenthümlichen Eindruck durch die Menge von
Studentenzüge, diesmal nach Upſala, und erwarb ſich, wohl⸗ thätig angeregt, das, Gleichgewicht des Gemüthes wieder, welches zur Schöpfung reiferer Werke vonnöthen iſt.
Auf dem Seewege nach Upſala hatte er Kopenhagen kennen gelernt und Verbindungen mit Männern angeknüpft, welche, frei von den Vorurtheilen ſeiner Landsleute, mit Freuden anerkannten, was er geſchaffen, und ihm den Muth zur Arbeit gaben durch die Verheißung, daß auch ihm der⸗ maleinſt Gerechtigkeit und Satisfaction werden würde. Er miethete ſich ein Dachſtübchen im Hétel„Phönix“ in Kopen⸗ hagen und ſchrieb hier unter Sammlung und Ruhe und unter der ſüßen Hoffnung auf Anerkennung ſeine erſten Bauernnovellen und Dramen, welche von der däniſchen Nation, trotz des etwas Fremdartigen in ſeinem Norwegiſch, „mit ſo gut wie ungetheiltem Beifall aufgenommen wurden. Die Novellen wurden ſofort in faſt alle Sprachen überſetzt und machten den gehaßten, armen, gemiedenen„Blatt⸗
ſchmierer“ zu einer europäiſchen Berühmtheit und zum Stolze V
ſeines Vaterlandes, als deſſen erſten Dichter die meiſten ihn jetzt anerkennen.
Als er nach Norwegen zurückkehrte, übernahm er die Direction des Theaters in Bergen, gab ſie jedoch bald wieder auf. Später redigirte er eine Zeitung in Chriſtiania, gab ſich jedoch in dieſer Wirkſamkeit, da ihm die hinreichende politiſche und juriſtiſche Bildung und die Geſchmeidigkeit des Charakters fehlte, ſo viele Blößen, daß ſeine Feinde abermals gewonnenes Spiel hatten. Er trat alſo wieder ab und dichtete, und mit der Anerkennung, welche ihm, namentlich aus Dänemark, zuſtrömte, gewann er die Ruhe des Gemüthes wieder.
Von der Regierung ward dem norwegiſchen Storthing vorgeſchlagen, ihm ein Reiſeſtipendium zu geben, und darauf ging das Storthing nach einigem Widerſtande endlich auch ein. Er reiſte nun durch Deutſchland nach Rom, ſtudirte dort und ſchrieb u. a. ſeinen„König Sigurd“, der die däniſch⸗norwegiſche Leſewelt in Entzücken verſetzte. Mehr und mehr legte er ſeine künſtleriſchen Mängel ab, ſeine oft dunkle, ſeltſame Sprache ward klar und ebenmäßig und nur ſelten noch ſpürt man eine gewiſſe Unfertigkeit in ſeiner philoſophiſchen Bildung und ein Fehlgreifen und Tappen in Betreff der Form. Von Rom zurückgekehrt, erhielt der nunmehr berühmte Dichter vom Storthing ein jährliches ſogenanntes Dichtergehalt von 1000 Rthlr. däniſch bewilligt. Er lebt jetzt in Chriſtiania und hält mitunter vor brechenden Zuſchauerräumen öffentliche Vorleſungen, in denen die ganze Gewalt ſeiner originellen Perſönlichkeit ſich geltend macht und auch die Lauen begeiſtert. Er iſt ein hochgewach⸗ ſener, herkuliſch gebauter, blonder Mann, mit einer ſeltenen Kraft des Blickes. Er macht keine überflüſſigen Worte;
angeregt jedoch durch würdige Gegenſtände, feſſelt er durch einen herrlichen Redefluß, der auch dem Gleichgültigen das Gefühl der Nähe des Außerordentlichen giebt. 3
Herren- und Damenpelzen, welche um einen rieſigen Kachel⸗
ofen herumhängen und, durch eine von der Decke herab⸗ hängende Lampe matt beleuchtet, einen förmlich geſpenſtiſchen Anblick gewähren. Tritt man dann in die Salons ein, wo aller Luxus der Civiliſation vereinigt iſt, ſo könnte man ſich im Londoner Weſt⸗End oder im Pariſer Foubourg St. Honoré wähnen, wenn ſich nicht der Localcharakter bald durch eine Anzahl an ſich unbedeutender Details gebieteriſch geltend machte. Da iſt zuerſt die byzantiniſche Madonna mit dem Jeſus⸗ kinde, deren braune Geſichter und Hände zwiſchen den aus Silberplatten geſchnittenen Draperien(hervorſchauen, von einer ſilbernen, nie verlöſchenden Lampe erleuchtet, oder die in Goldſtoff gekleideten und mit einem Heiligenſchein verzierten Schutzpatrone des Hausherrn und der Hausfrau, welche uns deutlich verrathen, daß wir uns in dem orthodoxen Rußland befinden.
Ebenſowenig läßt ſich das Klima verleugnen— überall ſieht man Doppelfenſter, zwiſchen denen eine Lage von feinem Sand mit einer dichten Moosdecke darüber angebracht iſt, um das Gefrieren der Fenſter zu verhindern. Außerdem halten noch dicke Vorhänge aus reichem Stoff jeden kalten Luftzug vom Zimmer ab. Die Gemächer ſind hoch und ſehr geräumig, aber trotzdem herrſcht ſtets eine höchſt angenehme Temperatur von wenigſtens 15— 160 R. darin, da die Thüren hermetiſch ſchließen und ſelbſt das Treppenhaus Tag und Nacht geheizt iſt, ſo daß die Damen ihre weißen Schul⸗ tern und Arme ohne Furcht vor Erkältung entblößen dürfen.
Der reizendſte Luxus, den man in Rußland ſieht, beſteht in Blumen, denen das Auge voll Entzücken überall begegnet; ſie empfangen uns ſchon wie ein freundlicher Willkommens⸗ gruß an der Thür der Paläſte und begleiten uns die Treppe empor, deren Geländer mit iriſchem Epheu bezogen ſind, während jeder Abſatz einen kleinen Garten bildet. In den Sälen und Zimmern iſt jede Fenſterniſche in eine Laube ver⸗ wandelt, wo Bananenbäume ihre ſeidenartigen Blätter entfal⸗ ten und die weißen Blüthen der Regeolia zwiſchen den brennendrothen Camelien und deren glänzendem Laub her⸗ vorleuchten; aus kunſtvollen Ampeln von Kryſtall, Porzellan oder Terracotta hängen die geheimnißvollen, ſeltſam geform⸗ ten Orchideen nieder, und alle möglichen anderen exotiſchen Blumen finden wir in japaniſchen Töpfen auf Tiſchen und Etageren aufgeſtellt. Auf der Straße war man wie am Nordpol, in den Häuſern glaubt man ſich in die Tropen⸗ gegenden verſetzt. Dieſer Ueberfluß von Grün und Blüthen iſt aber auch das einzige Mittel, um das Auge für den ſo lange, lange währenden Anblick der weißen Schneedecke auf Straßen, Feldern und Dächern zu tröſten, ſonſt müßte es allgemach eine Art Heimweh nach dem Grünen bekommen.
Die Möbel gleichen natürlich den bei uns üblichen, nur ſind ſie größer, umfangreicher, wie es der Ausdehnung der Räume entſpricht; aber ganz ſpecifiſch ruſſiſch iſt das zierliche kleine Cabinet oder Boudoir, welches in einer Ecke des Salons angebracht iſt; die Wände deſſelben ſind aus koſtbarem Holze geſchnitzt und mit den ſeltenſten Schlingpflanzen bekleidet, ſchwellende ſeidene Divans laufen ringsherum, und ſo dient es der Dame des Hauſes als vertrauliches Plauderplätzchen,
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wo ſie, von ihren übrigen Gäſten abgeſondert und doch bei
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