Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
795
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Euch fühlten! ſagte der Knabe. Um die lange Geſchichte kurz zu machen, in der dritten Nacht war der Knabe wieder da, und daß der arme Pooka eine ſehr große Freude hatte, als er den warmen Rock ſah, welchen der Knahe ihm brachte, kann man ſich leicht denken. Der Pooka und der Knabe arbeiteten nun gemeinſchaftlich, um die vier Füße des Pooka in die vier Aermel des warmen Rockes zu kleiden, der dann von dem Knaben unten an der Bruſt und am Bauche des Pooka zugeknöpft wurde, und dieſer war über ſein neues Kleid ſo erfreut, daß er an den Spiegel ging, um zu ſehen, wie er darin ausſehe.Gut, ſagte er,der Rock ſitzt wie ange⸗ goſſen und es iſt keine Falte darin. Ich bin Dir und Deiner Mitdienerſchaft ſehr verbunden. Ihr habt micch zuletzt glück⸗ lich gemacht. Ich wünſche Dir gute Nacht. Damit ging er fort, aber der Knabe rief:O, gewiß, Ihr geht zu bald; wie iſt es mit dem Waſchen und Fegen?Ach, Du mußt den Mädchen ſagen, das ſei von jetzt an ihre Arbeit. Meine Strafe ſollte ſo lange dauern, bis ich einer Belohnung für die Art, wie ich meine Pflicht erfüllt, für würdig erachtet worden ſei. Ihr werdet nichts wieder von mir ſehen oder hören. Das war wirklich der Fall und ſie ärgerten ſich ſehr, daß ſie ſich ſo eilig bereit gezeigt hatten, den undankbaren Pooka zu belohnen. C.

Der Norweger Bjürnſon.

Wir wollen nicht unterlaſſen, über Lebenslauf und Lebensumſtände dieſes mit Recht ſo beliebten modernen Dichters unſern Leſern einige Notizen mitzutheilen, die wir bei Gelegenheit der Arbeiten von Lobedanz dieſen entnehmen.

Björnſtjerne Björnſon ward am 8. December 1832 geboren, und zwar in einer einſamen Gegend des Dovrefjäld in Norwegen, woſelbſt ſein Vater Pfarrer an der Kirche zu Qvikne war.

Die Natur, in welcher Björnſon ſeine erſte Jugend ver⸗ lebte, war ächt norwegiſch. Wer kennt ſie nicht wenigſtens nach Landſchaften! Deutſche Maler, z. B. Achenbach, haben in ihnen die herrlichſten Motive für ihre Werke gefunden, und wenn der Deutſche von Norwegen hört, dann ſteht vor ſeinem innern Blicke eine Natur auf voll ernſter Größe und Hoheit. Himmelhohe, blaugraue Felſenwände, über welche die Nacht des Nordens ihre rieſigen Schatten wirft, während die Sonne des Südens mit ihrem rothen Lichte nur in ein⸗ zelnen Momenten des Glückes ein ſüßes, aber um ſo ent zückenderes koſtbares Lächeln darüber breitet. Kahl ſind dieſe Felſen zumeiſt, hie und da Tannen und Birken, Moos und Flechten, Haidekraut mit Beeren in Fülle. Dann in der Höhe das Kreiſen des Adlers, die Schaaren weißer Schneehühner! In Wäldern und Schluchten derKönig Bär, der oft Menſchen und Thiere anfällt! Ueber allem dieſen aber an der Küſte des Landes das ewige Meer, mit ſeinen Wogen und ſeinem Schaum, nur ſelten ganz ruhend, aber dann lieblich und lockend wie mit dem heimlichen Zauber, den Goethe in der Ballade vom Fiſcher ſchildert. Endlich die gewaltigen Waſſerfälle, welche über himmelhohe Felſen hinabſtürzen, als wollten ſie ganze Reiche hinabſchwemmen in das Meer, in deſſen Abgrund ſie endlich verſchwinden! Und in dieſer Natur nur ſparſam einſame Menſchenwoh⸗ nungen, armſelige Kirchlein von Holz, in denen aber das Bild des Erlöſers über dem Altar im Schmerze des Todes lächelt und Zeugniß ablegt von der Macht der Liebe, die aus Nazareth über die Welt kam.

Dies ganze großartige Naturleben, mit ſeinem Ernſte

Vierle Jolge. 795

und ſeiner Strenge, mit der leidenſchaftlichen Kraft des Meeres und der Katarakte, gemildert zur demüthigen Ehr⸗ furcht vor dem Göttlichen, finden wir auf Tritt und Schritt in Björnſons Werken.

Einſam lag der Predigerhof, den kein wogendes Korn⸗ feld umgab, weil Korn dort nicht gedeihte. Geſpielen hatte der Knabe nicht, da er das erſte Kind ſeiner Aeltern war. So wurden Vater und Mutter es, und wenn im Winter haushoher Schnee die Berge bedeckte und das Haus mit Schneewällen umgab wie eine Burg, dann fuhr der Vater den Sohn im Schlitten. Wie ein Sturmwind ſauſten ſie die Bergabhänge herunter imfröhlichen Burſchen hat er uns auch dieſes geſchildert. Wollte die Mutter das Bürſchlein für ſeine Unarten mit der Ruthe züchtigen, ſo kroch er auf den Schneewall, der das Haus umgab, und dorthin konnte ſie ihm nicht folgen. Droben aber konnte er hineinnicken in den zweiten Stock, wo der Vater ſtudirte, und dieſer bat dann lachend für den Sünder, daß er der Strafe entging.

Der Vater ward endlich in eine andere Gegend ver⸗ ſetzt, und zwar nach Näſſet in Romsthal, einer der ſchönſten romantiſchen Gegenden Norwegens. Man denke ſich nach nackten Felſen mit ewigem Eiſe und Schnee, baumlos und ohne Kornfeld, eine Gegend wie bei Bodenbach in der ſäch⸗ ſiſchen Schweiz, oder wie in Thüringen, in den ſchönſten Gegenden Baierns oder Tirols! Der Unterſchied iſt herz⸗ ergreifend oder ſeelenerweckend! Dieſe Gegend war auch für Norwegen ungemein bevölkert, und nach dem einſamen Um⸗ gange mit der Natur genoß er auch den der Menſchen und ſammelte unbewußt reiche Schätze der Erfahrung, die über⸗ all als reinſtes Gold aus den Zügen ſeiner Schöpfungen hervorglänzen.

Es erging Björnſon, wie ſo vielen Dichtern, daß ſein Weſen, weil es im ſcheinbaren Traum im Innern arbeitete, den Andern mißfiel. Mann hielt ihn, weil er treuherzig dem Menſchenworte glaubte, da er das Seltſame, Märchen⸗ hafte als Möglichkeit in ſeinem Innern trug, für einfältig. Dies jedoch machte ihn demüthig und vertiefte unbewußt ſein Seelenleben. Er ließ ſich viel gefallen, aber wenn ſeine Geduld am Ende war, ſo war er ſtärker als die Anderen. Als der Knabe noch die Schule beſuchte, geſchah es, daß ſein Vater von ſeinem Amte, in Folge einer falſchen Beſchul⸗ digung, ſuspendirt wurde. Zwar ward er freigeſprochen und erhielt ein beſſeres Amt, allein dieſe Begebenheit erweckte etwas Bitteres, Wildes in der Natur des Knaben, trotz ſeiner Menſchenliebe, und auch dieſes finden wir in ſeinen Dich⸗ tungen wieder.

Als Student in Chriſtiania begann Björnſon, einem mächtigen Triebe folgend, ſeine literariſche Laufbahn. Nur zwei Aufführungen auf dem dortigen Theater hatte er geſehen, als er auch ſchon ſelbſt ein Stück ſchrieb. Geleſen hatte er noch nie ein Schauſpiel. Es wurde zur Aufführung angenom⸗ men und der Dichter erhielt dafür einen Freiplatz im Theater. Da lernte er indeſſen bald, was ſeinem Erſtlingswerke fehlte, zog es zurück und opferte es den Flammen. Er hatte nun das Theater kennen gelernt. Dieſe Erfahrung hatte ihm ſein hohes angeborenes Kunſtideal zum Bewußtſein gebracht und zwar, wie Asmus Carſtens einſt, unverfälſcht durch ſchulpedantiſche, akademiſche Mißbildung, deren Gift, wenn es zu früh an das wachsweiche Kinderherz tritt, es ſo oft für das ganze Leben vergiftet. Er wollte daher das Theater reformiren, ſchrieb Kritiken in dem Wahne, das Publicum und die Künſtler liebten die wahre Kunſt und wünſchten die