792 Novellen⸗eitung.
Naturreiche, zeigt es doch nur wenige getreidereiche in einer böſen Welt, einem eiſernen Zeitalter, wo Ebenen. Auf empfindliche Weiſe mangelt das Waſſer; der Bruder den Bruder mit Hülfe beſtochener Richter die Flüſſe, von reichlichen Frühlings⸗ oder Herbſt- um das Erbe kürzt; der Ton, in dem er wackeren,
regen zu„Winterſtrömen“ geſchwellt, wie die alte
tugendhaften, friedfertigen Sinn predigt, zeigt, daß L zeigt,
Sprache ſie nennt, verſiechen im Sommer an vielen bei den Menſchen, unter denen er lebte, dergleichen
.5—=n,. Orten bis auf dürftige Rinnen, von denen manche
das nahe Meer nicht einmal erreichen.
Ermahnungen nichts weniger als überflüſſig waren Das Klima und ſeine Dichtung macht keinen Anſpruch darauf,
wechſelt zwiſchen empfindlicher Kälte auf den Höhen das Leben in einem idealen Lichte zu zeigen. Zur
und ſchwüler Hitze aber der meiſt klare und tiefblaue Himmel erhöht den Reiz der gefälligen Formen und Linien der Berge, und dieſen landſchaftlichen Reiz vollendet das Meer, das, allenthalben tief in's Land eindringend, die an⸗ muthige Abwechslung mannigfaltiger Formen und Farben vollſtändig macht. Das Meer iſt es, welches neben den Bergen den Charakter des griechiſchen Landes beſtimmt.
So nöthig es iſt, auf die Geſtaltung und geographiſche Lage des Landes zur Erklärung ſeiner Politik und Civiliſation einzugehen, ſo wichtig iſt es auch, das demokratiſch⸗realiſtiſche Element feſtzuhalten, welches ſchon frühe in der griechiſchen Literatur ſeinen Ausdruck fand. Auch hierauf weiſt der Autor löblich hin.
Dem glänzenden und erfreulichen Bilde ritter⸗ lichen Lebens, welches uns in der homeriſchen Dich⸗ tung entgegentritt, entſprach nicht überall die Wirk⸗ lichkeit. Die Leidenſchaften, deren Spiel, zurückge⸗ worfen durch den Spiegel der Kunſt, das Gemüth ſo angenehm erregt, übten ihre verheerende Wirkung, und es iſt nicht anders zu erwarten, als daß das Gefühl der überlegenen Macht und des gewaltigeren Arms ſich vielfach auch in rückſichtsloſem Unterdrücken und Zer⸗ trümmern geltend gemacht habe. Auch über dieſe Kehrſeite des ritterlichen Lebens fehlt es uns nicht an zuverläſſiger Kunde. Wenn Homer nach dem Worte eines ſpäteren Spartiaten ein Dichter für die Ritter war, ſo fehlt uns auch der Dichter nicht, der Empfin⸗ dungen und Zuſtände der Bauern wiedergiebt. Von dem Männerſaal der Königsburg, von den Höhen des Götterberges verſetzt uns die Dichtung des Heſiodos, wenige Menſchenalter nach Homer, in die Enge eines böotiſchen Dorfes. Sein Vater hatte zu Kyme gewohnt, hatte aber, wie mancher Andere, der ſein Glück an den Küſten Kleinaſiens geſucht hatte, ſeine Rechnung beim Seehandel nicht gefunden. Er war über's Meer zu— rückgefahren und hatte ſich zu Askra am Fuße des Helikon niedergelaſſen, und in ſeinen„Werken und Tagen“ führt uns der Sohn tief in die Arbeit, die Sorgen und Klagen eines bäuerlichen Lebens ein. Hier iſt die Dichtung nicht das heitere und prächtige
in den Ebenen und Thälern; Verkündigung des Wahren haben ihn die Muſen ge⸗
weiht, und indem er tief in die Wirklichkeit hinein⸗ greift, bedient er ſich der poetiſchen Formen, um den Landmann zu unterweiſen, wann und wie er ſäen und ernten, wie er ſich die Ohren gegen den heftig wehenden Boreas und die böſen Morgennebel ſchützen, mit welchen Jahren er in die Ehe treten, wie er es mit ſeinen Knechten halten ſoll; zu welcher Zeit man
— wenn es ja nicht anders ſein kann— zu Schiff
ſteigen muß, um den Ertrag ſeines Feldes zu ver⸗ werthen; an welchen Tagen man ſich der Götter wegen mit beſtimmten Geſchäften in Acht zu nehmen hat. Am beredteſten aber wird ſeine Sprache, wenn es gilt, gegen die Könige— ſo nennt er die Edelleute — zu klagen, welche die Gaben der Armen verzehren und dem geringeren Manne gegenüber ſich nur auf das Recht des Stärkeren berufen, wie der Habicht, der in ſeinen Klauen die Nachtigall davonträgt.
Wer zu Anfang des achten Jahrhunderts v. Chr. die Landſchaften Griechenlands durchwandert hätte der würde vom Fuße des Olymp bis zu dem des Taygetos in den Hütten der Bauern dieſelben Klagen gehört haben. Er würde in der Ebene von Theſſalien die Theſſalier, denen die Pferdezucht in dem weitge⸗ dehnten Land eine große kriegeriſche Ueberlegenheit gab, ein hartes Regiment über die unterworfenen Landeseingeborenen haben üben ſehen, welche als Peneſten in einem Mittelzuſtand zwiſchen Freiheit und Sclaverei ihren Herren zins⸗ und kriegspflichtig waren, und ſich nicht, ohne gerufen zu ſein, auf den Plätzen der Städte, welche die Ritter ſich ſelbſt vorbehalten hatten, verſammeln durften; er würde in Böotien das Königthum der heroiſchen Zeit völlig verſchwunden, in Attika die Macht des Adels gegenüber dem König⸗ thum und dem Volke in raſchem Steigen gefunden haben. Am ſchroffſten aber hatten ſich dieſe Verhält⸗ niſſe in den von den Doriern überwältigten Land⸗ ſchaften des Peloponnes geſtaltet und am folgerichtig⸗ ſten durchgeführt war jene Herrſchaft des kriegeriſchen Adels in demjenigen Theile der Halbinſel, welcher öſtlich vom Taygetosgebirge zu beiden Seiten des unteren Eurotaslaufs bis zum Meere ſich ausdehnte, der Landſchaft Lakonien.—
Spiel, wie in den homeriſchen Gedichten: Heſiod lebt
Die politiſche Geſchichte Griechenlands concentrirt
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