790 Novellen⸗Zeitung.
denen er jetzt auf dem Wege nach Rußland ent⸗
der von dem großen Kaiſer, um ſich zum Herrn von gegenging.
faſt ganz Europa zu machen, jetzt unternommen und. — dann will ich glauben, daß Comteſſe Julie für Sie beſtimmt iſt, und ſie wird Ihre Gemahlin werden. Wo nicht, wo Gott für ſei!“ fügte er nach einer Pauſe, in der er ein Wort von Winterfeld zu erwar⸗ ten ſchien, mit ſinkendem Ton der Stimme d „werde ich Julie vor der Welt ferner als meine Ge⸗ mahlin betrachten.“ Er hatte die letzten Worte hochaufathmend ge⸗ ſprochen und reichte Winterfeld die Hand, die dieſer mit wechſelnden Gefühlen, unter denen augenblicklich Dankbarkeit das vorherrſchende war, feſt drückte. „Gehen Sie jetzt zu meiner Gemahlin,“ ſo be⸗ ſchloß der Graf mit einem eigenthümlichen Lächeln ein Geſchäft, wie er es nannte, das ſeiner Meinung nach zur allſeitigen Zufriedenheit, zu der ſo lange ge⸗ ſtörten Gemüthsruhe der Betheiligten führen ſollte. „Fragen Sie die Comteſſe, ob ſie zufrieden iſt mit dieſem Ausgange. Bis zur Stunde iſt noch kein Wort
über die Angelegenheit zwiſchen uns gefallen, und die dehors ſind ſtrengſtens gewahrt.“
So waren die Verhältniſſe im Großen und im Kleinen am damaligen königlich weſtphäliſchen Hofe und in einer Reſidenzſtadt, deren ſociale Verhältniſſe auch in der allerneueſten Zeit, ausgehend von einem legitimen egentenhauſe, ſich in den wunderbarſten Spiegelbildern dargeſtellt haben. Und wenn ſich nun edle Herzen ſuchten und zueinander fanden im da⸗ maligen Babel, wer hätte diejenigen verurtheilen mögen, denen keine Schwierigkeit zu groß erſchien, wo es galt, für den Beſitz jedes Beſſere ertödtenden eitlen Schimmers eine Glückſeligkeit für das ganze Leben zu erringen?
Unter Thränen vernahm die Gräfin den Erfolg des ſchweren Ganges, den der geliebte Mann zur Erfüllung ihrer gegenſeitigen Hoffnungen, ohne welche kein Erdenglück mehr für ſie denkbar, am heutigen Tage unternommen hatte. Schmerzte ſie auch Beide der Verzug, den der Graf hinſichtlich des Zeitraumes
der legalen Trennung zur Bedingung gemacht hatte,
ſo vermochten ſie doch die Umſicht nicht zu verkennen, mit der er für den Fall von Winterfelds Tode in
einer Schlacht die Zukunft der Gräfin auf ehrenvolle
Weiſe ſichergeſtellt hatte.
Da es dem Baron peinlich war, vor dem Aus⸗
marſche ſeines Regiments noch einmal mit dem Grafen zuſammenzutreffen, nahm er auch den letzten Abſchied von der Geliebten an dieſem Morgen, und dürfen wir den Leſer wohl nicht verſichern, daß der Moment für die Gräfin um ſo erſchütternder war, als Winterfeld
Schon nach zwei Tagen befand ſich Heinrich von Winterfeld wegen Erkrankung des Oberſten v. Oſter⸗ hauſen als Commandeur des 1. Cüraſſierregiments bei einer der franzöſiſchen Colonnen, die mit ihren zahlloſen Geſchützen und unabſehbaren Bagagezügen nach allen Richtungen die Landſtraßen bedeckten.
Es würde zu weit führen, wollten wir den tapfe⸗ ren Officier durch alle die mörderiſchen Schlachten be⸗ gleiten, welche der für die franzöſiſchen Waffen ſo unheilvoll endende ruſſiſche Feldzug herbeiführte. Einen Zeitraum von fünfzehn Monaten und darüber über⸗ gehend, kehren wir zu den bekaunten Freunden zurück, die wir im Mai 1813, ſeit der Zeit, als der nun⸗ mehrige Oberſt v. Winterfeld von ſeinem Urlaube aus Dresden nach Caſſel zurückkehrte, ſchon allzu lange
dort verlaſſen haben. (Fortſetzung folgt.)
Gedichte von Eugen Labes.*)
Deutſcher Lenz und deutſche Liebe.
Nach Stürmen und nach Fluthen, Nach Blitz und Donnerklang, Nach Schauern, Sonnengluthen, Hell jubelnder Geſang.
Nach bangen Winternächten Ein helles Sonnenglühn, Nach Kampf mit dunkeln Mächten Das friſche Lenzesgrün.
Das iſt der deutſche Frühling, Der ſiegend zu uns zieht, Das iſt der deutſche Frühling, Iſt deutſches Lenzeslied.
Nach Nächten, trüben, laugen, Nach tiefem Herzeleid,
Nach Thränen und nach Bangen
V Die höchſte Seligkeit.
Nach Kämpfen, tief da drinnen, V Der Siegesſonne Gluͤhn,
Nach langem, bangem Minnen Des Herzenslenzes Blühn,
....*) Aus Heimath und Fremde. Dichtungen von Eugen Labes. der Geliebten die Gefahren nicht zu verhehlen vermochte, Leipzig, Max Priber. 1866.
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