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bare Vernachläſſigung der ihr ſo theueren Dienſtpflicht gewärtig ſein zu dürfen. Der eigentliche Grund der Verſpätung war in dem Schreiben nicht angegeben, und hat ihn die Königin auch ſpäter niemals erfahren.
Winterfeld freute ſich der ſchnellen Beſſerung der geliebten Frau, war aber um ſo betrübter, als der Tag endlich herankam, der ihm ſein Liebſtes für un⸗ beſtimmte, vielleicht für lange Zeit rauben ſollte.
Pleſſen, der am letzten Mittage mit Winterfeld bei der Gräfin ſpeiſte, erklärte bei dem Nachtiſche ſeine Verlobung mit der jungen Condeſſa und nahm gern die Glückwünſche der ſchönen Frau entgegen, deren Werth er bei wiederholten Beſuchen ſchätzen gelernt, die er in letzter Zeit mit dem hochbeglückten Baron bei ihr gemacht hatte.„Auf fröhliches Wie⸗ derſehen in Vaterlande, auf baldige Erfüllung unſerer Aller Wünſche!“ laukete der Spruch, den er beim letzten Glaſe ausbrachte, dann empfahl er ſich bald, um die Liebenden allein zu laſſen, die, wie er fühlte, ſich noch Vieles am Tage vor der Trennung zu ſagen hatten.
Aber ſie hatten von nichts geſprochen, als von ihrer Liebe, als die Stunde gekommen war, die auch Winterfeld endlich an den Aufbruch mahnte. Noch einmal drückte er die ſchöne Frau, um die ihn alle Welt in Valencia anfing zu beneiden, an die hoch⸗ ſchlagende Bruſt und flüſterte:„Ewig mein!“ und „ewig!“ hauchte die Gräfin und preßte den letzten glühenden Kuß auf ſeine Lippen.
„Nicht zweimal Abſchied nehmen: heute Abend
Novellen⸗
und morgen früh wieder!“ hatte die Gräfin im Ver⸗ laufe ihrer letzten fragmentariſchen Unterhaltung ge⸗ ſagt.„Laß es mit dem Abſchiede heute Abend genug ſein, theurer Mann!— Wenn die Morgenſonne Dich begrüßt, habe ich die Stadt Villareal im Geſicht— Deine guten Wünſche werden mich von dort ab be⸗ gleiten, bis ich, am Ziele meiner Reiſe, die gute Königin wieder gefunden, der ich des Guten und Schönen von Dir, mein Heinrich, ſo Vieles zu be⸗ richten habe.“
Die für die Cour der Königin von Corviſart be⸗ ſtimmte Zeit war vorüber. Der Hofhalt der hohen Frau befand ſich ſchon lange wieder zu Caſſel in dem glänzenden Schloſſe Bellevue, von wo aus ſie wider Willen und Neigung fortan wieder Zeuge werden mußte von den verſchwenderiſchen Feſten des Königs, als Winterfeld auf Sr. Majeſtät ſpeciellen Befehl aus Spanien wieder abberufen wurde. Es war gegen Ende des Jahres 1811, als er in Caſſel ankam.
Der König konnte nicht umhin, mit ſcheinbarem Wohlwollen den Mann zu empfangen, den Marſchall
Feitung.
Suchet auf Befehl des Kaiſers mit dem Ehrenkreuze geſchmückt hatte. Er empfing das Majorpatent aus höchſteigenen Händen, wurde aber ſchon am dritten Tage nach ſeiner Ankunft nach Osnabrück beordert, um der Mobiliſirung eines dort errichteten Reiter⸗ regiments ſeine Thätigkeit zuzuwenden. Die Gräfin befand ſich auf einer Reiſe nach dem Stammgute ihres“ Gemahles. Er ſah ſich daher gezwungen, ſich an ſeinen Beſtimmungsort zu begeben, ohne andere Nachricht von ihr, als die er in ihrem letzten Briefe erhalten: daß ſie, des Hoflebens nach der ſpaniſchen Reiſe mehr als je überdrüſſig, ſich nach einer baldigen Verände⸗ rung ihrer Lage ſehne und deshalb mit der Königin geſprochen habe.
Es war im Februar 1812, als Winterfeld mit dem Regimente nach Caſſel kam, um zu den Truppen zu ſtoßen, die ſich in der Hauptſtadt verſammelten, um vor dem Könige die Muſterung zu paſſiren, bevor ſie ſich mit den verſchiedenen franzöſiſchen Heeresſäulen vereinigten, die ſich vom Rheine her zum ruſſiſchen Feldzuge in Bewegung ſetzten. Der angeſtrengte Dienſt hatte Major Winterfeld noch keine Zeit ge⸗ laſſen, im gräflichen Hötel einen Beſuch abzuſtatten.
Ein Hofball, den der König zu Ehren der höhe⸗ ren Officiere des abziehenden Heeres veranſtaltet hatte, ſollte ihm Gelegenheit geben, die geliebte Frau nach längerer Trennung wiederzuſehen.
Sie erſchien ihm faſt ſchöner, als ſonſt, in dem reizenden Ballanzuge, der wohl geſchmackoll gewählt, aber keine Spur der herausfordernden Toiletten zeigte, durch welche die übrigen Hofdamen nach dem von der üppigen Gräfin Truchſeß gegebenen Vorbilde ſich
unr zu ſehr bemerklich machten. Nur kam ſie ihm
ungewöhnlich bleich vor und ſtatt des feineren Lä⸗ chelus, das ihren edlen Zügen einen ſo beſonderen Zauber verlieh, thronte ein faſt ſtrenger Ernſt auf der hohen denkenden Stirn. Die düſtere Wolke klärte ſich nur leicht auf, wenn in Momenten, in denen ſie ſich ſicher glaubte, nicht beobachtet zu werden, ein ſchneller Blick Winterfelds, unter ſtrahlendem Auf⸗ leuchten des dunkeln Auges, flüchtig von ihr erwidert wurde. Der Baron aber kannte Julie von O. zu genau, als daß er nicht aus ihrer äußeren Erſchei⸗ nung zu dem Schluſſe kommen mußte, daß ſie allen an⸗ deren Freuden der Welt, nur nicht ihrer Liebe zu ihm entſagt hatte. Aus dem Auftreten der Gräfin Truch⸗ ſeß, aus ihrem faſt rückſichtsloſen Benehmen gegen den König konnte er dagegen entnehmen, daß ſie den Schwachen durch ihre Reize jetzt vollſtändig beherrſchte. Die Ränkeſüchtige hatte es ſo einzurichten gewußt, daß die tödtlich von ihr gehaßte Gräfin O. nur in ihrer Nähe, nur unter ihren ſcharfen Blicken mit Win⸗
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