Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
786
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786 Novellen⸗

Weges auslugend ſtehen geblieben. Erſt als ein heftiges Ringen begann zwiſchen dem Angreifer und Winter⸗ feld, der Erſteren jetzt mit kräftiger Fauſt an der Kehle gepackt hatte, und der Gräfin angſtvolles Hulfegeſchrei weithin ertönte, ſchienen ſie Miene zu machen, den Kampf durch einen doppelten Mord zu einem ſchnellen Ende zu bringen. In dieſem verhängnißvollen Augenblick fiel ein Schuß; einer der Briganden ſtürzte getroffen zur Erde, als er von der letzten Stufe der Capelle auf den Weg ſprang, und der Rittmeiſter v. Pleſſen, der ſeinen Leuten voran in geſtrecktem Carriére her⸗ anjagte, hieb den Banditen, den Winterfeld von ſich geſchleudert hatte, ſo derb in die Schulter, daß er unter dem RufeJesus Maria! in die Kniee ſank. Erſt nach⸗ dem die erſte Aufregung vorüber war, in welche die entſetzliche Ueberraſchung alle Gemüther verſetzt hatte, bemerkte Winterfeld, daß die Gräfin verwundet war. Der Dolch, welcher des Geliebten Herz gegolten und in ſo entſchloſſener Weiſe von der muthigen Frau ab⸗ gewandt war, hatte ihren Oberarm geſchlitzt; ein kleiner Blutſtrom rieſelte herab bis zur Hand, die ſie Winterfeld mit dem Ausrufe reichte:Gott Lob, wir ſind gerettet!

Pleſſen war ſchnell vom Pferde geſtiegen, um ſich von dem gefahrloſen Zuſtande der Gräfin zu über⸗ zeugen, während Winterfeld bemüht war, das Blut zu ſtillen und die mehr ſchmerzhafte als bedeutende Wunde mit ſeinem Tuche zu verbinden.

Unſere Lage war höchſt bedenklich geworden, Herr von Pleſſen, redete die Gräfin ihn an;hätte Gott uns nicht in Ihnen den Retter geſandt, es wäre jetzt vorbei'mit uns beiden armen Menſchenkindern; nur Ihnen allein haben wir zu danken, daß wir leben und geſund ſind.

Den Liebesdienſt vergeſſe ich nie, den Du, mein treuer Pleſſen, uns heute geleiſtet, ſagte Winterfeld und ſchüttelte dem Freunde die Hand;aber wie kam es, daß Du uns, als die Gefahr am größten, als rettender Engel erſchienſt?

Auf die beiden Schüſſe vom engliſchen Commo⸗ doreſchiffe eilte ich mit einigen meiner Leute Grao vorüber nach der öſtlichen Seite des Hafens, um zu erforſchen, ob etwa die im Bau begriffene Schanze am Strande das Ziel der feindlichen Geſchütze ge⸗ weſen. Dort erfuhr ich von einem Manne, der in einem der Lagerhäuſer beſchäftigt war, während die Herrſchaften ihre Wißbegierde über die erforderliche Zeit ausdehnten, daß ein hoher Ufficiale mit einer Dame mug hermosa, durch die zwei Kugeln der Inglese verſcheucht, eilends den Rückweg uach der Alameda genommen. Nicht lange vorher ſagte der Va⸗

lencianer mit ſehr bezeichnender Geberde ſind auch

Zeitung.

drei hier unbekannte Seeleute, aber Kerle, die Bri⸗ ganden ähnlicher waren, als ehrlichen marmari, deſſelben Weges gegangen, nachdem ſie den Herrn und die Dame eine Zeitlang in ihrem Thun beobachtet hatten. Das'war mir genug. Raſch wandte ich mein Pferd der Alameda zu; ich kam zur rechter Zeit, den Schurken das Attentat zu verleiden das iſt Alles, ſagte Pleſſen und ſchloß ſeine Erzählung mit den Worten: Danken wir Gott, gnädige Frau, daß er ein Un⸗ glück abwandte, welches die ſchrecklichſten Folgen haben konnte, wenn Ihr bewunderungswürdiger Heroismus nicht das Beſte gethan hätte.

Aber noch Eins, begann er in ſcharfem Tone, indem er nach allen Seiten ſcharf ausſchaute:Wo iſt der Dritte der Geſellen? Einer iſt todt, der Andere krümmt ſich wie ein Wurm zu unſeren Füßen; wo iſt der Dritte der mordſüchtigen Briganden geblieben? Dieſer aber war während des Getümmels entwiſcht; ſchon bei dem auf ſeinen Cameraden abgefeuerten Schuß hatte er ſich im dichten Gebüſch verloren. Nach der Ausſage des Verwundeten, den jetzt zwei der Chevauxlegers geknebelt in ihre Mitte genommen hatten, war es el Paſtor, einer der gefürchtetſten cataloniſchen Briganden, der für ſeine verwegenen, mit⸗ unter blutigen Dienſte von den Engländern mit goldenen Guineen bezahlt wurde. Er diente ihnen als Wegweiſer, als Spion, als Pilot an den Küſten,

und war, wenn es die Gelegenheit mit ſich brachte*),

ſein eigener Agent.

Ueber dem ſchrecklichen Zwiſchenfall war der Abend mit ſeinem kurzen ſüdlichen Zwielicht eingetreten. Auf der Alameda wurde es lebendig. Die Stadt⸗ bewohner, nach Kühle und Blüthenarom, nach Spiel und kleinen Abenteuern ſich ſehnend, bewegten ſich in allen Richtungen auf Pfaden, die, vom Hauptwege ab, durch die Laubgänge zum Pavillon de la Flora führten. Voll Verwunderung blieben Manche ſtehen, als der Reitertrupp, mit dem gefeſſelten Räuber in der Mitte, vorüber ritt. Verwünſchungen folgten dem

Briganden, ſobald ſie die ſchöne Frau mit dem ver⸗

bundenen Arm erblickt hatten, die in geringer Ent⸗ fernung, in Begleitung der beiden Officiere, langſamen Schrittes nachkam. Man fing an zu ahnen, daß die fremde Dame ein ſchrecklicher Unfall, veranlaßt durch den Gefangenen, getroffen, und aus manchem ſchönen Munde klang leiſe das WörtchenPovritat, als die Gräfin, die plötzlich der Gegenſtand allgemeinen Mit⸗ leids geworden war, vorüberſchritt. Aber auch die Theilnahme wurde Allen zuletzt unangenehm, und man beeilte ſich, zum Höôtel de Roma zu gelangen,

*) War aus dem vom Oberſt Manſo befehligten Guerillacorps wegen wiederholter Mordthaten ausgeſtoßen.

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