Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
782
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782 Novellen⸗

ſich an der Spitze einer kleinen Abtheilung mitten in die Feinde geſtürzt hatte, ſank er, von zwei Kugeln ſchnell binter einander tödtlich getroffen, zu Boden. Doch ſelbſt im Todes⸗ kampfe noch hielt er das Freiheitsbanner feſt umklammert. Erſt dann ſank er verblutend auf die geliebte Fahne zurück, als ein herbeieilender Officier die Nachricht brachte, daß die Franzoſen zurückgedrängt würden.

Mendoza ſtarb geliebt und allgemein betrauert, und ſelbſt im Tode wurde er noch vom Könige geehrt. Denn als zwei Tage ſpäter die Nachricht im franzöſiſchen Hauptquar⸗ tiere zu ihm gelangte, rief er bewegt aus:Er allein gehörte in der Gegenpartei zu den Wenigen, die es wahrhaft wohl mit uns gemeint haben. Das Vaterland war ihm das Höchſte, doch ich, der König, bin ihm ſtets heilig geweſen. Er opferte mir Alles, und dafür hat er jetzt einen Heldentod gefunden. Es werden ihn Viele deshalb ſpäter beneiden!

Dieſe den ſchwachen König überkommene weiche Stim⸗ mung, die Manche ſogleich zwiefach deuteten, da ſie eben ſo gut das ſchwarze Schickſal, das Manchem die nächſte Zukunft bringen, als Rührung über Mendoza's Tod bedeuten konnte, dauerte indeſſen nicht lange. Denn wenige Monate ſpäter, ſobald ſich der König, geſchützt von dem ihm durch Geſinnung, ſowie durch Familienbande verwandten Herzog von Angoulème, und dicht umringt von ſeinen frühern fana⸗ tiſchen Rathgebern, wieder im vollen Beſitze der abſoluten Gewalt ſah, endete der noch kurz zuvor vom Volke vergötterte Riego, eines ganz anderen Looſes würdig, durch Henkershand ein Leben, das dem Vaterlande, ſowie dem coſtitutionellen Könige gewidmet geweſen war, und zahlloſe andere Opfer folgten in ununterbrochener Reihe bis das Volk ſich auf's Neue empörte.

Vom heutigen Pariſer Theatertreiben.

Nur Einzelnes vom Allgemeinen kann unter dieſer Auf⸗ ſchrift geſagt ſein und wird die Leſer ſeſſeln; denn Viele reiſen zwar nach Paris, doch nur Wenigen iſt ein ſpecieller Einblick geſtattet, und dennoch iſt die Pariſer Theaterwelt für ganz Europa intereſſant und ihr Einfluß verbreitet ſich nach allen Gegenden hin. Der Verfaſſer der lebenden Bilder aus dem modernen Paris charakteriſirt uns in einem Unternehmen, das wir demnächſt beſprechen, ganz beſonders den jetzt ſo be⸗ liebten Luſtſpieldichter Sardou und einige Modetheater.

Der Nachfolger Dumas, der übrigens faſt mit ihm zu⸗ gleich auftrat, ſich aber länger zu halten ſcheint, iſt Victorien Sardou, zur Zeit wohl der bedeutendſte, oder doch der populärſte Luſtſpieldichter Frankreichs. Er iſt entſchieden vielſeitiger, wenngleich weniger bühnengewandt, als Dumas. Die Sardou'ſchen Stücke tragen nicht ſo ſehr das Gepräge der Realität(die Dumas'ſche Realität iſt keine ſehr anziehende), aber ſie ſind überaus amüſant. Sie ſcheiden ſich übrigens in zwei verſchiedene Kategorieen: das eigentliche Luſtſpiel und das moderne Sittenbild. Das erſtere iſt rein dichteriſche Erfindung und ſteht künſtleriſch und äſthetiſch weit höher; das andere iſt eine durch Uebertreibung zur Caricatur gewordene Copie der augenblicklichen Pariſer Geſellſchaft, mithin als Actualität höchſt intereſſant, aber ohne dauernden Werth. Und da Sardou gerade dieſe letztere Richtung zu ſeinem weiten Productionsſtadium gewählt hat, ſo ſind wir wohl berechtigt, auch um ſeine literariſche Zukunft beſorgt zu ſein. Man wird ſeinepattes de mouches, die auch in Deutſchland als Liebesbrief viel Glück gemacht haben, noch oft von Neuem und unter allgemeinem Beifall geben, wenn diefamille

Zeitung.

Benoiton, die benfalls mit ihren excentriſchen Toiletten über den Rhein gegangen iſt, längſt vergeſſen ſein wird. Mit dieſen beiden Stücken haben wir auch die zweifache Richtung Sardou's deutlich bezeichnet; das erſtere ſteht ebenbürtig neben den beſten Scribe'ſchen Lnſtſpiel, das andere hingegen iſt nur eine geiſt⸗ reiche Poſſe, in welcher der Dichter noch dazu die unterge⸗ ordneten Verkehrtheiten unſerer Tage, den übertriebenen Toilettenluus der Damen und den albernen Sprachjargon gewiſſer Regionen geißelt. Daß das Stück zweihundert Mal hintereinander bei vollem Hauſe gegeben werden konnte, ſpricht nur für ſein zeitgemäßes Erſcheinen und für ſeine pikante Tendenz, nicht aber für ſeine literariſche Bedeutung. Der Dichter ſelbſt iſt ſogar dadurch in ein zweideutiges Licht gerathen, nnd er mag nur auf die Warnung verſtändiger Freunde hören und nicht auf den ſchnell verwehenden Beifall einer launenhaften, leichtfertigen Menge, wenn er nicht ſeinen wohlverdienten Kranz verſcherzen will. Was nützt es(um hier gleich ein- für allemal dem Einwurf zu begegnen, womit die Realiſten unter den Kunſtkritikern wie früher Dumas', ſo jetzt Sardou's neue Manier in Schutz nehmen) was nützt es, daß uns der Dichter die Gebrechen und Lächerlichkeiten unſerer Zeit noch dazu in gleißenden und verführeriſchen Farben ſchildert und die ſocialen Wunden aufdeckt, an denen unſere Geſellſchaft dahinſiecht, wenn er nicht zugleich ein moraliſches Gegenbild des Beſſeren bietet, als Heilmittel zur Geneſung? Und in dieſer Beziehung ſteht Ponſard weit über Sardou, an den wir nur deshalb einen ſo ernſten Maßſtab anlegen, weil uns ſein großes Talent zu großen Forderungen berechtigt. Auch noch einen anderen Punct wollen wir hier kurz berühren, um unſere Behauptung zu erklären, daß nämlich ein Stück auf den Bühnen zweiten Ranegs hundert Mal gegeben werden und doch im Grunde ganz werthlos ſein kann. Zu⸗ nächſt ſind die Künſtler auf jenen Bühnen durchweg vortreff⸗ lich. Für die Schauſpieler aller tiefer ſtehenden Pariſer Theater, und es giebt noch drei, vier Kategorieen, iſt es ſehr ſchwer, ſich bis zumGymnaſe undVaudeville hinaufzu⸗ arbeiten, denn dieſe beiden Bühnen liefern ſpäter das Contingent für das Odeon und für das Théaätre français; ſind ſie aber einmal dort angekommen, ſo haben ſie auch die Feuerprobe beſtanden. Die Directionen thun ferner alles Mögliche zu einer reichen, glänzenden Inſcenirung, auch die Reclame wird mit ihren hundert und tauſend Stimmen in Be⸗ wegung geſetzt, um die Neugier des Publicums zu reizen, vorzüglich wenn ein bekannter oder gar berühmter Name auf dem Zettel ſteht. Dies hat ſich deutlich im November v. J. bei dem unglücklichen Stücke Girardinsles deux soeurs gezeigt, die jeden Abend Fiasco machten; aber dies war ſo amüſant, daß alle Welt die theatraliſche Blamage des großen Journaliſten zu ſehen wünſchte, was dem armen Schweſter⸗ paare einen negativen Erfolg von fünfzig Vorſtellungen ver⸗ ſchaffte, der aber finanziell für die Caſſe des Directors zu einem ſehr poſitiven wurde.

Die Sardou'ſchen Stücke, von denen wir nochnos intimes undles vieux garçons als die bedeutendſten nennen, ſind ſämmtlich in's Deutſche überſetzt und auf deutſchen Bühnen gegeben worden, wir wiſſen nicht, ob mit großem Erfolg; aber man darf auch an erartige Be⸗ arbeitungen nicht den Maßſtab des Originals legen. Der eigentliche Localton und die hundert kleinen Details, die ſich direct oder indirect auf das Pariſer Leben beziehen und die nur von einem Pariſer Publicum verſtanden werden können, gehen natürlich dadurch verloren und der etwaige Erſatz durch Aehnliches aus der deutſchen Sphäre dürfte wohl nicht

mehr weiß, we die pikanteſten auf die Tages lichkeiten und men und nie Perſfage gie polliſchen, beide zu und zweideunige A bſſe Pariſer S igt, iſt ſelb genau nehmer Royal um ſo höheren Büh⸗ ebenfalls dah Schauſpieler Madame od achtundſechzi ſie ſelbſt ſpi jugendlichen u. ſ. w. Em men, das nicht mit de Eindruck zu malte Geſich aber(ein w ihr geblieben des Lörpers ſpringt und ler, auch än drei Liebſcha duellirt ſich dirbt es zu Welt, Jug das iſt die tritt und n wie geſa t beiden à