Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
778
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Novellen⸗Jeitung.

Feuillelon.

Graf Velasco de Gama.

Don Rodrigo Velasco de Gama, aus einer ſo alten und angeſehenen Familie entſproſſen, Grande von Spanien, Ritter faſt aller Landes⸗Orden, war einer der reichſten Guts⸗ beſitzer in Andaluſien, ſowie in Valencia, wo er einen kinderlos geſtorbenen Bruder beerbte. Nach längern Reiſen im Auslande kehrte er in ſein Vaterland zurück und ver⸗ heirathete ſich mit Donna Iſabella de Contomas, der jüngſten Tochter des ſpäter durch die Vertheidigung von Tarragona berühmten Generals. Seine Kenntniſſe, ſeine Gewandtheit und, was nicht zu überſehen, ſein Reichthum verſchafften ihm ſehr bald eine glänzende Stellung am Hofe. Indeſſen, die bald darauf erfolgende Erhöhung des frühern Garde⸗ officiers Don Manuele Godoy zum Principe de la Pace ꝛc., die als Liebling der Königin ſich täglich mehrende Anma⸗ ßung des kecken Emporkömmlings, eine zwiſchen ihm und dem Günſtlinge in den königlichen Gemächern ſtattfindende heftige Scene, brachten einen von dem liberalen Manne ſchon in jüngeren Jahren gefaßten Plan zur Reife, unter Beibehaltung ſeiner ſpaniſchen Beſitzungen einige Jahre in den Vereinigten Staaten von Nordamerika zu verleben, um ſich mit den Einrichtungen der ſo mächtig aufblühen⸗ den Freiſtaaten bekannt zu machen.

Die Königin, höchſt erfreut, des Mannes entledigt zu werden, deſſen Grundſätze denen des Favoriten gerade ent⸗ gegenſtanden, vermochte Carl IV. endlich dahin, dem Grafen, der dem Könige allmälig in dem Maße ebenſo unentbehrlich wurde, als ſich Don Mannuela ſeiner königlichen Herrin nothwendig gemacht hatte, die lange vorenthaltene Urlaubs⸗ bewilligung auf drei Jahre zu ertheilen.

Don Velasco war bereits ein proviſoriſcher Bürger im Staate Pennſylvanien geworden, als der Aufſtand in Spanien allgemein wurde, nachdem Napoleon die am Hofe ſich mehrenden Intriguen geſchickt dazu benutzte, Carl IV. in ſein Garn zu locken. Lange widerſtand der Graf den wieder⸗ holt von ſeinen zahlreichen Freunden in Spanien an ihn gerichteten Bitten, ſeine Dienſte den Angelegenheiten des bedrängten Vaterlandes zu widmen. Sobald er jedoch die Ent⸗ führung und ſpätere Verhaftung Ferdinands VII. in Frankreich erfahren, ſtand ſein Entſchluß feſt, kein Opfer zu ſcheuen, um V die eben errichtete Junta in Madrid und die Inſurrection über ganz Spanien zu conſolidiren.

Unter Zurücklaſſung ſeiner Familie ſchiffte er ſich zu Anfang des Jahres 1809 nach Spanien ein, und ſtellte der V Regierung ſofort 30,000 Piaſter zur Dispoſition. Ohne ſeine und der Klöſter endloſe Beiſteuer würde Spanien ſelbſt unter Englands energiſcher Mitwirkung ſchwerlich im Stande ge⸗ weſen ſein, ſo wenig den achtjährigen Befreiungskampf mit ſolchem Nachdruck zum Ziele zu führen, als ſpäterjahrelang den verderblichen Parteienkampf aufrecht zu erhalten.

Aus dem politiſchen Leben des Grafen nach der Rückkehr des Künigs aus der Napoleoniſchen Haft.

Ein Beitrag zu der ſpaniſchen Hof⸗ und Revolutionsgeſchichte nach deſſen Tagebuchern, deren Veröffentlichung dem Verfaſſer nach dem wainigan Jahren erfolgten Tode des Grafen geſtattet wurde. nigs aus Valencay begab Zourbon als Deputirter

der Cortes nach Valencia, wo er vorläufig ſein Hoflager aufgeſchlagen hatte, um Se. Majeſtät einzuladen, in die Hauptſtadt zu kommen. Es iſt geſchichtskundig, in welcher Weiſe er ſich deſſen weigerte, bis er ſich der Mittel ver⸗ ſichert hatte, meineidig, ohne fernere Gefahr für ſich ſelbſt, ſein dem Volke auf der Landesgrenze gegebenes Wort zu brechen, alles Gute, was die Cortes bis dahin erwirkt, zu vernichten und ſich mit abſoluterer Macht, als es je ein König zuvor gethan, auf den Thron zu ſetzen, den er allein den Cortes und den heroiſchen Anſtrengungen des Volkes zu verdanken hatte.

Weniger aber iſt es zur allgemeinen Kenntniß gelangt, daß der engliſche Geſandte, Sir Henry Wellesley, die Maß⸗ regeln angerathen hatte, welche der König in Anwendung brachte, und daß Ferdinand VII. an dem Tage vorher, ehe die fluchwürdige Proclamation von ihm erlaſſen wurde, eine ſehr bedeutende Geldunterſtützung vom engliſchen Gouverne⸗ ment erhielt. Es iſt keinem Zweifel unterworfen, daß dieſer Um⸗ ſtand, wodurch des Königs Finanzen wiederhergeſtellt wurden, ihm auch den Muth gab, ſeine verabſcheuungswürdigen Maßregeln in Ausführung zu bringen. Er würde es nimmer gewagt haben, wenn ihm nicht dieſer für Spanien ſo gefähr⸗ liche Beiſtand gekommen wäre. In einer gefüllten Caſſe ſind Entſetzen, Beſtechung, Verführungs- und Einſchüchterungs⸗ mittel enthalten. Geld iſt der Nerd der Tyrannei und des Krieges. Mit dieſem mächtigen Hebel bewaͤffnet, war Fer⸗ dinand VII. nun ſchnell darauf bedacht, dieſelben Cortes zu vernichten, die ihm das Land und den Thron ſeiner Väter erhalten hatten. Durch Betrug, Verrath und Gewalt ſuchte er ſeine despotiſche Krone zu ſichern. Die Engländer, vor wenigen Wochen noch die treueſten Verbündeten der Cortes, hatten dem Schattenmonarchen durch ihr Geld den Weg zu ſeinem ſchimpflichen Triumphzuge gebahnt und die Hundert⸗ tauſende freiwilliger Seclaven beſeelt, deren fanatiſche Hul digung Deſſen ganz würdig war, dem ſie gebracht wurde.

Noch während der erſten Tage des Mai erhob das Volk die Cortes und die Regentſchaft lobpreiſend bis zu den Wolken, überall ehrte man das Andenken Derer, die für Spanien geſtorben waren. Niemals, ohne ihr Entzücken zu äußern, gingen die Menſchen an dem Denkmale vorüber,

welches mitten auf dem großen Platze zum Andenken an die

Einführung der Conſtitution errichtet war, ja ſie begrüßten das Monuuuent der errungenen Freiheit mit derſelben Ehrfurcht, als ihre Kirchen. Einige Tage ſpäter, bei meiner Rückkehr von Valencia, wurde mein Ohr von einem durchaus entgegen⸗ geſetzten Geſchrei getroffen. Unglückliches Volk, ohne Beſtän⸗ digkeit, ohne Glauben, ohne Vernunft! Von dem Geſchrei der Wuth, der Knechtſchaft, des Mordverlangens gegen ſeine Wohlthäter! Das Denkmal der Freiheit wurde in Trümmer zerſchlagen und in Stücken durch die Straßen geſchleift. Ein einziger Tag war hinreichend geweſen, das ganze ſo ruhige, auf ſeine Zukunft vertrauensvolle Spanien in einen Kampfplatz von Cannibalen und wilden Thieren zu verwandeln. Blut in Strömen bezeichnete die Ankunft des Königs, ſowie es vor ſieben Jahren ſeine Abreiſe bezeichnet hatte, und Spanien wurde durch eigenen Willen der Freiheit ungetreu, um welche andere Länder Jahrhunderte gekämpft

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