774 Novellen⸗Zeitung.
über ihre Köpfe ſauſte; gleich darauf erfolgte ein zweiter Schuß und eine Kugel wälzte ſich kaum 20 Schritte von ihnen im Sande.
„Auf dieſem Späherſitze länger zu verweilen ſcheint bedenklich zu werden,“ ſagte die Gräfin, die, mit der Wirkung ſchwerer Geſchoſſe noch gänzlich un⸗ bekannt, unter leichtem Erbeben zu Winterfeld auf— ſah und ſeine Hand erfaßte.
„Es könnte bedenklich werden, wenn ſie, nach einem deutlichen Erkennen der goldenen Epaulettes auf meinen Schultern, dieſe bei einem dritten Schuſſe zur Zielſcheibe nehmen ſollten,“ ſagte Winterfeld, indem er die Gräfin raſch auf ſeinen ſtarken Armen erhob und nach wenigen Sätzen die theuere Bürde hinter einem Schanzwerk niederließ, welches von den Franzoſen zu einer Strandbatterie beſtimmt war. Es fiel kein Schuß weiter; eine Reihe von Schuppen und Waarenhäuſern hatte das aufhorchende Paar den Blicken der feindlichen Schiffe entzogen; vielleicht war es auch dem britiſchen Commodore ſchon genug geweſen, den Beobachtern an der Küſte zu zeigen, wer Herr auf dem Meere ſei. Beruhigt ſchritt die Gräfin an der Hand Winterfelds weiter, und bald hatten ſie die Alameda wieder erreicht, auf deren ebenen Kieswegen ſie nun den bequemen Rückweg antraten.
(Fortſetzung folgt.)
Winterkönig.
Ballade. Aus dem Böhmiſchen des Franz Doucha überſetzt von Alfred Waldau.
Der Winter iſt da, der böſe Greis, Das Giebeldach ächzt, es klirrt das Eis.
Nichts regt ſich nun über Land und See, Leis rieſelnd fällt der flockige Schnee.
Ein Mägdlein, der Mutter herzliebſtes Kind, Will des Morgens wandern durch Schnee und Wind.
Eh' ſie noch tritt in's verſchneite Gefild, Die alte Mutter ſegnet ſie mild:
„Inbrünſtig befehl' ich Dich Gott, dem Herrn, Daß Winterkönig ſcheu bleibe fern!“
Und als ſie dreimal ausſprach den Bann, Die theure Tochter küßte ſie dann.
Sie hing an den Hals ihr ein Kreuz von Gold Zur Schutzwehr, wenn finſter das Wetter grollt.
Und mit dem Kreuz, am Altare geweiht, Geht in Gottes Namen feldüber die Maid.
Der Winterfroſt röthet ihr Angeſicht, Ein Schneeflockenkranz um die Stirn ſich flicht.
Weh' Dir, Jungfräulein, ſo ſüß und traut, Der Winterkönig begehrt Dich zur Braut!
Im dichten Gewölk' lauſcht der böſe Mann, Mit funkelnden Augen ſieht er Dich an.
Dein Liebreiz ihn nimmer ruhen läßt; Merk' auf, am Heimweg hält er Dich feſt!—
Zu Abend das Mädchen heimwärts kehrt, Winterkönig in Wolkenwogen fährt.
Ihn ziehen vier Schimmel pfeilgeſchwind, Die werden gelenkt von Froſt und Wind.
Und wo er auch fährt, der Wintermann, Folgt, Schneegeſtöber dem Viergeſpann.
Sein Mantel gleicht blutigem Spätrothſchein, Schneeflocken ſich weben als Zierrath d'rein.
Eiszapfen, gezackt ſo wunderbar, Sie bilden ſein Stirnband ſilberklar.
Das Haupthaar ſo lang, den Bart ſo dicht Bedeckt der Nachtreif wie Sternenlicht.
Ein Scepter von Bergglas hält ſeine Hand, Dem Alles ſich ueigt im Winterland.—
Er ſteigt vom Wagen, er nähert ſich ſchon, Seine Stimme klingt ſchmeichelnd wie Harfenton:
„Fein's edles Mädchen, o werde mein, Du ſollſt des Königs Gemahlin ſein!
O komm mit mir in mein prächtiges Haus, Dort winket der Wonnen goldener Strauß.
Hoch auf dem Eisberg, am blumigen Wall, Steht meine Burg von hellem Kryſtall.
Die ſtolzen Thürme mit blendendem Schein Wohl ragen bis in die Sterne hinein.
Rings im weißen Wald webt der Zaubertraum, Viel Sternlein hängen auf jedem Baum.
Wohl findeſt Du hier die lieblichſte Ruh' Und träumſt die ſchönſten Träume dazu!“—
Sein luftiger Arm erfaßt ſie geſchwind, Daß ſchier der Aermſten das Blut gerinnt.
Sie rühlt an Pinterkönig
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Sie tritt in de Winterkänig 9
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