Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
773
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kam dann auf die engliſchen Kriegsſchiffe zurück, mit dem Wunſche, ſie, wenn auch aus der Ferne, zu be⸗ trachten, da ſie größere Seeſchiffe, als die franzöſiſchen Kanonierſchaluppen beim Vorgebirge von Roſas und an der Landzunge der Veſte Peniscola, noch nicht ge⸗ ſehen hatte.

Dazu könnte wohl Rath werden, meinte Win terfeld lächelnd,wenn meine Julie einen zweiten Gang mit mir am Nachmittage nicht ſcheut. Indeſſen iſt es bis zum Hafen Grao von der Stadt nur eine halbe Stunde und der Weg, der über die blüthen⸗ und duftreiche Alameda führt, iſt einer der ſchönſten in der Welt. Darf ich Dich abholen, meine Theure, etwa gegen 6 Uhr?

O, gern, wie gern mache ich den Weg an Deiner Seite, liebſter Winterfeld! Bedenke, nur noch drei kurze Tage von den glücklichen, die wir wie im Fluge verlebt haben, und wieder müſſen wir voneinander ſcheiden; wer kann heute ſagen, auf wie lange Zeit!

Die Strahlen der Sonne fingen an empfindlicher zu werden, als Beide am Höôtel de Roma ſich trennten. Der Rittmeiſter ging, um ſeiner Dienſtpflicht zu ge⸗ nügen, nicht ohne der Gräfin eine Sieſta zu empfehlen, um für die zweite Hälfte des Tages die nöthige Kraft zu gewinnen.

Indeſſen die Gräfin von den Freuden träumte, die ihrer auf einem köſtlichen Abendſpaziergange harrten, in freier Natur, umgeben von tauſendfältigem Blumen⸗ hauche des großen Gartens, auf dem ihre Blicke am Morgen mit ſo großem Entzücken verweilt hatten, be⸗ eilte Winterfeld ſich in ſeinen militäriſchen Obliegen⸗ heiten, um pünctlich wieder bei der Geliebten zu er⸗ ſcheinen.

Beide aber hatten gewiß keine Ahnung davon, daß ſie auf dieſem ihnen ſo viel Angenehmes verhei⸗ ßenden Spaziergange von einem Ereigniſſe würden betroffen werden, das ohne der Vorſicht ſchützende Hand leicht einen ſehr tragiſchen Ausgang für Beide hätte nehmen können.

Entzückt von dem Wege, der wie ein Parkweg fortwährend durch Blüthengebüſche ſich ſchlängelt, hatten die Liebenden die bezaubernde Alameda ſchon binter ſich und der kleine Hafenort Grao präſentirte ſich maleriſch am Saume des blauen Meeres, als raſcher Huftritt hinter ihnen ertönte und Winterfeld, nicht ohne einige Ueberraſchung, an der Spitze eines Trupps ſeines Regiments den einzigen unter ſeinen Ca⸗ meraden, dem er in warmer Freundſchaft zugethan war, den Rittmeiſter v. Pleſſen erblickte. Dieſer hielt ſein Pferd an, nicht minder erſtaunt über das Zu⸗ ſammentreffen mit den einſamen romantiſchen Wanderern,

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die er, bei der bevorſtehenden Abreiſe der ſchönen Frau, von der er durch den ihm auch verwandtſchaftlich nahe⸗ ſtehenden Winterfeld gehört, ſich ganz anderswo in dieſem Augenblick gedacht, als auf der Alameda, die erſt wenig beſucht war es war noch zu früh für die Spaziergänger, wie die Liebenden es gewünſcht hatten.

Pleſſen entgegnete auf Winterfelds Fragewohin? daß er auf einem außergewöhnlichen Patroulllenritt, auf einer Art Recognoscirung längs der Küſte be⸗ griffen ſei, die zugleich den beobachtenden engliſchen Schiffen zum aviso dienen ſollte, daß man ſich nicht ſorglos am Lande verhalte. Er meinte auf dem Rückwege ſein zu können, wenn die Schiffe, wie ge wöhnlich, mit Einbruch der Nacht auf die hohe See hinausgingen. Schließlich flüſterte er Winterfeld nur dieſem hörbar zu, wegen der im engliſchen Dienſt ſtehenden, während der Tageszeit ſpionirenden Piloten auf der Hut zu ſein, und unter freundlicher Verneigung gegen die Gräfin ritt er weiter.

Auf die Frage der Gräfin, was Herr v. Pleſſen ihm insgeheim offenbart hätte, entgegnete Winterfeld lachend:Er meinte, außer den Nachtigallen, die unſer Ohr hier ergötzen, habe man auch wohl ſchon das heiſere Geſchrei von Stoßvögeln vernommen zwiſchen den Blüthengeſträuchen am Wege. Pleſſen iſt ein braver Camerad überall, wo es gilt aber, ſetzte er hinzu,er ſieht mitunter Geſpenſter, wo andere Leute keine ſehen. Es iſt einmal ſeine Art ſo, be⸗ ſonders wo er Damen hier zu Lande gefährdet glaubt, die zu unſerer Fahne gehören. Sei unbeſorgt, wir haben noch anderthalb Stunden vollen Tag, und ſind zu Hauſe rechtzeitig, um uns des eigenen Lebens und des Lebens der Menſchen vom Balcon aus zu erfreuen.

Ich fürchte nichts an Deiner Seite, an der Seite meines Cids, deſſen ich würdiger zu werden mich täglich beſtrebe, ſprach die beherzte Frau und raſcher ſchritteu ſie weiter. Nicht lange waren ſie ge⸗ gangen und das Meer lag offen vor ihren Blicken. Ein leiſer Wind fächelte wohlthuend die glühenden Wangen der Gräfin, während ſie mit neugierigen Blicken das Fernglas auf die hohen Borde der mäch⸗ tigen feindlichen Kriegsſchiffe gerichtet hielt, die mit gerefften Segeln, die Stückpforten gegen die Küſte ge⸗ kehrt, ſich majeſtätiſch vor ihren Ankern wiegten.

Die Gräfin, die ſelbſt die auf dem Verdeck ſich er⸗ gehenden Officiere erkannte, ſobald ihr Winterfeld deren Uniform des Näheren beſchrieben hatte, wurde des Schauens nicht müde. Etwa eine Viertelſtunde hatten Beide, abwechſelnd beobachtend, auf einem um⸗ geſtürzten Boote am flachen ſandigen Strande geſeſſen, als eine kleine blaue Dampfwolke aus einer der Stück⸗

pforten aufwirbelte und nicht lange darauf eine Kugel

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