Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
770
Einzelbild herunterladen

770 Novellen⸗ZJeitung.

Erſt ſechs Uhr nach unſerer Zeit und nach den franzöſiſchen Uhren, gnädige Gräfin; wie die Leute hier ihre Zeit berechnen, darüber habe ich noch nicht nach⸗ gedacht.

Dann wird es auch hier um ſechs Uhr ſein, ent gegnete die Gräfin lächelnd.Zu früh, um den Baron zu beſchicken. Aber Jean ſoll um 10 Uhr nach dem Hötel des Barons gehen und dieſem oder ſeinem Diener ſagen, daß ein Freund aus Deutſchland, be⸗ hindert, ihm perſonlich ſeinen Beſuch zu machen, ihn erſuchen läßt, ſich hierher in's Hôtel zu bemühen.

Roſette flog faſt, um dem Kammerdiener den Befehl zu überbringen, wobei ſie ihm einſchärfte, ſich nicht zu verſprechen, nicht etwa ſtatt eines Freundes, Freundin zu ſagen.

So ſchön die gebrachte Chocolate, ſo verlockend die kleinen Biscuits der Gräfin wollte nur wenig davon munden, während ihre Bruſt wogte, als wollte das klopfende Herz die beengenden Feſſeln zerſprengen. Um ihre ungeſtümer werdenden Gefühle zu beſchwich⸗ tigen, erinnerte ſie das um ſo heiterer geſtimmte Mädchen an die zu machende Toilette. Sie wählte das blaue Kleid, welches Roſette den anderen voran ganz im Vordergrunde ſorgfältig ausgebreitet hatte. Es iſt einmal den zartfühlenden Frauen gegeben, wie im Großen auch im Kleinen ihre Liebe zum Manne ihrer Wahl zu bethätigen, ſeinen Neigungen entgegen⸗ zukommen, jede Veranlaſſung-zu einer Abneigung fern zu halten. Der Frau, die einmal den Mann ihres Herzens recht begriffen, wird es ſelten mißlingen, mit dem Kleinen das Große verwebend, das beſeligende Ganze zu ſchaffen, aus dem die Harmonie des ehe⸗ lichen Lebens entſpringt, fortdauernd bis zum Ende, ohne die erheblichen Diſſonanzen, wie das niemals Begreifen des andern Selbſt ſie hervorrufen.

Die Toilette war beendigt, Roſette führte ihre Herrin dem Trumeau näher, dem ſie bis dahin fern geſtanden hatte.O, werfen Sie doch nur einen Blick hinein, nur einen einzigen, o, königlich, prächtig! Doch Sie ſind es ja, theuerſte, gnädige Gräfin, welche ſo ſchön, ſo engelgleich ſchön ſind; nicht die Robe läßt Sie ſchön erſcheinen, ſo wenig als die Perlen auf dem blendenden Nacken. Doch iſt es faſt zu wenig von Schmuck: nur die einfachen Bracelets, keine Diamanten an den zarten Fingern ich würde bei einem ſolchen Beſuche mich mit dem Beſten

Schweig, liebe Schwätzerin! entgegnete die Gräfin mit leiſer Stimme.Der Mann, der kommen wird, um mich zu ſehen, liebt nicht oberflächlichen Glanz und Schimmer, ſie gewähren weder ſeinem Geiſte noch ſeinem Herzen Nahrung.

Es war nicht lange nach 10 Uhr, als Jean zurück⸗

jeder Minute zu erwarten war.

kehrte. Er war ſo glücklich geweſen, den ihm ertheilten Auftrag perſönlich an den Baron ſelbſt auszurichten, und hatte von dem etwas verwundert aufhorchenden Rittmeiſter den Beſcheid erhalten,daß er ſich etwa um elf Uhr einfinden werde, ſobald er den Tages⸗ befehl auf der Generaladjutantur entgegengenommen habe.

Die Zeit nahete jetzt heran, wo der Baron in Roſette hatte ſich in das Nebenzimmer begeben und die Thür feſt in das Schloß gedrückt. Die Gräfin, deren Geſichtsfarbe wechſelnd aus dem glühendſten Roth in das Marmor⸗ weiß des Todes überging, ſaß mit hochſchlagender Bruſt in die Ecke des alten Divans gelehnt, der großen Eingangsthür gegenüber, da wurden raſche, geſpornte Fußtritte auf den Marmorflieſen des Corridors hörbar, eine Säbelſcheide klirrte auf dem Boden, und unter den Worten des meldenden Kammerdieners,der Herr Baron v. Winterfeld, überſchritt der Kriegsheld, ſonnen⸗ verbrannt, bärtig, aber ſchöner und mannhafter als je, die Schwelle des hohen weiten Gemachs. Die Thür hinter ihm ſchloß ſich; langſam ſchritt er vor, nach dem Freunde ausſehend, der ihn erwartete. Die Gräfin vermochte kaum aufzuſtehen, ſich kaum aufrecht zu erhalten, als Winterfeld plötzlich wie gebannt ſtehen blieb und mit dem Ausrufe:Meine Julie! die Sinkende auffing und in ſeine Arme ſchloß, an ſein Herz drückte und ihren Mund, ihre Stirne mit end⸗ loſen Küſſen bedeckte.

Man wird uns gern erlaſſen, die ergreifende Scene des für Winterfeld ſo unerwarteten Wiederſehens zu ſchildern, nachdem wir uns ſchon zu ſchwach fühlten, eine Schilderung von dem Abſchiede der Liebenden zu geben, der nahe vor zwei Jahren in Caſſel ſtatt⸗ gefunden hatte. Wer einmal ſelbſt das beſeligende Glück erwiderter Liebe empfunden, wird es ſchon glauben, daß es längerer Zeit bedurfte, ehe ſich der Sturm der Gefühle, von dem Beide im tiefſten Innern ſich erregt fühlten, ſich dahin geſänftigt hatte, daß ſie ruhigen Betrachtungen Raum geben konnten, wie ſie durch ihre augenblickliche Situation bedingt wurde. Die Zeit kam, wenn gleich auch erſt nach einigen Stunden, naturgemäß, wie auf dem Meere nach der Fluth die wiederkehrende Ebbe.

Gewiß aber hatten die Liebenden in den nächſten Tagen des ihnen Wichtigen Vieles zu beſprechen und zu berathen. Winterfeld anerkannte das Zarte in der Königin Ausſpruch über ihre gegenwärtige Situation im Hinweis auf die unvermeidliche legale Trennung der gräflichen Ehegatten. Der königlichen Frau zum tiefſten Dank verpflichtet für deren huld⸗ volle Intervention, bat er die Gräfin, bei ihrer Rück⸗

in Goulon G. wärm

der kurzen 9 lauſchend, m ungebelele ſch um dieſe I erzizenden S. In Spau das Leben er oder umhült nicht ſelten welche die a wordene ſpa heiſcht, verl dis allmäli ſch, gleih Spanier ſe ſicherer Au die ſteife einhüllende gwihſtrahle Vorfall de Der Aben die, Jahrt thiſcher F Norden h der Erſtg ſanften T und zart ſich los das ſtolze Die dia ſind wo in S Strebſamt für die Fr als beid deſſen Fre Fanatisn man in! neben de alten T