Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
769
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geſtalteten 1866.

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Vierte Folge.

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IV. Jahrgang.

Gine Mochenchronin für Niteratur, unst, ſchäne TWMliſſenſchuften und Geſellſchaft.

CErſcheint regelmäßig jeden Freitag.

Leipzig, am 7. December 1866.

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

Vom fjof und Schlachtgewimmel zum Liebesport.

Eine Doppelgeſchichte nach dem Leben von E. Heuſinger. (Fortſetzung.)

Als Roſette früh am Morgen leiſen Schrittes das Zimmer betrat, zeigte ihr ein Blick in das Cabinet, wie ſüß die Gebieterin noch ſchlummerte. Die weißen Arme über die leichtverhüllte Bruſt gekreuzt, die ſchönen Züge lächelnd wie in einem Traume, den ſie feſtzuhalten ſich bemühte, faſt verklärt ob einer ſchönen Viſion, ließen ſie gleich einem Weſen erſcheinen, das die Hei⸗ math gefunden. Eine leichte Bewegung der Gräfin, wie ſie dem Erwachen Glücklicher vorangeht, ſcheuchte Roſette von ihrem Beobachtungspoſten. Behende huſchte ſie vorüber und öffnete die Flügelthüren, um einen Strom köſtlichen Duftes von dem mit Blumen

geſchmückten Balcon und die erſten Sonnenſtrahlen ein⸗ zulaſſen, die, wie an dem auf dem Platze erwachten Leben zu ſehen, hinreichend ſind, auch dem Aermſten im glücklichen Süden fühlbar zu machen, daß die Natur jedem ſeiner Bewohner einen Antheil an den Freuden verheißt, die ihrem reichen Füllhorne entſtrömen.

Eben war ſie mit einem Selbſtgeſpräche zu Ende, welches des Gemahles ihrer reizenden Herrin, der ſo wenig den Beſitz eines Juwels, neben dem es ihrer

Meinung nach kaum andere gab, zu würdigen verſtand, V eben nicht ſehr vortheilhaft gedachte, als ſie auf den Ruf der Gräfin in das Cabinet eilte.

Sagte Jean nicht, flüſterte ſie unter leichtem Erröthen,daß der Baron dem Gouvernementspalaſte dicht nebenan wohnte?

So ſagte er, erwiderte die Gefragte, die ſich nicht wunderte, daß dies die erſte Frage der Gräfin bei ihrem Erwachen bildete.

Wie viel Uhr, Roſette? Es iſt wohl ſo ſpät, daß ich mich den prächtigen Sonnenſtrahlen gegen⸗ über des langen Schlafes zu ſchämen habe?