Grafen de Genſac, den Marquis de Nogaret, die Prinzeſſin de Montbarey, die Marquiſe de Flavacourt, den Marquis de La Faye, die Gräfin de Combreux, den Grafen de Saint⸗ Mesme, die Marquiſe du Coudray und die Marquiſe d' Anglure.
Als es ſich um die Vertheilung des Bohnenkuchens handelte, ſagte der Cardinal de Fleury mit Traurigkeit:
„Dieſe Ehre kommt dem Jüngſten zu. Bei meinen neunzig Jahren kann ich nur noch auf die Ehre des Patriar⸗ chats Anſpruch machen.“
Das Geſicht des Intendanten Sr. Eminenz erheiterte ſich.
„Aber verzeihen Sie, Monſeigneur,“ ſagte ſeine Nach⸗ barin zur Rechten, die Prinzeſſin de Montbarey,„ich bin am 15. Januar 1651 geboren und folglich bin ich zwei Jahre älter, als Ihre Eminenz.“.
„Was ſagen Sie, Prinzeſſin?“
„Nichts, als die reine Wahrheit.“
„Ich,“ ſagte ihrerſeits die andere Nachbarin des Car⸗ dinals,„treibe keine Koketterie mehr und geſtehe ganz ein⸗ fach meine 91 Jahre ein.“ e
„Sie ſind 91 Jahre alt?“ rief der Cardinal ganz er⸗ ſtaunt.
„Ja, Monſeigneur, am 3. Mai 1652!“ antwortete die Marquiſe de Flavacourt.
„Ich bin einen Monat älter als Sie, Marquiſe,“ ſagte der Graf de Beaupré,„am 3. April 1652.“
„Und ich ein Jahr,“ ſagte der gute Abbe d'Enneville, „am 27. Juni 1651.“
„Und ich,“ ſagte ein kleines, ganz runzlichtes altes
e„bin ſeit 62 Jahren Wittwe des Herrn Marquis
/ und als ich das Unglück hatte, ihn zu verlieren,
3 De 34 Jahre, daß Gott mich auf die Welt geſetzt
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Landes 2 und 34 machen 96“ ſagte der Cardinal ganz ver⸗ im offez„wie, Marquiſe, Sie ſind 96 Jahre alt?“
Orleaneider!“ antwortete Madame d'Anglure ganz einfach.
oeer Graf de Genſac war 94 Jahre alt; der Marquis
aret 95; der Marquis de La Faye 96; der Graf de
„Resme und die Gräfin de Combreux 97.
Arde, ia wiof di
„ Zie!“ rief die Eminenz, deren Verwunderung den höchſten Grad erreicht hatte,„ich ſoll als der Jüngſte den Bohnenkuchen zertheilen?“
Alle Stimmen dieſer Greiſe und alten Mütterchen ließen ein Chor von unterdrücktem Gelächter vernehmen.
„Iſt es Zufall oder eine Wette?“ fragte der frühere Biſchof von Frejus ganz laut.
In dieſem Augenblick aber ſah er ſich gegenüber das vor Freude ſtrahlende Geſicht ſeines Kammerdieners. Der Car⸗ dinal begriff jetzt Alles, vertheilte den Bohnenkuchen wie ein kleines 90 Jahre altes Kind, das er in der Wirklichkeit war, und war von dem hübſchen Streiche des Schmeichlers ſo ent⸗ zückt, daß ſich derſelbe einige Wochen ſpäter bei dem Tode ſeines Gebieters in dem Teſtamente des Cardinals von neuem mit einem verhältnißmäßig bedeutenden Vermächtniß bedacht ſah. C.
Was Geiſtesproducte einbringen.
Selten ſteht die Bezahlung für geiſtige Schöpfungen in
einem richtigen Verhältniß zu ihrem Werth, und es iſt eine
bekannte Thatſache, daß gerade die Werke der berühmteſten Dichter und Schriftſteller am elendeſten honorirt worden ſind.
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Vierte Folge.
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Denken wir an Schiller, an Jean Paul und ſo viele andere Geiſtesheroen, oder laſſen wir vielmehr lieber unſere eigenen Landsleute unerwähnt, denn Deutſchland iſt nun einmal das⸗ jenige Land, wo die Schriftſteller am ſchlechteſten bezahlt werden.
Auch in anderen Ländern war dies früher nicht viel beſſer: Arioſt und Milton erhielten ein Spottgeld für ihre herrlichen Dichtungen, wohingegen der franzöſiſche Dichter Chapelain im 16. Jahrhundert ſchon 3000 Livres für ſein Werk„Die Jungfrau“ bekam.
Boileau verkaufte 1674 ſein Manuſcript„Das Chor⸗ pult“ für 600 Livres und einige Jahre früher mußte Racine die„Andromache“ für 200 Livres hingeben.
Diderot erhielt 1746 600 Livres für ſeine„Pensées philosophiques“; Jean Jaques Rouſſeau hat ſich oft bitter beklagt über den niedrigen Preis, welchen man ihm für ſeine Werke bezahle— Duchesne gab ihm für das Manu⸗ ſcript des„Emil“ 600 Francs.
In England ſtand es ſchon immer beſſer für die Schrift⸗ ſteller, freilich bekam Oliver Goldſmith für ſeinen„Vicar of Wakefield“ nur 60 Pfd. St. oder etwas über 360 Thaler, aber Hume erwarb ſich ein recht ſchönes Vermögen durch ſeine geſchichtlichen Werke.
Anna Redeliffe verkaufte jeden ihrer Romane um fünf— tauſend Thaler und mehr.
Lord Byron erhielt von ſeinen Buchhändlern wenigſtens 150,000 Thaler.
Walter Scpott ſoll durch ſeine Werke gegen eine Million gewonnen haben.
Heutzutage hat ſich Charles Dickens blos durch ſeine ſchriftſtelleriſche Feder ein jährliches Einkommen von minde⸗ ſtens 25,000 Thalern erworben.
Auch in Frankreich haben die beliebten Schriftſteller ungeheure Summen verdient; wir brauchen als Beweis dafür nur Scribe, Eugene Sue, Chateaubriand, Balzac, Frédéric Soulié, Victor Hugo, Lamartine, Thiers, Alexander Dumas und George Sand zu erwähnen.
Durch die Mode, Romane zuerſt als Feuilletons in Zeitungen erſcheinen zu laſſen, wurde das Einkommen der Schriftſteller noch bedeutend vermehrt; ſo bezahlte der Conſtitutionnel für den„Ewigen Juden“ Sue's 100,000 Francs, die Débats für ſeine„Geheimniſſe von Paris“ 160,000 Francs u. ſ. w.
Die Zeile wurde bis zu 1 Francs 25 Cent. bezahlt und wenn ſie nur ein einziges Wort enthielt, was zur Folge hatte, daß Alexander Dumas zuerſt die unzähligen, mit Ausrufun⸗ gen vermiſchten Dialoge aufbrachte, weil Viele einen großen Mißbrauch trieben. Dieſem Syſtem zufolge brachten„Die drei Mousquetiere“ und„Monte⸗Chriſto“ dem Verfaſſer ein jährliches Einkommen von 200,000 Francs, was er freilich durch ſeine luxuriöſen Excentricitäten auch ſehr ſchnell wieder durchbrachte. Um jene einſylbigen Dialoge zu vermeiden, bezahlte die„Presse“ voriges Jahr Dumas'„San Velice“ mit zwei Centimes für jeden Buchſtaben, ohne auf die Zeilen Rückſicht zu nehmen.
Alle periodiſch erſcheinenden Zeitſchriften bezahlen pro Bogen, pro Spalte oder pro Zeile, nur die kritiſchen Feuille⸗ tons haben ihren feſten Preis; ſo erhält Jules Favre von den Débats für jedes Feuilleton 250 Francs. Die Berichter⸗ ſtatter der politiſchen Journale haben ebenfalls ihre feſten Preiſe und viele derſelben bekommen jährlich 12,000 Francs.
Die monatlich erſcheinenden Revue's bezahlen nach dem Bogen von 16 Octavſeiten— die Revue des deux Mondes


