Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
764
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Barde läßt ſeine dreiſaitige Geige ertönen, und die Hütte lebt bald von Sprüngen und Schüſſen, denn jeden Augenblick ſchießt einer der Zuſchauer ſeine ſcharfgeladene Piſtole in das Dach oder in den Rauchfang ab, daß die Lehmſtücke umher⸗ fliegen; die Schüſſe vertreten unſere Bravorufe und werden gleichſam als Applaudiſſement der Acteure losgefeuert. Die Mädchen tanzen und ſingen bei ſolcher Gelegenheit nicht, ſondern ermuntern nur die gewandteſten Burſchen mit Worten und Blicken. 6.

Der Styl der Lebensmeiſe in Newyork.

Unter dieſer Aufſchrift theilte kürzlich derNew York Albion Folgendes mit, was bei den engen Beziehungen zwiſchen der alten und neuen Welt auch für Europa viel Intereſſe darbietet. Das Blatt ſagt:

Für den Uneingeweihten haben die jetzigen Ausgaben und die Lebensweiſe in dieſer Metropole Amerikas wirklich etwas Erſchreckendes.

Vor dem letzten Kriege als eine Dollarnote einen Dollar in baarem Gelde meinte gehörten die Familien, welche bei der mäßigen Ausgabe von etwa 3000 bis 5000 Dollars jährlich comfortabel, d. h. bequem und anſtändig lebten, zu der Mehrzahl der ſich in guten Umſtänden befindlichen Einwohner der Stadt Newyork. Aber ſeitdem der Legal Tender Act er gab dem Staats⸗Papiergeld geſetzlichen Cours in Kraft getreten iſt und Verſprechen allgemein die Stelle der Zahlung übernehmen oder, mit andern Worten, ſeitdem nichteinlösbare Banknoten an die Stelle der ein⸗ lösbaren individuellen Banknoten traten, hat ſich Alles verändert, und es thut uns leid, es zu ſagen, nicht zum Beſſern. Um jetzt in einer mäßig achtbaren Nachbarſchaft ein gutes Haus eigenthümlich zu beſitzen oder zu miethen und es im Durchſchnitt mit einer Familie von drei bis fünf Perſonen zu bewohnen, ſich in anſtändigen Kreiſen zu bewegen, wird eine jährliche Ausgabe von wenigſtens 10,000 Dollars erfordert, wenn man höchſt ökonomiſch lebt; aber wenn eine Equipage gehalten wird oder irgend eine Extraausgabe vorfällt, ſind 15,000 bis 20,000 Dollars das Minimum und 30,000 bis 50,000 Dollars das Maximum, nur in mäßiger Schätzung geſprochen.

Natürlich giebt es Familien, welche vom 1. Januar bis 31. December dieſe Zahlen verdoppeln, ohne daß ſcheinbar ein außerordentlicher Aufwand gemacht wird. Bei einem Hauſe mit doppelter Fronte in der Stadt, mit Stallung, Wagenremiſe und allem Zubehör, oder einer Reihe von Zim⸗ mern in einem Hätel erſter Claſſe, mit einem oder zwei Monaten in Saratoga oder Newport oder in beiden Badeorten, mit Geſchmack für die Oper und das Schauſpiel, verbunden mit den zahlloſen Unterzeichungen, die nothwendig ſind, um für freiſinnig gehalten zu werden von denen für wohlthätige Zwecke gar nicht zu reden ſind hinreichend, um ſelbſt die

mäßige mittlere Summe weiter auszudehnen, beſonders wenn

die Familie aus erwachſenen Söhnen und Töchtern beſteht, die mit allen modernen Verbeſſerungen im Geſchmack die ſpäten Soupers bei Delmonico und gelegentlich eine Spiel⸗ partie zum Zeitvertreib eingeſchloſſen geſegnet ſind. Aber wenn wir dieſe Claſſe der NewyorkerFashionables ver⸗ laſſen und uns zu der Claſſe der ruhigern und wohlhabenden Bewohner wenden ſo finden wir in gewiſſen Rückſichten eine Verbeſſerung, aber in den laufenden Ausgaben nur eine ſehr kleine Abnahme, Der alte und wohlhabende Handelsherr oder Bankier, der ſich an der Avenue ein Haus im Werthe

Novellen⸗ZJeitung.

von 100,000 Dollars erworben oder ererbt hat, muß ſich ſtreng nach der Sitte richten und der Madame erkauben, wenn der Sommer kommt, die Fenſterläden zu ſchließen und die Fenſter zu verdunkeln und ſich mit ſeiner Familie für die Dauer der⸗Saiſon auf einen Landſitz begeben. Das Land⸗ haus, das Haus in der Stadt, die 3000 oder 5000 Dollars für den Kirchenſtuhl in einer faſhionabeln Kirche, die jährliche Geſellſchaft und die dafür erforderlichen Anſchaf⸗ fungen und gelegentlich 1000 Dollars, um an der Spitze eines Empfangs⸗Comité oder irgend einer andern öffentlichen Demonſtration zu ſtehen, mit demregelmäßigen jähr⸗ lichen Beitrag für wenigſtens ein Dutzend verſchiedener Gegenſtände, verbunden mit den unvermeidlichen zehn Procent Steuern auf das, was einpatriotiſches Einkommen genannt wird, haben bereits alle fette Dividenden auf alte und die beliebteſten Sicherheiten erſchöpft; und ſollte die Familie auf den Gedanken kommen, daß eine Excurſion nach Europa unumgänglich nothwendig ſei, ſo ſieht der nervöſe alte Herr ſich gezwungen, von ſeiner lebenslangen Gewohn⸗ heit abzuweichen und in Wallſtreet Geſchäfte zu machen, um die Nothwendigkeit, ſein Capital anzugreifen, zu vermeiden. Das iſt ſicher kein übertriebenes Gemälde des faſhiona⸗ beln Lebens in Newyork, und wollten wir es verſuchen, eine Beſchreibung von dem zu liefern, was(die bereits er⸗ wähnten Claſſenwahnſinnige Ausgaben eines vollendeten Verſchwenders nennen würden, ſo würde es nur nothwendig ſein, anſtatt von Jahren, von Monaten zu ſprechen, ohne die obigen Ziffern zu verändern. Die aufgeblaſene Periode der Speculanten des Krieges, welche Tauſende zu reichen Leu: machte und andere Tauſende zu Grunde richtete, ſche wiederkehren zu wollen, ſeitdem faſt unbeſchränkte Maf von Banknoten als Geld circuliren und kein ſichtba Zeichen einer Verminderung derſelben ſich bemerken läßt. In den Handelszweigen ſind dieſelben Zeichen ſichtbar. Der Kaufmann, welcher früher bei einer jährlichen Ausgabe von 5000 bis 8000 Dollars mit Einſchluß von 2000 bis 4000 Dollars für ſeinen Haushalt ein Geſchäft betrieb, eröffnet jetzt

ſein Geſchäft mit der Auslage von 15,000 bis 25,000 Dollars

für ſein Haus und mit der entſprechenden Summe für Commis und damit verknüpfte Ausgaben, während die erſten Häuſer Geſchäfte von vielen Millionen machen und ihre laufenden Ausgaben ſich auf Hunderttauſende ausdehnen. Sicher muß es für dieſe Ausdehnung und dieſe koſtſpielige Seifenblaſe eine Grenze geben, aber es iſt jetzt ſchwer vorauszuſehen, wenn dieſe Grenze erreicht ſein wird. Wir hoffen indeſſen zum Beſten aller dabei Betheiligten, daß eine Rückkehr zu einer verſtändigern Lebensweiſe und eben ſowohl Geſchäfts⸗ führung nicht mehr lange verſchoben werden wird. C.

Eine feine Schmeichelei.

Der damals neunzig Jahre alte Cardinal Fleury hatte wenige Tage vor dem Feſte der heiligen drei Könige in Gegenwart ſeines Kammerdieners geſagt, er ſei zu alt und lebe nur noch, weil der Tod Mitleiden mit ihm oder ihn ver⸗ geſſen habe, und er werde ohne Zweifel in der Kürze die große Reiſe in die Ewigksit antreten, worauf der ſchlaue Diener, welcher bei dem Cardinal zu gleicher Zeit die Functionen des Intendanten und des Factotums verſah, um ſeinem Gebieter zu gefallen, ſich einer eben ſo galanten wie originellen Liſt be⸗ diente. Er ließ für den Tag der heiligen drei Könige die folgenden elf Perſonen zum Diner bei ſeiner Emiuenz ein⸗ laden: Den Grafen de Beaupré, den Abbé d'Enneville, den

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