Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
763
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frühern Berufe wieder zu widmen. Noch vor ſeiner letzten Abreiſe aus Newyork gab er dort den Auftrag, ſobald die Nachricht von der glücklichen Ankunft des Evening Star in Neu⸗Orleans nach Newyork gelange, dieſelbe ſoßort ſeiner Gattin per Telegraph zu melden. Das Geſchick hatte es anders beſchloſſen. Dieſe Reiſe ſollte ſeine letzte ſein und die frühere Beſorgniß ſeiner Gattin verwirklichen, während ſie gleichzeitig viele Familien in tiefe Trauer verſetzte.

Aus dem Volksleben der Tſcherkeſſen.

So oft ſich im Orient und in der ſogenannten orien⸗ taliſchen Frage etwas regt, ſo oft entſteht in dem zwar faſt ganz ruſſiſch gewordenen, aber doch immer noch zwiſchen Ruß⸗ land und der Türkei mitten inne ſchwebenden Kaukaſus eine gährende Bewegung. So jetzt. Wir werden dann immer wieder an die Wichtigkeit und Eigenartigkeit dieſer Ur⸗ völker erinnert, die uns in ihrer Raſſe ſo europäiſch nahe ſtehen. Ueber einen ihrer hervorragendſten Stämme, den der Adighe⸗Tſcherkaſſier, erzählt uns der Oberſt Tefik intereſſante Lebensgewohnheiten.

Die verheiratheten Weiber, ſagt er, ſind die geplagteſten

Geſchöpfe im Adighe⸗Lande. Außer daß ſie den Männern bei der Feldarbeit helfen müſſen, verfertigen ſie auch das Tuch, die Leinwand, die Bekleidung und das Schuhzeug. Sie müſſen das Holz und das Waſſer zum Hauſe ſchleppen, das Vieh und oft ſelbſt die Pferde beſorgen, das Eſſen zubereiten und die ganze Hauswirthſchaft führen. Im Winter leiden ſie wegen des Mangels an ausreichender Kleidung viel durch die Kälte; am härteſten aber iſt für ſie das Mahlen des Ge⸗ treides. Es giebt im Lande nur ſelten hie und da kleine Waſſermühlen; jeder Hof hat ſeine Handmühlen, die herzlich ſchlecht ſind. Mehlvorräthe findet man nirgends; die Weiber mahlen täglich ſo viel Getreide, wie zum Hausbedarf nöthig iſt. Eigenthümlich iſt es, daß, wie einerſeits die Frauen hart mit Arbeit geplagt ſind, andererſeits die Mädchen bei Armen und Reichen auf jede mögliche Art geſchont werden. Die Mädchen ſind von allen ſchweren häuslichen und Feldarbeiten dispenſirt, ſie beſchäftigen ſich einzig mit Nähen und Sticken und erreichen darin eine große Kunſtfertigkeit. Fremde ſind höchlich erſtaunt, unter dem Strohdach einer abaſiſchen Hütte zarte, wohlgekleidete Mädchen mit feinen weißen Händen zu finden, die keine Spuren irgend einer anſtrengenden Arbeit zeigen. Es giebt unter den Mädchen wahre Schönheiten, aber einmal verheirathet, ſchwindet dieſe Schönheit bald, und nach einem Jahre des Eheſtandes iſt die Arme kaum kenntlich. Sie ſind übrigens gutmüthige, dienſtfertige, fröhliche Geſchöpfe und bei Weitem nicht ſo ſcheu, obwohl vielleicht tugendhafter, als die türkiſchen Weiber. Ueberhaupt iſt es nicht möglich, ein leichtſinnigeres und luſtigeres Volk auf der Erde zu finden; der Abaſa lacht den ganzen Tag, geht aus dem größten Schmerz leicht in die größte Freude über und iſt nicht im Stande, ein ernſtes, finſteres Geſicht zu machen oder zu ertragen.

Die ſchönſte Tugend der Adighe iſt ihre Gaſtfreundſchaft. Ohne ein Stück Geld kann der Reiſende das ganze Land durchziehen, nirgens wird er angehalten, und in jedem Hofe, zu dem er kommt, findet er Obdach, Bett und Eſſen für ſich, Stallung und Futter für ſeine Pferde. Es iſt Sitte, ohne zu fragen, vor der Gaſthütte abzuſteigen und in die Hütte zu treten. Augenblicklich werden Matratzen, Polſter, Waſſer und Handtücher aus dem Hofe herbeigebracht, ein großes

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Folge.

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Feuer im Camine angezündet und der Gaſt vom Hausherrn und ſeiner Familie bedient. Es iſt unartig, zu fragen, woher er komme, wohin er gehe, wer er ſei. Der Hausherr bewill⸗ kommnet nur die Gäſte und fängt keine Unterhaltung an, bevor dieſe nicht ſelbſt fragen oder erzählen. Die Ankunft eines fremden und angeſehenen Gaſtes iſt ein Ereigniß in der Gegend. Aus allen umliegenden Höfen eilen die Leute zu⸗ ſammen, um den Gaſt zu ſehen, von ihm Neuigkeiten zu hören und an dem Schmauſe, der die Folge eines ſolchen Be⸗ ſuches iſt, Theil zu nehmen. Oft iſt die Gaſthütte gedrängt voll, doch halten ſich die Einheimiſchen immer fern vom Gaſte, um ihn nicht zu beläſtigen, und weder die Leute vom Hauſe, noch die Neugierigen dürfen ſich in Gegenwart des Gaſtes ſetzen oder miteinander reden, dies gilt für die größte Unart. Kein vermögender Reiſender kann in einem europäiſchen Hötel beſſer bedient werden, als der Gaſt in der niedrigen abaſiſchen Strohhütte. Vom Hauswirth angefangen bis zum letzten Sclavenknaben lauſcht Alles auf ſeinen geringſten Wink.

Eine Unannehmlichkeit iſt die Gewohnheit der Ein⸗ wohner, jeden Ankömmling unverwandt anzuſtarren. Oft iſt die Hütte überfüllt und dreißig bis vierzig Augenpaare ſind unter den zottigen Pelzmützen unheimlich blitzend ſtier auf den Gaſt gerichtet. Ihre Begrüßung iſt kurz. Der Adighe grüßt mit den Worten: o ſchhapſchi(willkommen). Vor ſehr alten Leuten und vor Mädchen wird aufgeſtanden, ſonſt aber die Kopfbedeckung weder abgezogen noch berührt. Nur die Weiber berühren ihre Kopfbedeckung und ſalutiren, ſo zu ſagen, militäriſch. Der kurze Abſchiedsgruß iſt: othatſch (bleibt glücklich); man antwortet: ogmaf(guten Weg). Seit neuerer Zeit ſind die religiöſen, mohammedaniſchen Grüße eingeführt, paſſen aber ſchlecht zu der gaſtfreundlichen Herz⸗ lichkeit der Adighe. 5

Eine Stunde nach Ankunft des Gaſtes wird ein frugales Eſſen aufgetragen, gewöhnlich Kuchen mit Honig oder Milch; auf das Haupteſſen jedoch muß man lange warten; denn je geehrter der Gaſt iſt, deſto mehr und⸗länger wird gekocht, ſo daß es oft nicht möglich iſt, vor Mitternacht ſchlafen zu gehen. Die Pferde werden abgeſattelt, gefüttert, getränkt und ge⸗

waſchen, ohne daß man nöthig hat, ſich darum zu be⸗ kümmern.

Wenn der Gaſt ſich ausgeruht und es ſich bequem ge⸗ macht hat, erſcheint gewöhnlich ein angenehmer Beſuch. Dies ſind die Mädchen des Hofes oder der Nachbarſchaft(Verhei⸗ rathete zeigen ſich nicht). Die Mädchen treten gewöhnlich langſam und mit einer Art verſchämter Würde in die Hütte, grüßen, ohne ein Wort zu ſprechen, indem ſie wie militäriſch mit der Hand die Kopfbedeckung berühren, und bleiben an der Thüre ſtehen. Es iſt Pflicht des Gaſtes, mag er noch ſo alt und vornehm ſein, ſich zu erheben und die Mädchen zum Sitzen neben ſich einzuladen; nach einigem Weigern nehmen die Mädchen Platz, und da ſie, obgleich ohne europäiſche Er⸗ ziehung, viel Aufgewecktheit, Witz und Freimuth haben, dabei jedoch ſehr beſcheiden ſind, ſo hat eine Unterhaltung mit ihnen ſeine Annehmlichkeit. Dieſe guten Mädchen beſehen auch mit Aufmerkſamkeit die Kleidung ihrer Gäſte, und nehmen Alles, was verdorben oder zerriſſen iſt, mit in ihre Hütte, um es vor der Abreiſe der Gäſte in Stand zu ſetzen. Die Ankunft der Mädchen iſt auch, ſo zu ſagen, das Signal zum Aufhören jedes ernſten Geſpräches, und wenn die Gäſte es erlauben, ſo beginnen die jungen Burſchen den Hored, d. h. Einer tanzt in der Mitte der Stube, während die Andern ſitzen und nach dem Tacte ſingen und in die Hände ſchlagen; irgend ein alter

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