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Novellen⸗ZJeitung.
„Wohin Du villſt,“ erwiderte meine Gefährtin. ſeiner geheimnißvoll geſpenſtiſchen Gefährtin führt uns
Sie preßte ſich feſt an mich; ihr Antlitz berührte faſt
das emeinige. Uebrigens fühlte ich ihre Berührung Die Feinheit und die Eigenartigkeit ſeiner Schilderung
kaum.
„Laß mich nieder zur Erde; mir ſchwindelt in dieſer Höhe.“
„Gut; ſchließ nur die Augen und athme nicht.“
Ich gehorchte— und fühlte mich ſofort nieder— fallen wie einen geſchleuderten Stein.... die Luft pfiff nur ſo durch meine Haare. Als ich zur Beſin⸗ nung kam, ſchwebten wir wieder über dem Erdboden, ſo daß wir die Spitzen der Kräuter des hohen Raſens berührten.
„Stell' mich auf die Füße,“ hob ich an.—„Was iſt das für ein Vergnügen, zu fliegen? Ich bin kein Vogel.“
„Ich dachte, daß es Dir angenehm ſein würde; wir haben keinen andern Zeitvertreib.“
„Ihr, aber wer ſeid Ihr denn eigentlich?“
Es erfolgte keine Antwort.
„Du wagſt es mir nicht zu geſtehen?“
Ein klagender Ton, dem ähnlich, der mich in der erſten Nacht weckte, dröhnte mir durch die Ohren. Inzwiſchen ſchwebten wir unmerklich weiter durch die feuchte Nachtluft.—
„Laß mich!“ rief ich. Meine Gefährtin bog ſich etwas zurück— und ich ſtand wieder auf den Beinen. Sie ſtellte ſich vor mich hin und legte auf's Neue die Hände zuſammen. Ich beruhigte mich und faßte ſie in's Auge: ihr Antlitz zeigte wie früher den Aus⸗ druck ſtummer Unterwürfigkeit.
„Wo ſind wir?“ fragte ich. Ich erkannte die umliegenden Orte nicht.
„Fern von Deinem Hauſe, aber Du kannſt im Augenblick da ſein.“
„Auf dieſelbe Art, wie ich hergekommen? Muß ich mich Dir wieder anvertrauen?“
„Ich habe Dir kein Leides zugefügt und werd' es nicht thun! Ich fliege mit Dir umher bis zur Morgenröthe; das iſt Alles. Ich kann Dich tragen, wohin Dein Gedanke nur ſtrebt— in alle Länder der Erde. Gehöre mir an! Sag wieder: Nimm mich hin!“
„Wohlan.... nimm mich hin!“
Wieder umſchlang ſie mich, wieder enthoben ſich meine Füße der Erde— und wir flogen.
Solche Scenen des Fliegens und Schwebens mit
nun der Dichter noch in mannigfacher Weiſe, und zwar immer ſo intereſſant als dämoniſch ergreifend aus.
zu zeigen war der Zweck der obigen Mittheilung. Gerade das, was ſich ſonſt als das halb Ueberſinnliche der Beſchreibung entzieht, gelingt dem Verfaſſer be⸗ wunderungswürdig, indem er unſere Phantaſie an diejenigen Momente und Gefühlsſtimmungen unſeres Lebens anknüpft, die in das Reich des Unirdiſchen hinüberweiſen. Dabei werden wir nie in jene abſtracten Regionen geführt, in welchen unſer menſchliches, an Gewohntes anknüpfendes Vorſtellungsvermögen auf⸗ hört und durch unfigürliche Denkerübungen metaphy⸗ ſiſcher Ueberſpannung erſetzt werden muß.
Wie indeſſen die geſammte ruſſiſche erzählende Poeſie(man darf dazu ſogar das bewunderungswür⸗ dige Puſchkin'ſche Epos rechnen) noch ſehr wenig eine ſittliche Idee, einen idealen Compaß in ſich trägt, ſondern ſich mit Vorliebe in der virtuoſen und dabei doch höchſt individuellen Darſtellung des Factiſchen, ich möchte ſagen Memorabilen verliert, gleichviel, ob daſſelbe fingirt oder der eigenen Erfahrung, der durch⸗ lebten Wirklichkeit entlehnk iſt, ſo läßt ſich dieſe Eigenſchaft auch an den Novellen Turgé nehmen. Er iſt, wie die meiſten Ruſſen, graph(freilich mit der für die wirklichen Photographen noch nicht erfundenen vollen Farbe des Lebens), als ſtylvoll componirender Künſtler; er fragt nicht nach der Geiſtestaufe eines weittragenden Grundgedankens, und läßt die Frage nach harmoniſcher Abrundung und poetiſcher Verſöhnung offen, wie dies das Menſchen⸗ ſchickſal im Einzelnen ebenfalls thut— freili verfährt das Schickſal entgegengeſetzt im Gene des großen Ganzen.
Dieſe Beſchränkung zugegeben muß man geſtehen, daß kein lebender ruſſiſcher Schriftſteller eine größere Macht über die Zeichnung der niederen wie höheren ruſſiſchen Geſellſchaft mit ihrer geheimen und offenen Fäulniß hat, als Turgénjew, dem die Bruſt der Menſchen durchſichtig iſt und der die Symbolik der Mienen und Geberden mit ſolchem Jägerblick ſtudirt hat, daß er uns ſeine Geſtalten auch ohne Worte beredt erſcheinen laſſen könnte. 2
Die letzte Geſchichte des vorliegenden, für den größten Leſerkreis höchſt feſſelnden Bandes„Erſte
Liebe“ giebt davon einen überzeugenden Beweis.
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