756 Novellen⸗
fruchtbare Ebene von Valencia, der große Garten von Spanien, aufthat. In Villareal, einem Städtchen, das ſeinem Namen alle Ehre macht, gab es einen Halt von etlichen Stunden. Der gefügige Wirth, ſchon ein ächter Valencianer, rühmte über Tiſch die Merkwürdigkeiten, an denen die alte Königsſtadt ſo reich ſei. Zwei Officiere, feine junge Männer, die ſich aus der Militärſchule direct zu Suchets Heere be⸗ gaben, beeilten ihr ſpaniſches Diner, um ihre Wiß⸗ begierde an den Reſten eines alten Römertheaters und an einem Murillo zu ſtillen, der von dem Padrona unter den Raritäten der Cathedrale als die größte bezeichnet wurde. Gräfin O., die kurz vor Abgang der Imperiale aus einer Sieſta erwachte, die ſie unter dem duftenden Blüthengebüſch der Veranda gehalten, liſpelte noch wie im Traume:„Nach Valencia!“ als ſie ihre Schritte dem geöffneten Schlage wieder zu⸗ lenkte. Sobald der Wagen ſich wieder in Bewegung geſetzt hatte, begannen die beiden jungen Franzoſen in angeborener Redſeligkeit von den Schönheiten und Alterthümern der Stadt zu erzählen, denen ſie leider nur im Fluge ihre Aufmerkſamkeit hatten widmen können. Sie hielten es für ihre Pflicht, ihre ſchöne Reiſegefährtin zu unterhalten, deren hohe geiſtige Be⸗ gabung ſie nicht ermangelten, jedesmal zu bewundern, wenn ſie mitunter, was jedoch ſelten geſchah, eine treffende Bemerkung einfließen ließ, wo die jungen Officiere vergleichend bei vielen ihrem eigenen Vater⸗ lande ſo fremden Erſcheinungen von Spanien verweilten. Heute hörte ſie nur mit halbem Ohr, ihr Geiſt war mit ganz anderen Dingen, faſt ausſchließlich mit dem Gegenſtande beſchäftigt, zu dem ihr ſehnendes Herz ſie hinzog.
Bald vergoldete die Sonne mit ihrem ſcheidenden Blick die Thürme und Zinnen der Feſtung Murviedro⸗ des alten Sagunt, die ſich auf ſchroff anſteigendem Marmorfelſen etwa eine Legua weit rechts von der Camina reale erhob. Der weſtliche Horizont leuchtete noch einmal hoch auf, um allmälig im glühenden Purpur zu verſchwimmen; dann hüllte die im Süden immer ſchnell eintretende Nacht die maleriſche Land⸗ ſchaft in tiefere Schatten und ein Sternenheer flammte im diamantenen Gefunkel vom Himmelsbogen über die zur Ruhe gehende Erde.
Immer ſchneller eilte die Imperiale durch die duftende Ebene; noch eine Stunde und— Valencia war erreicht. Der Wagen hielt auf dem Königsplatze, vor dem Hötel de Roma, dem Meſeageriegebäude ge⸗ genüber, welches der General Graf Chabert der Gräfin als Abſteigequartier empfohlen hatte. Sie ertheilte Jean die nöthige Weiſung wegen des Gepäcks und
Zeilung.
gleitung ihres Kammermädchens die Marmortreppe hinan. Angelangt auf dem langen Corridor des erſten Stockes, ſtellte der Spanier, der erträglich franzöſiſch ſprach, der hohen Excellenza von zwei geräumigen hohen, durchaus antik meublirten Zimmern eins zur Auswahl. Die Gräfin nahm ſie beide für unbeſtimmte Zeit und entließ den Hausdiener, der indeſſen die auf einem Pfeilertiſche ſtehende dreiarmige Lampe von Bronze angezündet hatte, mit der Weiſung, das Gepäck und ihren Kammerdiener herauf zu ſchicken.
„Es war hohe Zeit, liebe Roſette, daß wir Va⸗ lencia erreichten; ich fange an zu fühlen, daß eine achttägige Schnellreiſe mit der Imperiale, zumal im heißen Spanien, eine Aufgabe iſt, die für Frauen meiner Gattung nicht zu den leichteſten gehört.“
Das um ſeine Herrin beſorgte Mädchen beeilte ſich, ſie der obern Reiſekleider zu entledigen; kaum hatte ſie Hut, Staubmantel und Handſchuhe der Gräfin ab⸗ genommen, als dieſe erſchöpft in einen hohen, mit verblichenem Seidenbrocat bezogenen Divan niederſank.
„Sei unbeſorgt, liebes Kind,“ ſagte ſie, als Ro⸗ ſette ein mit einer kräftigen Eſſenz gefülltes Flacon hervorzog, die Stirn der Gräfin mit einigen Tropfen benetzte und mit ihren friſchen Roſenlippen darauf hauchte;„dieſe Schwäche wird ſich bald gare.
im Innern fühle ich mich ſtark, weil ich me e— ohne Unfall erreicht habe. Ich danke Dir für Deine Fürſorge, die Du mir während der Reiſe bewieſen;
worden ſein.“
„Wer ſollte nicht ſelbſt ſein Leben geben für eine ſo gütige Gebieterin!“ entgegnete Roſette, ein lieb⸗ liches Mädchen, das ſeit ihrer Kindheit um die Gräfin geweſen, und preßte dabei deren matt herabgeſunkene Hand an ihr Herz.
„Ja, Du biſt gut und mir treu, liebe Roſette, Du kennſt mich nun ſchon lange; auch die jüngſt von mir verlebten Zeiten ſind Dir, wie ich oft aus Deinem Auge geleſen, nicht entgangen.“
„O, gewiß nicht, gnädige Gräfin!“ lispelte das Mädchen, und es war, als klänge ein Seufzer durch dieſe Worte..
„Stehe ferner treu zu Deiner Herrin, liebe Ro⸗ ſette, und laß uns hoffen, daß wir nach dieſer ſchweren, verhängnißvollen Zeit auch wieder beſſere Tage ſehen.“
„Das walte Gott! Ich will dafür beten,“ ſagte das Mädchen und brach kurz ab, als der Träger mit zwei kleinen Koffern und hinter ihm Jean, der Kammer⸗ diener, eintraten.
Während Roſette den verſchiedenen Gepäckſtücken bis auf Weiteres die entfernteſte Ecke in dem weiten alten Prachtgemache anwies, näherte ſich der Kammer⸗
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