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feſthalten, und ich wollte gar nicht höher ſein, als auf der Höhe ihrer Liebe.
Sie erzählte mir, ich ſei ganz das, was ſie ſtets von mir gehört habe. Sie wolle mich immer mit der dankbarſten, achtungsvollſten Geſinnung lieben, meiner ſtets in ihren Ge— beten gedenken, aber meine Gattin könne ſie nicht werden.
Es dauerte lange, ehe ich den Grund erfuhr, weshalb nicht, aber zuletzt erzwang ich denſelben von ihr. Sie glaubte, ich opferte mich ſelbſt auf, ich liebte ſie nur, weil ſie ohne Freunde ganz allein daſtehe; ſie beſitze nicht die Bildung, die Erziehung, die Talente, die Schönheit und vieles Andere, was eine Gattin haben müßte. Was ihre Zukunft anbetreffe, ſo brauche ich darüber nicht beſorgt zu ſein, verſicherte ſie mir; Miſtriß Norriſon habe verſprochen, ihr hier in Rom eine paſſende Stelle zu verſchaffen.
Zuletzt, als ich jeden Beweis erſchöpft hatte oder er⸗ ſchöpft zu haben glaubte und jedenfalls an einem Erfolge für jetzt verzweifelte, wurde ich verdrießlich und ärgerlich; ich kehrte mich von ihr nach dem Fenſter und ſah hinaus. Ein ſchwarzer Schleier bildete ſich zwiſchen mir und Allem, was ich ſah. Ich war krank vor Aerger, vereitelter Hoffnung und durch⸗ kreuztem Willen.
Ich weiß nicht, wie lange ich ſo geſtanden hatte(aber ich glaube, es war eine lange Zeit), als die weichſte, kleine Hand die meinige faßte, welche an meiner Seite herabhing. Ich fuhr auf und ſah um mich. Ruth blickte gedanken⸗ voll in mein Geſicht und in ihrem eignen Geſichte ſprach ſich Schmerz und ein tiefer Ernſt aus.
„Sie ſehen ſo elend, ſo mißvergnügt aus,“ ſagte ſie, „ich muß in Ihren Augen ganz herzlos und undankbar er⸗ ſcheinen. Das kann ich nicht ertragen.“
Ehe ich noch wußte, was ſie thun wollte, knieete ſie an meiner Seite nieder; bevor ich jedoch dies verhindern konnte, hatten ihre weichen Finger meine Hand ergriffen und führten ſie an ihre noch weicheren Lippen.
Ich hob ſie auf und indem ich ſie leicht an der Schulter faßte, fragte ich ſie, ich glaube ſehr heftig:„Können Sie mir ſagen, daß Sie mich nicht lieben?“
„Nein, das kann ich nicht, ich liebe Sie außerordentlich!“ Ihre Thränen begannen zu fließen und auf mich zu wankend, vergoß ſie dieſelben an meiner Bruſt.
Ich hielt ſie dort, ſchnell und entſchloſſen, und ſeitdem hat ſie nie auf das Recht verzichtet, dort zu ſein. C.
Ein pfychologiſches Genrebild.
Der mächtigſte Mann in dem Kirchenſprengel, von dem hier erzählt werden ſoll, hieß Thord Oeveraas. Er ſtand eines Tages im Arbeitszimmer des Predigers, hoch aufgerich⸗ tet, und ſagte mit ernſter Miene:„Ich habe einen Sohn be⸗ kommen und will ihn getauft haben.“
„Wie ſoll er heißen?“
„Finn, nach meinem Vater!“
„Die Gevattern ſind?“
Dieſelben wurden genannt und waren die angeſehenſten Leute der Dorfſchaft, Männer und Frauen aus der Verwandt⸗ ſchaft des Vaters.
„Habt Ihr ſonſt noch Etwas auf dem Herzen?“ fragte der Prediger, indem er aufſchaute. Der Bauer ſtand eine Weile.„Ich hätte ihn gern allein und nicht in Gemeinſchaft mit andern getauft,“ ſagte er.„Ich meine nämlich an einem
Novellen⸗Jeilung.
mals in des Predigers Stube. Thord,“ ſagte der Prediger, als er nicht die geringſte Ver⸗ änderung an ihm wahrnehmen konnte. keine Sorgen,“ antwortete Thord.
ihn:
werden ſoll.“—
„Habt Ihr ſonſt noch Etwas?“ fragte der Prediger
wieder.
„Nein, mehr hab' ich nicht zu ſagen.“ Der Bauer drehte den Hut zwiſchen den Händen, als
wolle er gehen. Da erhob ſich der Prediger:„So laßt mich Euch noch ſagen,“ hob er an und ergriff die Hand des Bauers, indem er ihm feſt in die Augen blickte:
„Gebe Gott, daß das Kind Dir zum Segen werde!“— Sechzehn Jahre nach dieſem Tage ſtand Thord aber⸗ „Du conſervirſt Dich gut,
„Ich hab' ja auch
Der Prediger ſchwieg dazu; nach einer Weile fragte er „Was haſt Du heute Abend auf dem Herzen?“ „Heute komme ich wegen meines Sohnes, der confirmirt
„Er iſt ein aufgeweckter Burſche!“— „Ich wollte dem Prediger nicht gern ſein Honorar geben, ehe ich hörte, welche Nummer er in der Kirche erhalten würde.“ „Ei, er hat Nummer Eins!“— „Ja, ich hab's gehört— und hier ſind zehn Thaler Honorar.“— „Haſt Du ſonſt noch Etwas?“ fragte der Prediger und ſah den Thord an.— „O nein, ſonſt hab' ich nichts.“— Und Thord ging fort. Abermals verfloſſen acht Jahre. Da hörte man einſt plötzlich einen Lärm vor der Schreibſtube des Predigers, denn viele Männer kamen, und Thord an der Spitze. Der Prediger blickte auf und erkannte ihn. „Heute Abend kommſt Du in zahlreicher Geſellſchaft!“ „Ei ja, ich wollt' blos meinen Sohn in der Kirche pro⸗ clamirt haben, er ſoll ſich verheirathen mit Karen Storliden, der Tochter von Gudmund, welcher hier ſteht.“ „Ei, das iſt ja die reichſte Erbin in der ganzen Dorf⸗ ſchaft!“—
„Man ſagt das, ja wohl,“ antwortete der Bauer und ſtrich ſein Haar mit der einen Hand in die Höhe.
nichts, ſchrieb die Namen in ſein Buch und ließ die Männer unterſchreiben. Thord legte drei Thaler auf den Tiſch.
„Mir kommt nur einer zu,“ ſagte der Prediger.—
„Weiß das,'s iſt aber mein einziges Kind und ich— möcht' es gern gut machen.“—„
Nun nahm der Prediger das Geld.„Es iſt das dritte Mal nun, daß Du hier ſtehſt Deines Sohnes wegen, Thord!“—
„Nun bin ich aber auch fertig mit ihm,“ antwortete Thord, legte ſeine Brieftaſche zuſammen, ſagte:„Fahrwohl!“ und— folgte langſam den andern Männern.
Vierzehn Tage hierauf ruderten Vater und Sohn in ſtillem Wetter über das Waſſer nach dem Hofe Storliden, um ſich rückſichtlich der Hochzeit zu bereden.
„Das Kiſſen liegt nicht gut unter mir,“ ſagte der Sohn und erhob ſich im Boote, um es zurecht zu legen. Da aber glitt das Bret, auf dem er ſtand, aus, er fiel, ſchlug aus mit den Armen und ſtürzte in's Waſſer.
„Halt' Dich am Ruder!“ rief der Vater, ſprang auf und hielt ihm daſſelbe hin. Allein als der Sohn ein paar⸗ mal darnach gegriffen hatte, verlor er die Kraft und fühlte
Wochentage. Am liebſten am nächſten Samstag, 12 Uhr Mittags.“
ſich erſtarren.
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Der Prediger verſank eine Weile in Gedanken; er ſagte
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