Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
749
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die Aug. dict verging; die richt, weil vir

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ſetzte ſie auf den fiel. Ich fand, daß wie der Kopf Blick erzählte mir

tnoch tiefer, bis de ihrige daneben ge an Wange lag.

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edrückt.

beſtand ich eine 3 Gattniß ze für immer ins

Ich nahm ſie von dem Leichnam weg und legte ſie auf dem Fußboden auf ein Lager, ſo gut ich es von meinem Ueberzieher und den Kiſſen eines alten Armſtuhles machen konnte.

Ich hatte ihr die Wahrheit geſagt, als ich ihr erzählte, ich ſei ein halber Arzt. Dieſem Berufe hatte ich mich ge⸗ widmet, liebte ihn aber nicht genug, um ihm treu zu bleiben, nachdem mir durch eine Erbſchaft ein großes Vermögen zuge⸗ fallen war, das mir jeden weitern Erwerb entbehrlich machte. Ich konnte ſie eben ſo gut, wie ein anderer Arzt, behandeln. Ich that für ſie, was ich thun konnte und ſah ſie ins Leben zurückkehren. Meine Bitten vermochten es nach einiger Zeit über ſie, daß ſie das Zimmer auf einige Stunden verließ und mit der Frau in die Zimmer unten ging; aber ehe die Nacht zur Hälfte vergangen war, kam ſie wieder zurück.

Zürnen Sie nicht mit mir. Ich muß an ſeiner Seite ſitzen und ihn betrachten. Ich will nicht weinen. Bald werde ich ihn auf immer verlieren.

Sie nahm ihren Sitz neben ihm und bat mich, irgend wohin zu gehen, wo ich mich durch etwas Schlaf ſtärken könne. Ich ſtellte mich, als gäbe ich ihren Bitten nach, war aber viel zu ängſtlich, als daß ich das Vorzimmer hätte verlaſſen können; ſie war nicht in einem Zuſtande, wo man ſie allein laſſen konnte.

Die Morgendämmerung brachte das ſchreckliche und quälende Geſchäft, die ſterblichen Reſte Deſſen, der uns ſo theuer geweſen war und der meinem Geiſte ſtets unvergeßlich bleihen wird, wegzuſchaffen, ſie aus dem Geſicht, aus unſerm

i bringen.

prach mir ihr ſo wenig und ſo freundlich, wie ich nur

Freundlich! Wenn Worte hätten in der Luft, gleich Eroervaunen, ſchwimmen können, ſo würden ſie mir immer zu barſch erſchienen ſein, ſie an Ruth zu richten. Trotzdem war ich gezwungen, mich über ihre Wünſche zu verſichern.

Sie wiſſen, was das Beſte iſt und Sie werden das Richtigſte thun, antwortete ſie mir freundlich;aber ver⸗ langen Sie nicht von mir, daß ich das Haus verlaſſen ſoll, ſo lange er noch hier iſt. Bedenken Sie die langen Jahre, während derer ich ihn nicht ſah; bedenken Sie die langen Jahre, die..

Hier hielt ſie ein, brach in ein heftiges Weinen aus vorher hatte ſie noch nicht geweint und ſagte:O, es iſt mir, als ob mein Herz brechen müſſe, während ſie ihre Hände darauf preßte.

Ich zog ſie an mich und tröſtete ſie, ſo gut ich es nur vermochte, indem ich ſie daran erinnerte, wie wohl ihrem Bruder jetzt ſei, der alle Erdenleiden überſtanden hätte. Ich ſprach auch mit ihr von der Stelle, wo wir ihm ſeinen letzten Ruheplatz geben wollten: in einer Gegend unter Roſen, Veil⸗ chen und Cypreſſen.

Sie lag ruhig in meinen Armen und endlich richtete ſie ihr Geſicht in die Höhe, um meinen Worten zu lauſchen.

Dieſes liebliche, traurige Geſicht zu ſehen, das an meiner Bruſt ruhte, auf daſſelbe hinabzublicken und dieſen aufrichtigen Augen zu begegnen, füllte mich mit Gefühlen, die ich nicht zu beherrſchen vermochte.

Wenn Sie mich zu lieben vermögen, ſagte ich dann, ſo werden Sie ſich, ſo lange ich lebe, nie wieder allein oder unbeſchützt fühlen. Das Ihnen zu ſagen, iſt Ort und Zeit nicht unpaſſend, denn er wußte, daß ich Sie liebte, und war erfreut, es zu erfahren. Aber ich verlange, oder erwarte oder wünſche keine Antwort jetzt nicht.

Ich weiß kaum, welchen Sinn ſie meinen Worten damals

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beilegte, Sorge und Erſchöpfung hatten ihre Lebenskraft ver⸗ zehrt. Nicht eine Spur von Farbe zeigte ſich auf ihrem Ge⸗ ſicht; ſie hörte nur zu.

Wie gut Sie ſind! Wie gut Sie ſind! ſagte ſie.Was könnte ich nicht Alles für Sie thun!

Ich ordnete Alles nach meinem beſten Wiſſen an; ich be⸗ ſtimmte ſie, das Zimmer zu verlaſſen und mit mir nach dem proteſtantiſchen Kirchhof jenſeits der Stadtmauern zu gehen und die Stelle zu wählen, wo er ruhen ſollte. Sie ſprach ſelten; ſpäter erzählte ſie mir, es ſei ihr Alles wie ein Traum vorgekommen, aus dem zu erwachen ſie jeden Augenblick er⸗ wartet hätte. Am nächſten Tage beerdigten wir ihn.

Als er dem Schooße der Erde anvertraut und Alles vorüber war, verweilten wir noch eine Zeitlang dort. Es wehte eine milde Frühlingsluft; die lieblichen Sänger des Frühlings ließen ihre Stimmen vernehmen; die Cypreſſen wogten hin und her; die warmen Sonnenſtrahlen beleuchteten die ganze Gegend; der Ort lud zur Ruhe ein und war friedlich, und auf ihm erhoben ſich große Denkmäler auf dem Grabe berühmter Männer, während die wundervolle ewige Stadt mit ihren Wundern vor uns lag.

Das war ein unvergeßlicher Tag.

Ich verſprach ihr, daß für das Grab ihres Bruders mehr Sorge getragen werden ſolle, als für irgend ein anderes auf dieſem Gottesacker, daß fortwährend Blumen auf ihm blühen und ſein Leichenſtein nie mit Moos überzogen ſein ſollte.

Als wir fortgingen, übergab ich ſie der Sorge jener mütterlichen, gütigen Dame, deren Bekanntſchaft wir in der Diligence gemacht hatten und die von mir auf ihren Em⸗ pfang vorbereitet war..

Einige Tage lang bekam ich ſie nicht wieder zu Geſicht; ſie war zu ſehr erſchöpft, als daß ſie, nachdem die Reaction der langen Ueberſpannung eingetreten war, das Bett hätte ver⸗ laſſen können.

Ich erkundigte mich jeden Tag nach ihrem Befinden und fand ſtets eine freundliche, dankbare Botſchaft; doch Tag für Tag verging, ohne daß ich ſie zu ſehen bekam.

Zuletzt kam der glückliche Tag, wo dies der Fall war.

Sie war weit mehr verändert, viel elender ausſehend, als ich vermuthet hatte; unſer Zuſammentreffen regte ſie ſehr auf; ihr ſchwarzer Anzug trug ebenfalls dazu bei, die Feinheit ihres Geſichts zu vermehren. Miſtriß Norriſon ſtand neben ihr, ſtreichelte ihr Haar und liebkoſte ſie thätlich und wörtlich, bis ſie ruhiger war, und dann ließ die gute Dame uns allein.

Ich hatte keine Idee davon, was vor mir lag. Unſere Unterredung war ſehr lang. Mehr als einmal verließ ich ihre Seite und ſchritt voller Verzweiflung im Zimmer auf und ab, trat an das eine oder das andere Fenſter, von wo aus man die Stadt überblicken konnte, und erwog, wie ich ſie von meiner Liebe, das heißt von der ſelbſtiſchen und eigennützigen Be⸗ ſchaffenheit derſelben überzeugen könnte.

Sie ertheilte mir nämlich auf das ganz beſtimmte An⸗ erbieten meiner Hand und meines Herzens(wie ein Novelliſt ſich auszudrücken pflegt) in der mildeſten, demüthigſten Weiſe eine entſchieden abſchlägliche Antwort.

Ihre Dankbarkeit war ſo voll und ſo demüthig, ihre Auf⸗ regung ſo groß, daß ich nicht böſe mit ihr ſein konnte, aber ich war ſehr erbittert und kehrte meine Erbitterung gegen mich ſelbſt, ja verwünſchte mich ſelbſt, weil ich keine Worte finden konnte, welche ſtark genug waren, ſie zu überzeugen. Sie hatte mich auf einen Gipfel geſtellt und wollte mich dort