Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
748
Einzelbild herunterladen

748

Harold wünſcht Sie zu ſehen; Harold will Ihnen danken. Ich folgte ihr in das Zimmer.

Das volle Licht eines kleinen viereckigen Fenſters, aus

dem man die Tiber, die Engelsburg und die Linie des Mons Janiculus ſehen konnte, fiel auf das armſelige Bett, worauf mein armer Schulcamerad lag.

Ich ſah ſogleich, daß ſein Leben höchſtens nur noch nach Tagen, vielleicht nur nach Stunden zu berechnen ſei.

Doch was für ein ſchönes glänzendes Geſicht war es noch immer! Welch ein Licht ſtrömte aus dieſen glänzenden Augen, als er, ohne ſich zu erheben er vermochte das nicht mehr mir ſeine beiden Händen entgegenſtreckte!

Ruth ſchmiegte ſich an ihn; eine ſeiner Hände faßte

ſofort wieder die ihrige, während ſeine andere Hand die meinige ergriff, als ich mich an ſeiner Seite niederſetzte.

Wie oft werden in dieſer ſeltſamen Welt einfache Hand⸗ lungen, die dem, welcher ſie verrichtet, nichts koſten, auf's Reichſte bezahlt! Was hatte ich gethan? Welches Opfer hatte ich gebracht? Und wie dankten ſie mir und ſegneten ſie mich! Er mit ſeinen mühſam geſprochenen, ſchwachen Worten; ſie mit ihren ſegnenden Augen ſein Lob beſtätigend.

Wenige Worte erklärten den Fall.

Er hatte ſich nach der Abſendung des erſten Telegramms etwas gebeſſert und es für überflüſſig gehalten, daß Ruth kommen ſollte. Er hatte die Möglichkeit nicht berechnet, daß ſie ſofort abreiſen werde, wie ſie es gethan hatte, und die zweite Botſchaft, welche ihr gebot, nicht zu kommen, hatte ſie nicht erreicht..

Einige Tage ſpäter zwei Tage vor unſerer Ankunft war ihm ein Blutgefäß zerſprungen und der Arzt hatte ihm erklärt, ſein Zuſtand ſei hoffnungslos.

Hätte ich das Alles nur früher gewußt! dachte ich, als ich das elende Zimmer anſah und mich an die Hunderte und Tauſende, die ich überflüſſig hatte, erinnerte.

Als Ruth etwas ſpäter eine kurze Zeit abweſend war, eine Frau, die in den untern Zimmern wohnte und die gegen Harold ſehr gütig geweſen, war, hatte ſie mitgenommen, damit ſie etwas genießen und ſich ſtärken ſollte drückte ich ſtammelnd etwas von meinem Bedauern aus und er antwortete:.

Es iſt beſſer ſo, wie es iſt; was mich ſelbſt betrifft, ſo bin ich zufrieden. Ich glaube an eine andere Welt, wo ein beſſeres Licht, ein richtigeres Geſicht, mehr Schönheit wahr⸗ zunehmen und reinere Sinne, ſie aufzufaſſen, ſein werden.

Iſt Ihre liebe Schweſter frei? fragte ich;frei von einer übernommenen Zuſage, iſt ihr Herz noch frei? Ich ſprach leiſe und haſtig und fühlte in meinem ganzen Weſen, wie viel von ſeiner Antwort abhing.

Meine kleine Ruth? O ja, ſo viel ich weiß; und ſie hatte nie ein Geheimniß vor mir.

Ich liebe ſie, antwortete ich.Wenn ſie mich lieben kann, ſo werde ich thun, was ein Mann nur zu thun ver⸗ mag, um ſie als mein Weib zu einer glücklichen Frau zu machen.

Er antwortete nicht ſogleich; er lag mit geſchloſſenen Augen; aber ich fühlte den lebhaftern Druck ſeiner Hand.

Ich mag ihr ſpäter ſagen, daß ich Ihre guten Wünſche hatte?. Sie dürfen ihr ſagen, entgegnete er mir nun, während er ſeine offenen ſtrahlenden Augen auf mich gerichtet hatte,daß ich in meinen letzten Stunden eine volle Schale der Glückſeligkeit trank, da ich glauben konnte, daß mein

Novellen⸗Jeitung.

Liebling, meine kleine Ruth, mein theures Schweſterchen als Ihr Weib unter glücklichen Frauen glücklich ſein würde.

Sie haben Ihren großmüthigen Enthuſiasmus für einen ſehr unwürdigen Schulcameraden noch nicht verloren, antwortete ich.

Ich habe nichts von meinem alten Freunde, meinem Be⸗ ſchützer und Wohlthäter vernommen, was geeignet geweſen ſei, dieſe Gefühle zu vermindern, entgegnete er.

Ein Wort von Ihnen, das Sie Ihrer Schweſter zu⸗ flüſtern, wird mich zum....

In dieſem Augenblick trat Ruth ein. Ich wollte Beide allein laſſen, aber er bat mich, nicht fortzugehen; und während er ſprach, überraſchte ihn eine tödtliche Ohnmacht.

Sie ging indeſſen vorüber. Er bat, wir möchten ihn aufrichten; die liegende Stellung verurſachte ihm große Schmerzen; er lag mit ſeinem Kopfe auf Ruths Schulter, ſein braunes Haar miſchte ſich mit ihrem blonden.

Der Doctor kam und ging, ebenſo die Frau, die ihn während ſeiner Krankheit gewartet hatte; Beide erklärten, ſeine letzte Stunde ſei nahe.

Es war ein Nachmittag, den ich nie vergeſſen werde. Er ſagte, er leide nicht ſehr; dann und wann ſprach er, und wenn er ſprach, war in ſeinen Worten Weisheit, die nicht dieſer Welt angehörte.

Ruth vergoß keine Thräne; ſie ſchien ganz in ihn ver⸗ ſunkenohne ſich ährer ſelbſt oder ihres Kummers bewußt zu ſein; ſie feuchtete beſtändig ſeine Lippen an oder trocknete ſeine Stirn, und ihre Augen ſchienen ganz an den ſeinigen zu hängen.

Die untergehende Sonne beſchien die Beiden. wachte ihn aufmerkſam; ſeine nur zur Hälfte geöffneter ſchienen träumeriſch nach ihr zu blicken, wie die Aug Perſon, die eben im Einſchlafen iſt. Das Licht verging; die Dunkelheit ſtellte ſich ein; wir rührten uns nicht, weil wir glaubten, er ſchlafe.

Endlich vernahm ich durch das Dunkel, die nahe Stille und das entfernte Geräuſch der großen Stadt Ruth's leiſe und doch erſchrockene Stimme; ſie bat um ein Licht. Ich war in tiefe Gedauken verſunken Leben, Liebe, Tod und Un⸗ ſterblichkeit, Mißlingen, Erfolg, die Eitelkeit der Welt ich weiß nicht, an was ich Alles dachte, während ich regungslos in dem dunkeln Zimmer ſaß.

Ich ſchaffte eine Lampe herbei und ſetzte ſie auf den Tiſch, von wo ihr Licht auf Beider Geſichter ſiel. Ich fand, daß Ruth mehr und mehr zuſammengeſunken war, wie der Kopf auf ihrer Schulter ſchwerer wurde. Ein Blick erzählte mir die Wahrheit: er war todt.

Sie ſah es, ſie wußte es. Sie ſank jetzt noch tiefer, bis ſein glänzender Kopf auf dem Kiſſen und der ihrige daneben ruhete. Sie wehklagte leiſe, während Wange an Wange lag. Ich hörte nur die wenigen Worte:

Bruder, nimm mich mit Dir; ich habe ja Niemanden auf der Welt, als Dich. 5

Dann lag ſie ſtill, halb auf dem Bette, halb auf dem Fußboden, ihr Geſicht an das des Todten gedrückt.

Was that ich?;

Ich ſtand dabei und blickte auf Beide.

Als ich ſo ſtand und auf ſie blickte, beſtand ich eine jener Prüfungen, die zu unterſuchen und ins Gedächtniß zu⸗ rückzurufen von keinem Nutzen iſt; ſie ſind für immer ins Leben und ins Herz eingeſchrieben und erlöſchen nie.

Endlich bemerkte ich, daß ſie in eine tiefe Ohnmacht gefallen war.

können; ſie laſſen konnt

Die auilende C theuet gewe bloihon pir

-

Eicerdaun barſch erſc ich gezwun Sie Richigſte wngen Si ſo lange während Jahre, di Hier vorher ha mir, als! darauf pr Ich vermochte Bruderj

Augen a beheriſt Ä