Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
747
Einzelbild herunterladen

arabigen Stimme daß ich meinen Ibr Courier,

T. net ſich pe eignet ſich

Februars; die , wie nut eine mittelländiſche

ag. ſchon oft auf ſvollkommen

feſtigungen ſicher, uneinnehmbar waren. Dann hinab nach der Küſte durch die grillenhafteſten und ſeltſamſten kleinen Häfen mit ihren alten und neugebauten Schiffen; durch Gärten mit Citronenbäumen, dann an den Palmenhainen vor Bor⸗ dighera vorüber was für eine bezaubernde Welt ſchien das zu ſein! Mittelalterliche Romantik, nördliche Stärke und ſüdliche Grazie., Doch von allen dieſen Dingen will ich jetzt nicht ſprechen.

In Genua hielten wir uns nur wenige Stunden auf. Wie lange wir auf unſerer Reiſe zuſammen waren, kann ich nicht mit Gewißheit ſagen. Zu einer Zeit hatten wir ſchlechtes Wetter, Kälte und Regen, Schnee, Wind und Hagel; das war, wie ich glaube, als wir zwiſchen Seſtris und Spezzia über die Apenninen fuhren. Sie beklagte ſich nie, obſchon ſie von der Kälte ſo erſtarrt war, daß ſie eines Abends, als ich ihr beim Ausſteigen half es war in Spezzia gefallen ſein würde, hätte ich ſie nicht in meinen Armen aufgefangen.

In meinen Armen aufgefangen! Ja, und ehe ich es nur wußte, hatte ich ſie voller Mitleiden umarmt und ausgerufen: Sie armes, müdes, geduldiges Kind!

Eiſenbahn von Spezzia nach Livorno; an den Marmor⸗ brüchen von Carrara und Piſa vorüber; Eiſenbahn und ODiligence nach Civita⸗Vecchia, Eiſenbahn nach Rom. Wie nlan ſieht, dauerte unſere Reiſe nicht lange.

Als wir an einem glänzenden ſonnigen Morgen Rom erreichten, ſah ſie, von der Reiſe ermüdet, elend aus. In der vorhergehenden Nacht in einer überfüllten Diligence es war mir nicht möglich geweſen, das Coupé für ſie zu bekommen hatte ſie den größten Theil der Nacht, während ihr Kopf auf meiner Schulter ruhte, geſchlafen und ihr Schlaf zeigte von einer ſolchen Erſchöpfung, daß er mich be⸗ unruhigte. Ich hatte es gewagt, meinen Arm um ſie zu⸗ ſchlingen und ſie an mich zu ziehen, um ſie beſſer ſtützen zu können was für eine leichte, zerbrechliche Form war ſie! Als ich ſie ſo hielt und ſie in einen ſo tiefen Schlaf ver⸗ ſunken war, ſchloſſen ſich meine Augen keinen Augenblick und mein Geiſt war ſehr beſchäftigt.

Was wird wohl das Ende dieſer Reiſe ſein? Sollte hr Bruder vielleicht ſchon todt und ſie, die Schweſter, freudlos, ohne Geld, heimathlos, allein ſein!

Als die Diligence einmal anhielt, erwachte ſie halb; ſie blickte in mein Geſicht, als ich mich zu ihr niederbückte.

Ich befürchte, ich falle Ihnen zur Laſt, ſagte ſie. Aber ich kann nichts dafür, ich bin ſo ermüdet. Ihre Erſchöpfung war wirklich ſo groß, daß ihr Kopf ſchon wieder auf meine Schulter ſank, als ſie dieſe Worte kaum beendigt hatte.

Meine Antwort war, daß ich ſie dichter an mich preßte, das war Alles.

Ihre Gattin, das arme junge Ding, ſcheint ganz erſchöpft zu ſein, ſagte eine uns gegenüber ſitzende, ſehr gütig ausſehende Dame, die einer Quäkerin glich. Ich hatte bemerkt, wie freundlich und mitleidig ſie auf Ruth geblickt hatte. Vor wenigen Tagen würde ich auf dieſe Worte ſofort Ruths Geſchichte erzählt und den Schutz einer Dame für eine Dame in Anſpruch genommen haben, aber jetzt nun, ich war eiferſüchtig und ſelbſtſüchtig. Ich wollte ſie allein für mich haben, allein für ſie Sorge tragen; ganz mein, nur mein ſollte ſie ſein.

Ich antwortete einfach:Sie iſt erſchöpft; ſie iſt von London hierher gereiſt, faſt ohne anzuhalten, und hat in Rom einen Bruder, der im Sterben liegt.

Armes, armes junges Ding! Aber ſie iſt glücklicher,

Vierte Holge. 747

als Viele; ihren Kummer wird ſie mit Jemanden theilen⸗ der ſie heißer als ein Bruder liebt.

Das erweckte mein Gewiſſen; Keiner von unſern übrigen Reiſegefährten konnte uns hören. Ich erzählte ihr kürzlich Ruths Geſchichte und fragte ſie ſchließlich:Gehen Sie nach Rom, um dort zu bleiben?

Ja, Freund, und es wird mir erfreulich ſein, der jungen Dame nützen zu können. Sie werden ihr vielleicht einen ſehr großen Dienſt erweiſen können. Ich gab ihr meine Karte und ſie gab mir die ihrige, auf die ſie mit einem Bleiſtift ihre Adreſſe in Rom ſchrieb.

Iſt dies Ihres Bruders Adreſſe? fragte ich Ruth, als wir uns Rom näherten und ich die Karte las, welche Ruth mir gegeben hatte.

Ja. Sie ſind erſtaunt, und weshalb?

Das iſt ein ſo elender Stadttheil.

O, er iſt ſehr arm und ſparte immer, um ſich in Stand zu ſetzen, mir bald eine Heimath geben zu können, ſagte ſie.Er ſagte, ich würde mich als Gouvernante nie glücklich fühlen und er eben ſo wenig, wenn er wüßte, daß ich eine ſolche ſei.

Ruth, ſagte ich, indem ich ihre Hand faßte, als wir durch die Straßen fuhren.Laſſen Sie mich Sie ſo nennen. Ich bin Ihnen kein Fremder mehr, ich bin für Sie ein Bruder und wünſche für Sie noch mehr als ein Bruder zu ſein, doch davon will ich jetzt nicht ſprechen. Sind Sie auf eine große Erſchütterung vorbereitet? Kann Ihre körper⸗ liche Conſtitution eine ſolche ertragen? Ich weiß, daß Ihr muthiger Geiſt es will. Ich meine, wenn Ihr Bruder ſehr, ſehr krank, ſterbend vielleicht gar todt ſein ſollte.

Sie ſchauderte zuſammen.Sie haben das Wort geſagt, ich konnte es nicht ſagen. Ich habe Tag für Tag daran gedacht, daß er todt iſt, das iſt der Grund, weshalb

Weshalb Niemand in Marſeille Sie abholte?

Ich befürchte, armes Kind, daß Sie Recht haben werden. Sie werden verſuchen, es muthig zu ertragen und Sie werden mich Ihren Bruder ſein laſſen, bis

Jetzt hielt der Fiaker.

Dieſe Gaſſe war hinreichend, ihn zu tödten, ſagte ſie.Es iſt ſicher nicht hier!

Wir hielten in einer jener engen, ſchmutzigen, ſtinkenden Gaſſen, deren es in Rom ſo viele giebt.

Es iſt hier, ſagte ich, als der Kutſcher die Wagen⸗ thür öffnete. Ich rief ihm zu, zu warten, während ich Ruth half, aus dem Wagen zu ſteigen.

Jetzt ſtiegen wir die dunkle, ſchmutzige Treppe hinauf, immer höher. Zuletzt erreichten wir eine Thür, an welcher die Karte des armen Malers angenagelt war.

Sie ſchien nun Muth zu ſammeln. Sie ſchritt voran durch ein enges dunkles Vorzimmer, worin ich zurück blieb.

Ich lauſchte.

Ich hörte einen erſtickten Ausruf von ihr, von ihm einen Schrei, der ſo gellend war, daß er faſt einem Auf⸗ ſchreien glichRuth!

Ich kehrte an die Treppe zurück und wartete dort beinahe eine halbe Stunde; dann kam ſie zu mir und legte ihre Hand auf meinen Arm derAusdruck ihrer traurigen Augen ſagte mir, es ſei keine Hoffnung der Geneſung mehr vorhanden.

Mit einem liebkoſenden Wort zog ich ſie an mich; ſie lehnte ihre Stirn einen Augenblick gegen meinen Arm und

ſagte dann mit einer kaum hörbaren Stimme: