Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
746
Einzelbild herunterladen

746

können, ſondern mehr als gewöhnlich auf Reibung mit andern Völkern angewieſen ſind, eine lange, nicht blos nach Jahrhunderten zu rechnende Zeitdauer. Außerdem müßte es möglich ſein, ſie von den ver⸗ giftenden Einflüſſen einer Cultur frei zu halten, die theils mit Schnaps, europäiſchen Krankheiten und Miſſionsverdummung, theils mit den plötzlichen unge⸗ heuren Eindrücken einer für ſie unbegreiflichen Civi⸗ liſation in ihnen mit dem logiſchen Zuſammenhang der naturnothwendigen Uebergänge auch den geſunden Zuſammenhang von Leib und Seele aus dem Gleich gewichte bringt und zerſtört. Wir wollen doch dem Drucke des Geiſtes auf die Phyſis eine Wirkung zu⸗

Novellen⸗Jeitung.

ſchreiben, und hier bei ihrer Schroffheit eine feindlich dämoniſche, wenn ſich auch die Judividuen derſelben nie klar bewußt werden.

Neben den ausgezeichneten, durch die ſchönſte Ueberſichtlichkeit wirklich großen Arbeiten Andree's bringt der Globus fortgeſetzt inſtruetive und unter haltende Artikel von verſchiedenen in⸗ und ausländi⸗ ſchen Ethnographen und Weltreiſenden, und ſeine

Rundſchau über die Entdeckungen und Culturbewe⸗

gungen in allen Erdtheilen macht das Blatt zu einer Quelle des Wiſſens, wie ſie in ganz Europa in ſo wohlthuender Form nicht weiter exiſtirt.

Feuilleton.

Schnell und entſchloſſen. Nach dem Engliſchen von Friedrich Coßmann. (Schluß.)

Die Beſitzerin eines Hötels in Nizza war mir ſehr gut und vortheilhaft bekannt. Ich übergab Miß Harkneß ihrer Sorge und erklärte ihr in wenigen Worten den Zweck ihrer Reiſe. Dann beſtellte ich und ich erinnere mich, daß ich'die Auswahl mit großer Sorgfalt traf für eine Perſon ein kleines Diner von Suppe, Wildpret, Cotelettes, Confitüren, ausgeſuchtes Obſt und Kaffee, das ſobald wie glich in Nr. 99 ſervirt werden ſollte, und nachdem ich das eſorgt hatte, ging ich meinen eignen Geſchäften nach. Ich nahm das Coupé der Diligence und einen Platz auf dem obern Sitz des Wagens bis Genua. Ich ſchickte dann ein Telegramm nach Marſeille, worin ich beſtellte, daß mein dort gelaſſenes Ge⸗ päck bis zu weiterm Befehl verwahrt werden möge. Ich dinirte dann in einem Hötel dicht neben dem Bureau der Diligence, trank Kaffee, rauchte eine Cigarre, ging auf der Esplanade auf und ab und blickte nach den Fenſtern des Hauſes, in dem ich Miß Harkneß gelaſſen hatte, und überließ mich meinen Träumen, was wohl aus meinem ſeltſamen Abenteuer her⸗ vorgehen werde.

Vielleicht eine Gattin für mich?

Höchſt unwahrſcheinlich. Iſt es wohl im Geringſten wahrſcheinlich, daß ein ſo liebes Mädchen, wie ſie iſt, nicht bereits verſagt ſein ſollte?

Was muß das aber für ein Menſch ſein, wenn er ſie ſich ſolchen Gefahren ausſetzen läßt? Angenommen, ſie wäre in ſchlechte Hände gefallen eben ſo vollſtändig, wie ſie in die meinigen gerieth was ihr keinen Schaden bringen ſoll, Gott weiß es!

Sie würde nicht in ſchlechte Hände gefallen ſein.

In dieſem lieben kleinen Geſichte, mit ſeinen heitern Augenbrauen und klaren Augen, ſeinem feſten, faſt traurigen Munde liegt Urtheil, Beurtheilungskraft, Weisheit weit über ihre Jahre.

Es that mir leid, daß ſie meinen Namen geſehen hatte; wäre das nicht geſchehen, ſo hätte ich die ſchmeichelnde Salbe

auf meine Seele legen können, daß mein Geſicht ihr Ver⸗ trauen eingeflößt habe. 6.

Aber was hätte ſie thun ſollen, wäre ich nicht dort ge⸗ weſen? In des Himmels Namen, was würde aus ihr ge⸗ worden ſein? Wohl! Der Himmel weiß, was aus ihr ge⸗ worden ſein würde, er beſchützt die Seinigen.

Als ich von meinem Spaziergange bei Mondenſchein an der wundervollen Bucht bei Nizza ermüdet war, kehrte ich in mein Hötel zurück, fand aber, daß es ſich nicht mehr der Mühe verlohne, dieſe Nacht zu Bett zu gehen und ſo wachte ich bis zum Morgen.

Ich war ſehr früh in ihrem Hötel, da es mir ſehr am Herzen lag, ihre Rechung zu berichtigen, ehe ſie damit beläſtigt wurde. Ich beſtellte, daß ihr das Frühſtück in ihrem Zimmer ſervirt werden ſollte und meldete ihr in ein paar mit Blei⸗ ſtift geſchriebenen Zeilen, daß Alles beſorgt ſei.

Ich werde nicht leicht den dankbaren Blick vergeſſen, den ſie auf mich richtete, als wir uns trafen. Als ich ſie in das Coupé einſteigen ließ, fragte ich:Waren Sie gut logirt?

O, ja, Sie hatten Alles bedacht; Sie ſind ſehr gütig geweſen, antwortete ſie, die Augen voller Thränen. Wo gehen Sie hin? fuhr ſie mit einer unruhigen Stimme und beſorgtem Geſicht fort, als ſie ſah, daß ich meinen Sitz nicht neben ihr nahm.

Oben auf die Diligence; ich bin Ihr Courier, Fräulein; oben ſieht man beſſer, aber das Coupé eignet ſich beſſer für eine Dame.

Es war ein ſchöner Morgen, Anfangs Februars; die Sonne und der Himmel waren ſo glänzend, wie nur eine Riviera⸗Sonne und Himmel ſein konnten; das mittelländiſche Meer ſo blau, wie nur daſſelbe es zu ſein vermag.

Dieſe wundervolle Bergſtraße! Ich war ſchon oft auf derſelben gereiſt, aber dieſes Mal lernte ich ſie erſt vollkommen bewundern. Jetzt hoch auf den Hügeln, wo es ſchien, als könne man die ganze Schweiz mit ihren Schneebergen über⸗ blicken; wo man unter ſich eine azurblau oder violet glänzende Bucht, eine Stadt, ein Dorf oder einen Thurm und bis in eine weite Entfernung die See im Geſicht hatte; wo man auf

kleine befeſtigte Städte blickte, die auf ihren natürlichen Be⸗

drüchen voh Diligence! mau ſieht, Als erreichten, volzergehe war mir bekommen ihr Kopf Schlaj Fu unruhigte ſclüngen können Abs ich ſi ſunten w and mein Wa hr Bru freudlos Al ſie blickt

gäüch h ofon Re für eine

London einen)