Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
738
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Novellen

laſſen zu dürfen, an ihrem Gemahle, deſſen hoffnungs⸗ loſe Liebe zu der ſchönen O. kein Geheimniß war, eine leichte Rache zu üben. Bei einem der nur ſelten vom Könige der Gemahlin gemachten Beſuche offenbarte ſie ihm die Nachricht und deren Quelle mit den Worten:Sire, je vous complainssincèrement. Habe alle Urſache für die warme Theilnahme von zwei ſo ſchönen Frauen, als Ew. Majeſtät und Comteſſe

Truchſeß es in den Augen der Männerwelt ſind, meinen

Dank abzuſtatten, ſagte Jerome mit ſeinem gewöhn⸗ lichen ſardoniſchen Lachen. Daß ihm aber die Sache doch nicht ganz gleichgültig war, erging aus dem brüsken Tone, mit dem er, die ſilberne Glocke ergreifend, dem eintretenden Kammerdiener das Vorfahren der Equipagen zu einem Jagdausfluge befahl.

Es war am Morgen eines prächtigen Sommer⸗

tages, als der König, dem ihn anmeldenden Kammer⸗

herrn auf dem Fuße folgend, in den Gartenſalon des gräflich O.'ſchen Hôtels trat, wo die beiden Kunſt⸗ dilettanten bei geöffneten Fenſtern ein großes Werk von Haydn einübten. Winterfeld erhob ſich ſchnell

Zeitung.

Könige und beurlaubte ſich in formeller Weiſe von der ſchönen Frau, die in einem ſo kritiſchen Moment ſein Schutzgeiſt geworden war. Sie entließ ihn in verbindlicher Weiſe mit einemau revoir, cher baron! und dankte dem Könige, während ſein Auge ſehnſuchts⸗ voll auf ihren Reizen verweilte, unter den Zeichen ge⸗ bührender Ehrfurcht für dieſen neuen Act ſeiner Gerechtigkeitsliebe.

Des Königs düſterer Blick klärte ſich auf bei dieſen Worten, welche die Gräfin mit jenem bezaubernden Lächeln an ihn richtete, dem Niemand zu widerſtehen vermochte. Als er ſich bald darauf entfernte, fühlte er ſich hoch befriedigt in dem Gedanken, daß die Gräfin O. zu den Wenigen gehörte, die ihn für beſſer hielten, als ſeinen Ruf.

Faſt eine Woche war ſeit dieſem Vorfall verſtrichen und Winterfeld gab ſich dem Glauben hin, daß er, ohne nachtheilige Folgen für ihn, gleich manch' anderem ähnlichen Ereigniß der Reſidenz in das Meer der Vergeſſenheit verſinken würde. Aber nur zu bald ſollte er erfahren, daß hohe Herren für gewiſſe Dinge

von der Seite der Gräfin, um Sr. Majeſtät gegenüber im Leben nur ein zu gutes Gedächtniß haben.

eine ehrerbietige Stellung einzunehmen. Auch Gräfin erhob ſich, wohl etwas überraſcht, doch ohne

die

Der Tag war gekommen, wo Winterfeld als

Officier des Garde du Corps die Reihe traf, die

die an ihr gewohnte beſonnene Ruhe zu verlieren. Escorte zu führen, welche den König auf der Fahrt

Welche Gnade, Sire, mich oder vielleicht auch meinen Gemahl mit einem ſo unerwarteten Beſuche zu be⸗ palaſte regelmäßig begleitete. Jerome's düſterer Blick, womit er ihn bei dem Einſteigen fixirte, als Winterfeld

ehren!

Unerwartet, gewiß! ſagte der König, indem er einen Schritt näher trat und ſich gegen die Gräfin etwas verneigte;ja, unerwartet j'en jure, bei einem ſo romantiſchen téte-a-téte. Dem Gardeofficier aber rief er in gebieteriſchem Tone zu, ſo laut als es ſeine faſt immer heiſere Stimme erlaubte:Ent⸗ fernen Sie ſich, sur le champ, und melden ſick als Arreſtant bei die Commandant von die Caſtell!*) Nichts eben Neues, wo die Liebe Sr. Majeſtät auf irgend eine Weiſe durchkreuzt wurde.

Im hohen Roth ſtrahlte bei dieſen Worten das ſchöne Geſicht der Gräfin auf:Ich erſuche Sie zu bleiben, Herr v. Winterfeld, rief ſie mit faſt gebieteriſcher Stimme, und ihre edle Geſtalt hoch erhebend ſetzte ſie hinzu:Se. Majeſtät werden geruhen, das Gaſt⸗ recht zu ehren und nicht vergeſſen, daß nicht der König, ſondern ich Herr bin in meinen Räumen.

Das war dem ſchwachen Könige faſt zu viel; finſter blickte er vor ſich nieder, und zu Winterfeld ſich wendend, ſagte er mit gemäßigter Stimme:Bleiben Sie! Nicht ich, der König, die Gräfin hat hier zu befehlen.

Winterfeld aber verneigte ſich tief vor dem

*) Hiſtoriſch

nach dem damalsNapoleonshöhe genannten Sommer⸗

ſich für den Tag als ein dienſtthuender Officier meldete, deutete ihm zur Genüge, daß die Majeſtät die erlittene Beſchämung noch nicht verſchmerzt hatte. Die zwei⸗ ſtündige Entfernung vom Thore nach der Höhe wurde

ſtets im geſtreckten Trabe, nach beſonderem Befehl

aber und das war ſtets der Fall, wenn der König von etwas Unangenehmem erregt war im Galopp zurück⸗ gelegt. Die Pagen in den Schlägen hatten dann ſorgſam über ihre Sicherheit zu wachen, und manch' mitleidsvoller Blick traf bei ſolchen Galafahrten die hochgeborenen zarten Knaben, wenn die vergoldeten Equipagen ſauſend über das ſtädtiſche Pflaſter zum Thore hinaus vollten. Heute lautete die Ordre

Galopp! In weniger als einer halben Stunde war

der prächtig gelegene, weltbekannte Palaſt erreicht, wo in neueſter Zeit ein Fürſt aus altem Hauſe ſeine Regentenlaufbahn beſchloß.

Bei dem Ausſteigen aus dem Wagen winkte der König Winterfeld in ſeine Nähe und ſagte im brüsken Tone:Demain matin à onze heures der Kriegs⸗ miniſter Sie erwarten in ſein Bureau.*)

Ohne eine Miene zu verziehen, ſalutirte der Officier nach der kurzen königlichen Abfertigung, und

*) Hiſtoriſch.

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