722
Blicke milden Vorwurfes auf den kräftig daſtehenden Krieger, der nur die Bahn zu neuem Ruhme und höheren Graden offen ſah, nachdem er es ſchon in den wenigen Kriegsjahren durch ſeine oft an Verwegenheit grenzende Tapferkeit zum Escadronschef gebracht hatte, und zwar bei einem Alter von kaum dreißig Jahren. Heinrich v. Winterfeld war aber nicht allein ein tapferer, er war auch ein ſchöner Mann, von einem ſo ebenmäßigen, dabei elaſtiſchen Gliederbau, daß er ein⸗ mal ſcherzhaft von Freiwald als Kriegsgott mit einem Antinouskopfe gezeichnetwurde. Auch Anna war ſtolz auf ihren ſchönen Bruder, der manch' ſchönes Auge auf ſich zog, wenn er an ihrer Seite eine oder die andere von Dresdens vielen Sehenswürdigkeiten beſuchte, die der Schweſter noch fremd waren.
„Lieber Heinrich!“ wandte ſich Freiwald jetzt lächelnd zu ſeinem Freunde,„Du wirſt mir erlauben, Hoffnungen in meinem Sinne bei dieſem unerwarteten Glückswechſel auszuſprechen. Die Verbündeten laſſen ſich ohne Zweifel zu dieſem Rückzuge nur in der feſten Erwartung beſtimmen, daß bald jeder Staat, der ſeine Unabhängigkeit liebt oder die verlorene Selbſtſtändigkeit wieder erringen will, mit ihnen ver— eint für die Freiheit Europas kämpfen wird, daß—“
„Nicht geſtritten, ich bitte!“ rief der Baron mit der Hand winkend.„Iſt's doch nur ein Streit um des Kaiſers Bart! Kanonen und Bayonnette ſind nicht gerade die aufrichtigſten Freiheitsapoſtel!“—
Die Bewegungen der ruſſiſchen und preußiſchen Heeresſäulen, die noch auf dem rechten Elbufer ſtanden, ſchienen am nächſten Tage Heinrichs Hoffnungen nicht zu beſtätigen. Von den erſten Morgenſtunden an wurde von beiden Ufern eine heftige Kanonade unterhalten, und während die Straßen der Neuſtadt großen Lager⸗ plätzen glichen, entſpann ſich eine Stunde ſtromab⸗ wärts zwiſchen Ruſſen und Franzoſen, welche Letzteren eine Floßbrücke zu erbauen verſuchten, ein mörderiſches Gefecht. Endlich aber zog die Nachhut der Ruſſen gegen Tagesanbruch auf der Straße nach Bautzen ab. Einige Stunden ſpäter ſah man einzelne Franzoſen über die Brückenkluft klettern, und während des ganzen Tages wurden Infanterie und Geſchütze auf Fähren über⸗ geſetzt.
Als Freiwald in den Nachmittagsſtunden mit Heinrich auf die Brücke ging, bewegte ſich eine mili⸗ täriſche Gruppe auf dem jenſeitigen Ufer. Es war Napoleon mit einem zahlreichen Gefolge. In dem Augenblicke, wo der Zug die Kluft erreicht hatte, ſtieg der Kaiſer vom Pferde und, von ſeinen Generalen gefolgt, auf einer Leiter hinab und drüben an dem zerriſſenen Pfeiler wieder hinan. Freiwald ſah zum erſten Male den außerordentlichen Mann, der nur
Novellen⸗
Zeitung.
wenige Schritte von ihm an dem Brückengeländer ſtehen blieb und ein Fernrohr auf die Umgegend richtete. Unvergeßlich prägten dieſe Züge, dieſe ſüd⸗ liche Hautfarbe, das tiefe glübende Auge, die antike
Form des Kopfes, die ganz eigenthümliche, ſo ernſt
ruhige Haltung ſich in ſeine Seele, und er horchte mit lebhaftem Antheil, als Heinrich, der in der Schlacht von Moſaisk zu des Kaiſers Ordonnanzofficieren gehört hatte, nach eigenen Beobachtungen von ihm erzählte.
Heinrich, ein feuriger Bewunderer des großen
Helden, äußerte ſeine Frende über die Theilnahme
des Freundes.
„Du weißt,“ erwiderte Freiwald,„daß ich mein Vaterland über Alles liebe und den Feinden ſeiner Unabhängigkeit entgegentreten werde, ſobald mein Arm wieder erſtarkt iſt; aber ich bin gerecht gegen jedes Verdienſt und ich kann die unwürdigen Schmä⸗ hungen gegen dieſen ſeltenen Mann ſelbſt durch die jetzt herrſchende leidenſchaftliche Aufwallung und durch den ehrlichen Haß gegen Deutſchlands übermüthige Dränger nicht entſchuldigen. Ja, ehrlicher, offener Haß iſt tapfer; gemeine Schmäbſucht iſt feig! Die Armſeligkeiten, die Kotzebue und Conſorten mit vollen Backen in die Welt hinausſchreien, widern mich an, und ich glaube, wie er und ſeine Genoſſen jetzt die Freiheit anpreiſen, wird ihre Feder ſie einſt läſtern und verhöhnen. Ja, ſelbſt manche Aufrufe, unter denen geehrte Kriegernamen ſtehen, gefallen mir nicht, weil ſie ungerecht übertreiben.“
Als am nächſten Tage das wohlgerüſtete franzö⸗ ſiſche Heer unter des Kaiſers Augen über die noth⸗ dürftig hergeſtellte Elbbrücke zog, um den Verbündeten zu folgen, wurde Heinrichs Kampfluſt mächtig auf⸗ geregt beim Anblicke der goldenen Adler, denen er ein
Jahr früher mit der weſtphäliſchen Armee auf Sieges⸗
pfaden gefolgt war. Auch Freiwald betrachtete mit Intereſſe das glänzende kriegeriſche Schauſpiel, aber er ſeufzte auch bei dem Gedanken, daß die Bewegungen des franzöſiſchen Heeres es ihm ſelbſt nach völliger Geneſung unmöglich machen könnten, in die Reihen der preußiſchen Krieger zu treten. Während er mit ſeinem Freunde durch die Vorſtadt ging, begegneten ihnen überall Soldaten, die geplündertes Gut feil boten, und ſie ſahen auf dem hohen Wege am jenſeitigen
rechten Elbufer die dichten franzöſiſchen Heeresſäulen
ziehen, indeß am öſtlichen Himmelsrande Rauchwolken aufſtiegen, die den Brand eines benachbarten Dorfes anzeigten.
„Wir haben eben die prunkenden Glanzſeiten des Kriegsſchauſpiels geſehen,“ ſprach Freiwald ernſt,„ſieh dort ſeine dunkeln Schattenſeiten.“
„Beſter Freund,“ erwiderte Heinrich,„und wenn
⸗
meiner Sol Dir bin i bei, daß ſcch jetzt nicht von Du der? Dein Pfli Dir mein noch nicht ſehen wit Glaube m Plicht, ſ Vaterland freudigen kunft wir beſeligent niens hei ae n Tieft fuhr er ne einſt Wa⸗ noch feſte beſtimmt Als ſeinen Fre üom genor und verſch zu Raün mung me ſeiner N Entſchl der Hof ren Unf Zimmer flüſterte


