Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
721
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Hartmann

Vierte Folge.

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Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

Leipzig, am 16.

IV. Jahrgang.

chäne Miſſenſchaften und Geſell

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

ſchaſt.

Uovember 1866.

Vom hof- und Schlachtgewimmel zum Liebesport.

Eine Doppelgeſchichte nach dem Leben

.

von E. Heuſinger. (Fortſetzung.)

Anna ſtand am Fuße der Treppe und öffuete die Hausthür; als ſie aber Freiwalds bleiches Geſicht und die eingefallenen Züge in der Nähe ſab, verrieth ein leiſer Seufzer die Bewegung ihres Herzens. Lebhaft drückte er die ihm gereichte Hand an die Lippen, und ſein mattes Auge ward wie von einem Blitzſtrahl erhellt, als er in dem ihrigen den Blick der Liebe erkannte.

Er wurde von Baron Winterfeld freundlich be⸗ grüßt; mehr aber war, der herzliche Empfang, der ihm von Anna's Mutter zu Theil wurde, eine neue Bürgſchaft für die Erfüllung ſeiner geheimen Hoffnungen.

Nun, bin ich nicht ein Prophet geweſen?

ſprach Winterfeld.Eben vierzehn Tage verfloſſen

und da haben wir ein neues Feſtgeläute.

Ein Unglücksprophet, wie Du Dich richtiger nennen ſollteſt! fiel ſeine Gemahlin ein.Bei Deiner Indifferenz kannſt Du ſehr ruhig prophezeihen. Wenn wir Frauen und Herr Freiwald uns einem begeiſternden Gefühl hingeben, ſehen wir die Zukunft gern roſen⸗ farbig und golden. Großer Gott! was wird uns bevorſtehen unter der eiſernen Hand des unerbittlichen Gewalthabers, was wird aus der armen geflüchteten Königsfamilie werden?

Seien Sie ruhig, theure Mutter, nahm Heinrich v. Winterfeld das Wort, indem er ſanft die Hand auf ihre Schulter legte.Nach den bis jetzt bekannt gewordenen Nachrichten ziehen ſich die verbündeten Heere nach der Lauſitz und nach Böhmen zurück. Die franzöſiſchen Heeresſäulen dringen von allen Seiten übermächtig heran. Der Adler des Kaiſers hat ſich zu neuen Siegen emporgeſchwungen.

Anna und ihre Mutter ſeufzten und richteten