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Novellen⸗
Jeilung.
Regung las, die den Schmerz der Trennung zu die ſächſiſchen Schützen anſprengte, die hinter den
ahnen ſchien.
„Gewiß,“ fuhr er nach einer kurzen Pauſe fort, „recht bald ſchon gedenke ich aus der ſtillen, mich bis dahin ſo beglückenden Welt der Phantaſie in die eiſerne Wirklichkeit überzutreten.“
„Und ich— werde meine Pflicht thun, wo ſie mich mahnend ruft,“ ſprach Heinrich faſt hart, und wandte ſich gegen eine Fenſtervertiefung.
Herr v. Winterfeld ſchien an dieſer Unterhaltung wenig Gefallen zu finden. Er las einen Brief und ſagte zu ſeiner Frau:„Unſer Pächter hat doch ſein Quartal ſchon wieder pünctlich bezahlt, das gefällt mir an dem Manne, aber er meint auch, daß es bei den Kriegsausſichten im Nächſten ſchwer fallen dürfte.“
„Nun, lieber Mann, dann werden wir Nachſicht haben müſſen,“ ſagte die Dame im gewohnten milden Tone;—„wer kann die vorkommenden Fälle berechnen — unſer Gut kann ja ſchon in den nächſten Tagen in Flammen aufgehen!“
„Es thut mir weh, theure Mutter,“ ſprach Heinrich,„daß ich Sie unter ſo traurigen Verhält⸗ niſſen wieder verlaſſen muß. Aber Sie wiſſen, Pflicht und Ehre rufen mich gebieteriſch. Ich habe durch eine ganz beſondere Begünſtigung unter den jetzigen Zeitumſtänden einen kurzen Urlaub erhalten, um Sie zu beſuchen, als des Vaters Leben durch einen Zufall bedroht erſchien. Nur noch acht Tage ſind mir übrig und ich hoffe, daß mir in dieſer Zeit die Franzoſen meinen Rückweg angebahnt haben werden.“—
In den Morgenſtunden des folgenden Tages machte Freiwald mit der Familie Winterfeld eine kurze Wanderung am untern Elbufer, wo ſich eine der ſchönſten Anſichten der Stadt und der jetzt zer⸗ riſſenen Bogenreihe der prächtigen Brücke darbot. Neugierige Volksgruppen hatten ſich überall am jen⸗ ſeitigen Ufer verſammelt, wo an verſchiedenen Puncten Geſchütze von den zurückgebliebenen Franzoſen auf⸗ geführt und gegen die Neuſtadt gerüſtet waren. Die Zugänge waren noch von ſächſiſchen Schützen bewacht, um einen Ueberfall der Koſacken und der in der Nähe umherſchwärmenden preußiſchen Reiter abzuwehren. Landleute, die ihnen begegneten, wußten viel von den fremden Kriegern zu erzählen, die in den Dörfern hinter den Weinbergen und Waldhöhen erſchienen waren und ſie, ohne Rohheit zu begehen, gehindert hatten, Lebensmittel in die Stadt zu bringen.—
Die Wanderung fing jedoch an gefährlich zu werden. Flintenſchüſſe fielen von beiden Ufern, als ſich dicht vor der Stadt ein Koſackenpulk zeigte, der
im geſtreckten Galopp mit eingelegten Lanzen gegen
Schanzwerken feuerten.
Freiwald ging auf dem Rückwege kurze Zeit an Anna's Seite, die ſich in ſeiner Nähe ganz ſicher fühlte.„Ich glaube,“ ſagte ſie mit unterdrückter
Stimme,„die Ereigniſſe werden ſich ſo ſchnell drängen,
daß Heinrich auf längere Zeit es unmöglich finden wird, ſeinen Vorſatz auszuführen. Ich will ſeine Gründe nicht ganz verdammen, aber ich hoffe zu Gott, daß ihn ſehr bald ein Ereigniß überraſchen wird, welches ihn ſeiner Verpflichtung entbindet, ohne ſeine Ehre zu beeinträchtigen.“
„O, glauben Sie mir, Fräulein Anna,“ erwiderte Freiwald,„Ihr Bruder wird ſich ſtandhaft erweiſen bis zum allerletzten Augenblick. Ich kenne ſeine An⸗ ſichten von militäriſcher Ehre, ſeine Entſchloſſenheit und ſeinen unbeugſamen Sinn. Aber unter allen bevorſtehenden Ereigniſſen kann ich mir nichts Schreck⸗ licheres denken, als wenn ich meinem Freunde, Ihrem Bruder, in feindlichen Reihen gegenüberſtehen ſollte. Der Gedanke ſchon erſchüttert zuweilen meinen Ent⸗ ſchluß.“
„Sie ſind alſo feſt entſchloſſen, die Waffen zu ergreifen?“ fragte Anna mit bewegter Stimme.
„Ja, theuerſte Anna. Und würden Sie mich
achten können, würde ich ferner Anſpruch machen
dürfen auf Ihre Freundſchaft, wenn ich feig oder theilnahmslos zurückbliebe in der Stunde, wo die Zu⸗ kunft des Vaterlandes entſchieden werden muß? Nein,
und ſollte es mir beſtimmt ſein, daß eine feindliche
Kugel mir die Hand lähmte, der ich die ſchönſten Freuden meines Lebens verdanke und die, wenn ich nicht zu kühnen Hoffnungen Raum gebe, meinen Namen auch auf die Nachwelt bringen ſoll, ich werde dem heiligen Rufe des Vaterlandes folgen.“
Er hatte im Feuer ſeiner Gefühle die Hand. des—
ſchönen Mädchens gefaßt, und ein leiſer Gegendruck ſagte ihm, daß ſie mit ihm fühle; aber ein Seufzer entſtieg ihrer Bruſt bei dem Gedanken an die Ge⸗ fahren, deren Bild er ſelbſt vor ihren Augen entrollt hatte.
„Herr Freiwald,“ ſagte jetzt Winterfeld, der ihnen in kurzer Entfernung gefolgt war,„ich denke, es muß Ihnen ſehr ſchmerzlich ſein, wenn Sie ſich denken, daß dieſe reizende Gegend, von der Sie neulich das ſchöne Bild ausgeſtellt haben, vielleicht bald ein Raub der Verwüſtung werden ſoll. Ich glaube, Sie thäten beſſer, wenn Sie ſich der Porträtmalerei widmeten. Anna's Bild, womit Sie uns im vorigen Jahre ſo ſehr erfreuten, iſt Ihnen doch vortrefflich gelungen.“
„Aber auch da hat Freiwald den Landſchafts⸗ maler nicht verleugnet,“ ſagte Heinrich, der mit ſeiner
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