Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
706
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706. Novellen⸗

fuhren in ſchnellem Trabe heran, protzten ab auf den großen Plätzen und richteten drohend ihre ſchwarzen Schlünde dahin, wo das Volk ſich am dichteſten ge⸗ ſchaart hatte. Nur ſelten vermag der deutſche Bürger ſolchen Argumenten zu widerſtehen. Das eben noch wie Meeresbrauſen durch die Straßen fluthende Volk verlor ſich ſcheu in die Häuſer. Bald zogen ſich auch die Wenigen, die noch in einzelnen Gruppen an den Ecken von Kirchen oder auf den Stufen öffentlicher Gebäude umherſtanden, um den Erfolg der drohenden Demonſtrationen abzuwarten, in ihre Wohnungen zurück, als ſchnell angeheftete Placate jeden Bürger mit dem Tode bedroheten, der ſich nach Eintritt der Nacht ohne Legitimation auf den Straßen zeigen würde.

Unter dem Schutz einiger an der Elbbrücke auf⸗ geſtellter Geſchütze wurden die in den Pfeilern ange⸗ legten Minengänge mit den zum Sprengen angefüll⸗ ten Pulverſäcken gefüllt, während die Beſatzung auf den Plätzen lagerte. So verging die Nacht ohne weitere Störung; doch ſchwer mochte zu ſagen ſein, wie manches treues Bürgerauge während derſelben ungeſchloſſen blieb, wie viele Herzen bangend dem kommenden Morgen entgegenſchlugen. Die innere Aufregung war um ſo größer geworden, als ſchon am Abend dunkele Gerüchte in der Königsſtadt umliefen, daß einzelne Abtheilungen der Verbündeten auf den Höhen der Bautzner Straße ſich gezeigt hatten.

Endlich dämmerte der Morgen des verhängniß⸗ vollen achtzehnten März heran. Es dauerte lange, ehe vom vollen Strahl der mit dem dichten Frühnebel kämpfenden Sonne das prächtige Elbthal, noch länger, bis endlich auch die Berggeländer umher deutlich er⸗ kenntlich wurden. Doch um ſo lebhafter malte ſich auch die Freude auf den Geſichtern der guten Dresoner, als ſie von drüben einige Pulks ruſſiſcher Steppen⸗ föhne auf kleinen ſchnellfüßigen Roſſen und die Vorhut der Prenßen, die begeiſtert von ihres Königs Ruf üͤberall als die erſten auf dem Kampfplatz erſchienen, gegen die Elbufer herabziehen ſahen.

Wäͤhrend deſſen gingen in der frühen Morgenſtunde zwei junge Männer raſchen Schrittes der Elbbrücke zu, um den jenſeitigen Stadttheil noch zu erreichen, ehe die angekündigten verhängnißvollen drei Kanonen⸗ ſchüſſe gefallen waren. Kaum hatten ſie die katholi⸗ ſche Kirche erreicht, als die Geſchützſalven krachten. Alle, die in den Straßen verſammelt waren, eilten, einem am Morgen ausgegebenen Befehle Folge gebend, in ihre Häuſer. Die beiden jungen Männer ſtellten ſich hinter eine der vorſpringenden Kirchenſäulen, und als eben der letzte Schuß gefallen war, bedeckte eine dunkele Rauchwolke die Brücke. Sofort ſtieg ein

Zeitung.

weißer Strahl über dem Schwibbogen empor, dann fuhren Flammen aus den Fugen der geöffneten Pfei⸗ ler, und es ſtürzten zwei Bogen, unter weit hörbarer Erſchütterung, mit furchtbarem Ziſchen in den Strom. Eine unheimliche Stille folgte der ſchrecklichen Explo⸗ ſion. Man hörte nur die fernen Trommeln und die Kriegsmuſik der abziehenden franzöſiſchen Heerhaufen und das Geräuſch der Geſchütze, die eileuds durch die Straßen fuhren.

Die fatale Zögerung! Hätten wir uns doch nur um einige Minuten beeilt! ſagte einer der jungen Männer, eine ſchöne ſchlanke Geſtalt, deſſen regelmäßige Geſichtszüge durch ein glänzendes Auge belebt wurden. Wie beſorgt wird man jetzt drüben für Dich im elter⸗ lichen Hauſe ſein! Aber es ſchien auch Deiner Mutter daran gelegen, den Brief noch vor der Trennung beider Stadttheile ſicher auf der Poſt zu wiſſen.

Lieber Freiwald, entgegnete der Andere, der einige Jahre älter zu ſein ſchien, ein kräftiger Mann, deſſen Geſicht Entſchloſſenheit und Muth verkündete und der ſich unbehaglich in der bürgerlichen Kleidung zu fühlen ſchien, deren er ſchon längere Jahre ent⸗ wöhnt war,meine Eltern und Anna werden nicht daran zweifeln, daß wir auch ohne Brücke das jenſei⸗ tige Ufer zu erreichen verſtehen. Laß uns an der Elbe hinaufgehen, es wird ſich ſchon ein Fiſcherboot irgendwo auftreiben laſſen. Ruſſen und Preußen ſind noch nicht zahlreich am Ufer drüben, wenn ſich auch einige Koſacken und preußiſche Reiter auf den Höhen gezeigt haben.

Während ſie die noch ziemlich öden Straßen durchſchritten, um nach dem Ufer zu gehen, überholte ſie ein ihnen nicht ganz unbekannter Herr aus der Neuſtadt, der in gleicher Verlegenheit war. Seiner Meinung nach war die Sache, in einem Kahne über⸗ zufahren, nicht ohne Gefahr, und da er im Begriff ſtand, ſich eine Erlaubnißkarte von dem Officier zu holen, der einen nicht weit abſtehenden Wachtpoſten befehligte, übernahm er es bereitwillig, ſeine Vermit⸗ telung für ſie eintreten zu laſſen. Sie begleiteten den Mann, dem es nicht ohne Schwierigkeiten gelang, nächſt ſich ſelbſt, auch ſeine Gefährten als Einwohner von Neuſtadt⸗Dresden zu legitimiren. Sie erhielten den Paſſagierſchein und beſtiegen einen Fiſcherkahn, der ſie ſchnell über den vereinſamten Strom führte. Freiwald, der nur durch eine Straße von der Wohnung des Freundes getrennt war, begleitete dieſen in das elterliche Haus.

O, welche Angſt wir gehabt haben! rief Anna, die ihuen freudig entgegentrat.Von Dir, Heinrich, habe ich jede tollkühne Verwegenheit erwartet; aber

Sie, Herr Freiwald, hätten den unbeſonnenen Men⸗

wenigen Tag tier; ſe wer fangf widd mit doch H bezwingen. Liebe

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Schwerte mich nicht kämpfe, Sollte mir zu Theil! ſo würde doch unter werden. Ränri kundigten Hert v. P Geſinnun Vaterland nicht nach witkte.(