Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
698
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Novellen⸗

Populariſirung wiſſenſchaftlicher oder gelehrt ſein ſol⸗ lender Materien hinſtellen will, daß die Wahrſagerei aus den Falten der Hand in einerungläubigen Zeit wie die neue wieder gehegt iſt, beweiſt nicht ſowohl etwas für als gegen ihre haltbare Grundlage, denn es iſt gerade das Abſurdeſte, wozu der Nihilismus einer halbgebildeten Ariſtokratie und Geldbourgoiſie am liebſten greift. Die Lage der Muskelballen, die Aus⸗ bildung der Muskeln und die Arbeit des Lebens hat an den Linien der Handfläche großen Antheil. Es führt zu großen Albernheiten, der unwiſſenden Leſer⸗ menge hierüber mittelalterliche Begriffe zu lehren.

Zeitung.

Viel mehr Haltbares iſt dagegen an der Bucco⸗ mantie, denn nächſt dem Auge ſpielt der Mund wohl in der Phyſiognomik die bedeutendſte Rolle. Ueber dieſen Gegenſtand bringt das Büchelchen eine recht les⸗ bare Zuſammenſtellung, die manchen Laien anregen und veranlaſſen wird, den Mund ſeiner geehrten Ehehälfte mit weniger erfreuten Stimmungen anzuſeben, als er bisher that. Es iſt dabei zu bemerken, daß ein großer Mund oft weniger bedenklich iſt, als ein kleiner, den man zwar, wie die Lyriker ſagen, mit einer Kirſche bedecken, aber dadurch nicht zum Schweigen der Sanftmuth bringen kann.

Feuil

leton.

Die Menſchenühnlichkeit des grauen Papagei.

Ueber dieſen merkwürdigen Vogel bringt der verdienſtliche Brohm eine umfaſſende Schilderung, der unvergleichliche Ein⸗ zelheiten enthält und der wir hier einige der aufallendſten Charakterzüge entnehmen.

Schon Le Vaillant erzählt ſehr ausführlich von einem dieſer Papageien, welcher in der Gefangenſchaft eines Kauf⸗ manns in Amſterdam lebte, und rühmt die guten Eigenſchaften des Vogels.Karl, ſo hieß dieſer Papagei, ſprach faſt ſo gut wie Cicero; denn ich würde einen ganzen Band mit den ſchönen Redensarten anfüllen können, welche er hören ließ und welche er mir, ohne eine Silbe zu vergeſſen, wiederholte. Dem Befehle gehorſam, brachte er die Nachtmütze und die Pantoffeln ſeines Herrn und rief die Magd herbei, wenn man ſie im Zimmer brauchte. Sein bevorzugter Aufent⸗ halt war der Kaufladen, und hier erwies er ſich nützlich; denn er ſchrie, wenn in Abweſenheit ſeines Herrn ein Fremder eintrat, ſo lange, bis Jemand herbeikam. Er hatte ein vor⸗ treffliches Gedächtniß und lernte ganze Sätze und Redens⸗ arten des Holländiſchen vollkommen genau. Erſt im ſech⸗ zigſten Jahre ſeiner Gefangenſchaft wurde ſein Gedächtniß ſchwach und er vergaß täglich einen Theil von Dem, was er ſchon konnte. Er wiederholte nie mehr als die Hälfte einer Redensart, indem er ſelbſt die Worte verſetzte, oder die eines Satzes mit denen eines andern miſchte.

Le Vaillaat hat mit Vorſtehendem keineswegs eine erſchöpfende Beſchreibung unſeres Vogels gegeben. Nach ihm haben Viele über den Papagei berichtet und mehr oder minder wichtige Beobachtungen gemacht. Aus ihnen geht zur Genüge hervor, daß faſt alle Gefangenen im weſentlichen dieſelben Eigenſchaften beſitzen. Doch giebt es unter ihnen Ausgezeichnete, und ein ſolcher, vielleicht der ausgezeichnetſte aller Papageien überhaupt, lebte Jahrelang in Wien und Salzburg und fand zum Glück treue und fleißige Beobachter. Lenz hat vollkommen Recht, wenn er ſagt, daß vielleicht niemals, ſeit Vögel auf Erden leben, ein Papagei oder ſonſt ein Vogel Höheres in Kunſt und Wiſſenſchaft geleiſtet habe, als gedachter Papagei, Jako zugenannt. Das Wunderthier

von einem Schiffscapitain zu Trieſt für 25 Gulden erkauft und kam im Jahre 1830 in den Beſitz des Domceremonia⸗ rius Hanikl. Dieſer gab ihm täglich Vormittags von neun bis zehn oder Abends von zehn bis elf regelrechten Unterricht, beſchäftigte ſich außerdem viel mit ihm und bewirkte ſo die hohe Ausbildung ſeiner geiſtigen Fähigkeiten. Nach Hanikl's Tode wurde der Papagei für 150 Gulden verkauft, im Jahre 1842 für 370 Gulden zum zweiten Male. Cin Freund meines verſtorbenen Vaters, der Graf Gourcy Droitaumont, war der Erſte, welcher im Jahre 1855 in Oken's Iſis einen Bericht über den Vogel gab, welcher überall Staunen erregte. Dieſen Bericht hat der letzte Beſitzer, Präſident von Klei⸗ mayrn, auf Wunſch unſeres Lenz vervollſtändigt, und ſo konnte dieſer das ihm Mitgetheilte zuſammenfaſſen, wie folgt:

Der Jako achtet auf Alles, was um ihn her vorgeht, weiß Alles zu beurtheilen, giebt auf Fragen die richtige Antwort, thut auf Befehl, was ihm geheißen wird, begrüßt Kommende, empfiehlt ſich Gehenden, ſagt nur frühGuten Morgen und nur AbendsGute Nacht, verlangt Futter, wenn er Hunger hat. Jedes Mitglied der Familie ruft er bei ſeinem Namen, und das Eine ſteht mehr bei ihm in Gunſt als das Andere. Will er mich(Kleimayrn) bei ſich haben, ſo ruft er: Papa, komm her! Was er ſpricht, ſingt und pfeift, trägt er ganz ſo vor wie ein Menſch. Zuweilen zeigt er ſich in Augenbiicken der Begeiſterung als Improviſator, und ſeine Rede klingt dann genau wie die eines Redners, den man von weitem hört, ohne ihn zu verſtehen.

Nun das Verzeichniß Deſſen, was der Jako ſpricht, ſingt, pfeift u. ſ. w.:Geiſtlicher Herr! guten Morgen! Geiſtlicher Herr! ich bitt um a Mandel.Magſt a Man⸗ del? Magſt a Nuß? Bekommſt ſchon was. Da haſt'was. Herr Hauptmann, grüß Gott, Herr Hauptmann.Frau Baumeiſterin, gehorſamer Diener.Bauer, Spitzbub, Spitzbub, Bauer, Wilddieb, gehſt weiter? gehſt weiter, gehſt nach Haus, gehſt nach Haus oder nicht? wart Du Kerl! Du Lump Du! Du Kerl, Du Abſcheulicher Du!Braver Paperl, guter Paperl!Du biſt a braves Buberl, gar n brav's Buberl!Bekommſt an Kukuruz, bekommſt ſchoa

wurde 1827 von dem k. k. Miniſterialrath Andreas Mechletar im Auftrage des Domcapitulars Joſef Marchner zu Salzburg

zwas.Nani! Nani!Herr Nachbar! Zeit laſſen! Herr Nachbar! Zeit laſſen! Wenn Jemand an der Thüre klopft,

Dir denn, titlSſt gehen, iom Dann ſch Gugu! Haus? hau Di angebrac

Puhl'

wenn f beuteln: macht ei ruft er Du Kerl Welt! lichkeit. Hörſt Wart decken ſ hört, ſo zum Ef zimmer an Kaka⸗