Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
697
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Jlauben, b zugeben Neußern Lharakter erzeichnet vürden diſe ſind der dar Komanten verbreiten Deefeen: der von Sicherheit ppfes die lüſſe auf Anlagen daß er erregte, te. Auch a mancher Charakter ezogen zu

ahlreichen d Gelehr⸗ war, kam ſches eben n beſtritt it großer deſaß, war oder doch en, da trat Profeſſor. ſcherblicken errſchenden er ſich zu er Behaup⸗ könne aus Neigungen Pvoftſor, hdie Guͤte verhelfen. nnen, wie ich Ihnen gt das Or⸗ ngelegt.

ht die Be⸗

iht der be⸗ en geſtehen Beweis lie⸗ 1 zu gehen.

Man kann Sammlungen der verſchiedenſten Artan⸗ legen, Sammlungen von Büchern, Autographen, In⸗ ſecten, Mineralien, Pflanzen, Münzen u. ſ. w. Ich aber will Ihnen nun auch noch ſagen, welcher Art die Sammlung des Herrn Profeſſors iſt. Sie gehört keiner der bisher genannten Gattungen an, ſondern es iſt eine Gemäldeſammlung.

Aller Blicke wendeten ſich auf den Profeſſor und dieſer beſtätigte dieſe neue Angabe Gall's ebenſo wie die frühere.

Staunen und Bewunderung malten ſich auf allen Geſichtern und Gall feierte einen wahren Triumph, denn auf den Unglauben war der Enthuſiasmus ge⸗ folgt. Nach einer kurzen Pauſe bat Gall um die Erlaubniß, noch einige Worte hinzufügen zu dürfen, und als ihm dieſe bereitwillig ertheilt worden war, ſagte er:

Was würden Sie wohl von meiner Lehre halten wenn ſie mich in den Stand ſetzte, auch noch die Gat tung der Gemälde zu bezeichnen, welcher der Herr Profeſſor ſeine Liebhaberei gewidmet hat? Ich ſ ag aber mit voller Zuverſicht, daß die Sammlung weder hiſtoriſche Gegenſtände, noch Portraits, noch Coſtüme noch Thier⸗, noch Blumenſtücke enthält, ſondern Landſchaften.

Aauch dies wurde beſtätigt. Gall hatte den glän⸗ zendſten Sieg errungen und das Vertrauen auf ſein Syſtem war von da ab unerſchütterlich befeſtigt.

Gewiß war Gall, von welchem der unbekannte Zuſammenſteller des obengenannten Buches dieſen ſehr dramatiſchen Fall erzählt, einer der geiſtvollſten Phre⸗ nologen und beſaß ſelbſt ein gutes Gehirn, welches leider den meiſten ſeiner modernen Nachfolger in reich⸗ lichem Maße mangelt.

Höͤchſt wunderlich werden nun aber die Specu⸗ lationen derjenigen Chiromantiker, die nicht ſowohl aus den Geſammtformen der Hand, als aus den Fal⸗ ten ihrer inneren Fläche auf Charakter und Lebens⸗ ſchickſale eines Menſchen ſchließen wollen. Das Bü⸗ chelchen ſagt unter Anderm zur Vertheidigung dieſes Themas:

Es kann zur Beſtätigung die heilige Schrift an⸗ geführt werden, wo es mit vollkommen deutlichen Worten heißt:Gott hat in die Hand aller Menſchen die Zeichen geſchrieben, damit jeder von ihnen ſein Schickſal erkennen könne(Hiob 37).

Auch Salomo, der weiſe König, ſagt:Die Länge dieſes Lebens iſt in ſeiner rechten Hand zu ſehen und die Linien ſeiner linken Hand verkünden Reichthum und Ruhm.

Endlich leſen wir in dem Prophet Jeſaias:Deine

Vierte Holge. 697

Die Aegypter, die Araber und die Zigeuner gaben ſich mit beſonderem Eifer der Kunſt hin, aus den Linien und Zeichen der Hand den Charakter des Menſchen, und aus deſſen Charakter ſeine Zukunft zu erforſchen, und viele der ausgezeichnetſten Gelehrten und Forſcher haben der Chiromantie entweder das Wort geredet, indem ſie ihr vollen Glauben ſchenkten, oder ſie konnten ſich doch des Glaubens an dieſelbe nicht ganz erwehren und die zahrreichen Belege ihrer Wirkſamkeit nicht unbedingt verwerfen.

So hat der Glaube an die Chiromantie ſich ſelbſt in unſern aufgeklärten, in mancher Beziehung ſogar an gar Nichts glaubenden Zeiten erhalten und der Spruch der Alchymiſten des ſechszehnten Jahrhunderts, als deren Haupt man Olaus Borichius betrachten kann:Unſere Hand hat Augen, zählt noch jetzt zahlreiche Anhänger.

Noch Ludwig XIV. ſchenkte ſeinem Leibarzte de la Chambre(geb. in Mons 1594, geſt. in Paris 1669) ein ſolches Vertrauen in der Eigenſchaft, die Fähig⸗ keiten der Menſchen aus dem Aeußeren derſelben zu erkennen, daß er auf deſſen Anſichten und Ausſprüche bei der Wahl der Perſonen zu vielen Aemtern das entſchiedenſte Vertrauen legte.

De la Chambre, welcher für ſeine Zeit ein ausge⸗ zeichneter Arzt war, ſtellte in ſeinen Schriften neuer⸗ dings die vor ihm ſchon vielfach gemachte Behauptung auf, daß man aus den Hautfalten in der Handfläche den Charakter des Menſchen erkennen könne, weil eben dieſe Faltenbildungen in inniger Beziehung zu dem innern Menſchen, dem Herzen, der Leber u. ſ. w. ſtehen.

In der allerneueſten Zeit hat auf dem Gebiete der Chiromantie ganz beſonders Mademoiſelle Lenor⸗ mand, die berühmte Pariſer Prophetin, ungeheures Aufſehen gemacht, und mehrere ihrer Prophezeihungen ſind wahrhaft wunderbar und waren wohl geeignet, den erloſchenen oder erſtorbenen Wunderglauben neu zu erwecken. Selbſt Napoleon konnte ſich demſelben nicht ganz entziehen, und es iſt hinlänglich bekannt, mit welcher überraſchenden und ſtaunenerregenden Ge⸗

nauigkeit die moderne Pythia ihm viele Hauptmomente ſeines Lebens vorausſagte.

Sieht man auch von der vielfach beſtrittenen Mög⸗ lichkeit ab, aus den Linien der Hand die Zukunft des Menſchen zu erforſchen, ſo geſtatten ſie doch jedenfalls, auf den Charakter deſſelben ebenſo zuverläſſige Schlüſſe zu ziehen, wie aus der Phyſiognomik und Phrenologie, und ſie darf daher als die vollkommen ebenbürtige Schweſter dieſer beiden Wiſſenſchaften bezeichnet werden. Solche Keckheiten ſollte Niemand ausſprechen, gleichviel, ob er ein Buch zu wirklicher Belehrung,

Hand verkündiget, daß Du lange leben wirſt.

oder eine ſogenannte blos verkäufliche dilettantiſche