Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
696
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696 Novellen⸗

In mir wallt mit heißem Triebe

Blut und Kraft, die Gott mir gab Auf dem Kreuz iſt meine Liebe, Unterm Kreuze iſt mein Grab.

Heißer glühte mein Herz.

Heißer glühte mein Herz

Ihm als Feuer und Tag, Andern ſchlägt es ſo heiß Nimmermehr, nimmermehr!

Nur mit ihm ganz allein Lebt' ich gern in der Welt; Ihm allein war mein Herz, Ihm mein Leben geweiht!

Welche Nacht, welcher Mond, Wenn ich wart' auf den Freund! Bleich und kalt ſteh' ich da

Und es zittert mein Herz.

Sieh, da kommt er und ſingt: Nun, wo biſt Du, Herzlieb? Und er reicht mir die Hand, Und er küßt mir den Mund!

Mein Geliebter, halt' ein! Mit dem Küſſen halt' ein! Ohne Kuß ſchon bei Dir Glüht genug mir das Blut,

Ohne Kuß ſchon bei Dir Färbt die Wange ſich roth, Und es wogt meine Bruſt Und es leuchtet mein Aug' Wie am Himmel die Stern'!

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Einblicke durch Fenſter, Thür und Dach in das Innere des Menſchen. Weimar, bei Voigt. 1866.

Ein drolliger Titel pflegt gewöhnlich auch ein drolliges Buch zu verrathen und ein ſolches ſehen Sie hier vor ſich. Wenn wir es in den Kreis unſerer Beſprechungen ziehen, ſo gilt dies nicht ſeiner Ab⸗ faſſung und Zuſammenſtellung, die bei weitem beſſer ſein könnte, ſondern dem feſſelnden Gegenſtande, an dem zwar weniger durchaus Haltbares iſt, als die

Zeitung.

Liebhaber des Myſteriöſen und Wunderbaren glauben, aber ſicherlich auch mehr, als die Zweifler zugeben möchten. Es iſt wahr, daß man aus dem Aeußern des Menſchen viele Schlüſſe auf ſeinen Charakter machen kann, aber wenn wir Diejenigen verzeichnet ſähen, welche die größten Kenner täuſchten, ſo würden wir über ihre Zahl ſtaunen. Glücklicherweiſe ſind dieſe Fehlgriffe und falſchen Prophezeihungen der Her⸗ ren Phyſiognomen, Phrenologen und Buccomanten nicht ſo intereſſant, als ihre Treffer, und verbreiten ſich deshalb wenig. Hier etwas von dieſen Treffern:

Gall hatte durch die zahlloſe Menge der von

ihm aufgeſtellten Beobachtungen eine ſolche Sicherheit

erlangt, nach der bloßen Anſicht eines Kopfes die Organe deſſelben zu erkennen und daraus Schlüſſe auf die verſchiedenartigen Nüancirungen in den Anlagen oder dem Charakter der Perſonen zu ziehen, daß er in den Salons nicht nur das größte Staunen erregte, ſondern zuweilen ſogar in Schrecken verſetzte. Auch war dies in der That leicht zu begreifen, da mancher Heuchler fürchten mußte, ſeinen wahren Charakter durch dieſen Wundermann an das Licht gezogen zu ſehen.

Eines Abens befand ſich Gall in einer zahlreichen Geſellſchaft von Weltleuten, Philoſophen und Gelehr⸗ ten. Wie gewöhnlich, wenn Gall zugegen war, kam das Geſpräch bald auf ſein Syſtem, welches eben damals allgemeines Aufſehen machte. Man beſtritt die Angaben und Behauptungen Gall's mit großer Lebhaftigkeit; da er keine große Rednergabe beſaß, war er nahe daran, von ſeinen Gegnern beſiegt oder doch wenigſtens zum Schweigen gebracht zu werden, da trat ein Fremder in die Geſellſchaft, ein deutſcher Profeſſor. Gall betrachtete ihn mit aufmerkſamen Forſcherblicken und ein Augenblick genügte ihm, ſeine vorherrſchenden Organe zu erkennen. Darauf wendete er ſich zu denen, welche er von der Wahrheit ſeiner Behaup⸗ tungen zu überzeugen geſtrebt hatte: Er könne aus der bloßen Beſichtigung eines Kopfes die Neigungen des Individuums erkennen.Der Herr Profeſſor, ſagte er zu ſeinen Gegnern,wird hoffentlich die Güte haben, mir zum Beweiſe meines Satzes zu verhelfen. Ich habe ſo wenig die Ehre, ihn zu kennen, wie von ihm gekannt zu werden; dennoch kann ich Ihnen ſeine herrſchende Neigung nennen: Er beſitzt das Or⸗ gan der Sammlungen und hat ſich eine angelegt.

Der Fremde beſtätigte ſehr überraſcht die Be⸗ hauptung Gall's.

Ich könnte dabei ſtehen bleiben, fuhr der be⸗ rühmte Phrenolog fort,und Sie würden geſtehen müſſen, daß ich bereits einen genügenden Beweis lie⸗

ferte; allein ich zögere nicht, noch weiter zu gehen.

Geſichtet denn au folgt. Erlaubni und als ſagte er: wenn ſi tung d Profeſſe aber m hiſtoriſ noch T. Landſch A zendſte Syſtem Ge Zuſamu dramat nologer leider d lichem

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