Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
695
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Politi

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wie er die Nachwirkung ſeines faux pas paraliſiren könne.

Ich habe eine Unbeſonnenheit begangen, ſagte er, ſobald als er nach der Abweiſung der Baroneſſe ſprechen zu dürfen glaubte; um indeß Ihre Verzei⸗ hung dafür zu gewinnen, gnädige Frau, muß ich Ihnen ſagen, daß der Muth zu meinem unſeligen Schritte mir aus dem Hofklatſch kam, dem ich diesmal mehr Werth beigelegt, als er verdient undals ich ſonſt thue.

Die Frau war zuſammengezuckt.

So ſprach man unter Anderm über Sie, daß ein alternder Franzoſe ſich nicht ſcheute, Sie mit ſeinen Anträgen zu verfolgen.

Schändlich! rief ſie halblaut,es iſt eine

Weiter kam ſie nicht. Chetardie hatte ſie um eine Ecke geführt, die von den hohen Hecken gebildet wurde; dicht vor ihr, unter einem hohen Amor, ſtand eine Bank und auf dieſer ſaß die Prinzeſſin Eliſabeth, die ſich ſoeben niederbeugte, um dem vor ihr knieenden Melartin den Mund auf die Stirne zu drücken, dann aber ſammt dem Schweden wie von einer Schlange gebiſſen auffuhr und, kaum daß ſie ihr über und über erglühendes Antlitz auf Chetardie und ſeine Geſellſchafterin geworfen, davoneilte. Melartin ſtand wie verſteinert. Chetardie fühlte, wie die Baroneſſe au ſeinem Arme wankte.

Mon Dieu, Baron! Wie häßlich, daß wir gerade in dieſem Augenblicke erſcheinen mußten! rief er und wußte ſeiner Stimme und Geberde den treuen Ausdruck der Ueberraſchung aufzulegen.

Das ermunterte den Schweden; er wendete ſich mit einer haſtigen, kurzen Verbeugung und flog den Gang hinab, welchen das Paar ſoeben verlaſſen. Auch die Baronin hatte ſich jetzt erholt. Sie war noch bleicher, als zuvor.

Sie ſind erſchreckt, Madame!

In der That laſſen Sie uns zurückkehren, Herr Marquis zuvor aber noch das Bedauern ausſprechen, das ich empfinde, dieſe Promenade unter⸗ nommen zu haben.

Chetardie folgte dem Wunſche, und als er die Dame wieder an ibren Platz geführt und ſich von ihr verabſchiedet hatte, murmelte er:

Niederlage und Sieg in einem Athem wahrhaftig, ich weiß nicht, ob ich weinen oder mich freuen ſoll!

Als der franzöſiſche Geſandte am folgenden Morgen im Begriff war, ſich bei der Prinzeſſin Eli⸗ ſabeth melden zu laſſen, kam ihm der Baron von Melartin entgegen.

Ah, Excellenz! rief er und ſein Antlitz zeigte eine lächelnde Niedergeſchlagenheit,es iſt glücklich,

Vierte Folge. 695

daß ich Sie treffe, um Ihnen noch Lebewohl ſagen zu können. Ic gehe in einer halben Stunde mit Depeſchen nach Stockholm.

Aber doch nur, Baron, um bald wiederzukehren. Ich begreife deshalb Ihre Feierlichkeit nicht.

Melartin ſchüttelte den Kopf.

Ich werde ſelbſt darum bitten, mich anderwärts zu placiren, denn hier, Excellenz

Nun, fürwahr, Baron, wenn man ſo ſchöne Beſchützerinnen hat

Die mir doch die Thüren verſchließen, ſo thut man beſſer daran, nie wieder anzupochen, fiel ermit einem Seufzer ein und eilte mit kurzem Abſchiede davon.

Armer Burſche, ſagte der Marquis ihm nach⸗ blickentröſte Dich mit mir! Es ſcheint, Dein kleines Herz iſt zum Opfer gefallen und wir Beide ſind um einen Traum ärmer geworden; wir zahlten mit ihm für einen politiſchen Kuß.

Am 4. Auguſt 1741 überreichte der Baron von Nolken die ſchwediſche Kriegserklärung und verließ noch an demſelben Tage den Zarenhof.

Gedichte von Friedrich Bodenſtedt.*)

Der letzte Kampf.

Dunkel war die Welt umhangen, Stürme heulten, Donner hallt' Ueber mich kam Schreck und Bangen Und mein zitternd Herz ward kalt.

Doch ich ſcheuchte Schreck und Bangen, Neugeſtählt ward Stolz und Muth, In der Seele blieb Verlangen,

Kraft im Leib, im Herzen Gluth.

Wo Verderben muß auch Heil ſein, Nimmer will ich muthlos ſchaun, Moͤge was da will mein Theil ſein, Auf Dich, Herr, ſteht mein Vertraun!

Feſten Glaubens an Dich leb' ich, Laſſe keinen Zweifel zu,

Feſten Glaubens denk' ich, ſtreb' ich, Er giebt Frieden mir und Ruh.

Schickſal, dräu' mit Unglück nimmer, Nimmer rufe mich zum Streit Starken Muths im Glauben immer Find'ſt Du mich zum Kampf bereit! *) Aus Friedrich Bodenſtedt's geſammelte Schriften. Berlin,

1866 Verlag der königlichen Geheimen Ober⸗Hofbuchdeuckerei (R. v. Decker). 1