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an die Unſicherheit ſeines Calculs zu denken. Allein was er nicht dachte und denken wollte, mußte er fühlen, inſtinctiv wahrnehmen, und um ſeinen Zweifel, ſeine Unruhe zu zerſtreuen, wollte er wenigſtens einen Verſuch machen!, ſich über ſeine Hoffnungen aufzu⸗ klären.
„Gnädige Frau,“ ſagte er deshalb,„ich muß dem zuvor kommen, daß Sie mir den Vorwurf machen, die Pflicht des Cavaliers, Sie zu unterhalten, verab⸗ ſäumt zu haben, ich muß es ſelbſt geſtehen und das lange Schweigen brechen. Aber verzeihen Sie mir— mein Herz iſt ſo voll, ſo ſtürmiſch noch in dieſem Augenblicke, daß ich doch wohl kaum den rechten Ton gefunden haben würde.“
„Nun, Herr Marquis,“ ſagte die Baroneſſe und man hörte ihr an, daß es ihr ſelbſt wohl thue, die lange Stille gebrochen zu ſehen,„ich habe noch nie⸗ mals bemerkt, daß Sie im Tone gefehlt und bin recht begierig darauf, wie Sie ſich in einem ſolchen Falle benehmen.“
Zeitung.
„Gnädigſte Baroneſſe—“
„Wohlverſtanden aber: Wahrheit und Politik weiß ich zu ſcheiden.“
„Baroneſſe!“ Und Chetardie ſtand ſtill und machte eine Bewegung, als wolle er das Knie beugen —„Sie machen mich ſo kühn! Sie ſind ſo freundlich gegen mich, daß ich wahrlich den Muth habe, Ihnen zu ſagen,— wie— wie ich Sie liebe, Baroneſſe, wie ich Sie anbete— ol und—“
Darauf mochte die ſchöne Dame doch nicht gefaßt geweſen ſein; ſie hatte vielleicht etwas Aehnliches er⸗ wartet, ſie hatte wohl, ſeit der Erbprinz von Hom⸗ burg an jenem Abende ſo neckiſch geredet, geglaubt, daß Chetardie eine ſtille Liebe haben möge und war mit natürlicher Wißbegier und vermöge des Gefühls, welches uns für das Vertrauen Anderer ſo empfänglich macht, dem Marquis entgegengekommen, aber daß er ſie mit einer ziemlich rückſichtsloſen Liebeserklärung überfallen werde, das machte ſie ſtutzig und ließ ſie einige Augenblicke in ſchweigendem Erſtaunen auf den Mann vor ihr blicken. Chetardie hatte ſich be⸗
„Das würde mir freilich nicht gar ſo ſchwer ankommen, Ihnen jetzt eine Probe zu geben, allein ich fürchte—“
„Herr Marquis, wenn Frankreich zu fürchten beginnt, muß Schweden bereits ruinirt ſein; da ich aber ſehr wohl weiß, daß dies nicht der Fall iſt, ſo glaube ich es nicht, daß Sie Furcht haben.“
„Und Sie würden ja ohne dies Bewußtſein meinem Worte nicht geglaubt haben— ich bin Di— plomat— wer darf einem ſolchen glauben?“
„O doch; denn als Weib ſcheide ich— vielleicht unwillkürlich— Wahrheit und— und—“
„Sagen Sie nur heraus, Baroneſſe, Lügen!“
„Nein, Politik wollte ich ſagen.“
„Und jetzt, gnädige Frau, meinen Sie, die Politik habe geſprochen?“.
„Zum Theil; aber ich glaube Ihnen auch, daß Sie die Wahrheit ſagten, als Sie von Ihrem Herzen redeten.“
„Sie glaubten—
„Ja, ich glaubte und Sie würden mich ver⸗ binden, wenn Sie mich einmal wiſſen laſſen wollten, was ein Diplomatenherz bewegen könne.“
„Sie wüßten es noch nicht?“
„Wie ſollte ich? Mein Gemahl iſt— ich ſage es mit Gefallen— mehr Menſch als Diplomat.“
„Und mich halten Sie für einen Unmenſchen? — Ah, ich danke Ihnen, gnädige Frau, ich danke
Ihnen. Haha!“
und—
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„Nun ſchön ſo; wenn ich aber bitten dürfte,
Excellenz, möchten Sie Ihr Herz nicht ausſchütten?“
rauſcht. Er hatte ihre zuvorkommende Anregung miß⸗
verſtanden, er hatte auf einmal das Reſultat ſeines
ganzen vorherigen Schweigens vergeſſen— und ihr Stilleſein nach dem großen Wurf ſchien ihn noch mehr aufzumuntern.
„Emilie““ rief er,„o, man hatte Recht, Sie
ſind eine Zauberin, ja, Sie haben auch mich be⸗ zaubert und da kniee ich vor Ihnen und flehe— ſeien Sie die Meine— und laſſen Sie mich fortan in einem Paradieſe ſchwelgen, wie Sie es zu er⸗ ſchließen vermögen— Emilie!“— „Herr von Chetardie!“ richtete ſich Frau von Nolken jetzt hoch und ſtolz auf—„wenn ich Ihnen geſtattete, mir von Ihren Gefühlen zu ſprechen, ſo geſchah es nur, weil ich nimmermehr glauben konnte, daß Sie einer ſolchen Thorheit fähig ſeien, und Sie erhielten nicht zugleich das Recht, ſich mir in dieſer Weiſe, mit ſolcher Anrede zu nähern.“
Der Marquis war aufgefahren. Er wachte plötzlich und zwar ſehr unangenehm aus ſeinem Rauſche auf. Die Baroneſſe ſchwieg, aber der Ton, in welchem ſie geſchloſſen, ließ nicht wohl eine weitere Erörterung zu, denn in ihm lag ein Gebot des Schweigens auch für Chetardie. Indeß war dieſe Dame kein naiv⸗ ſchüchternes Kind, das aus Furcht vor weiteren Reden das Weite geſucht hätte; das Hofleben hatte ſie auch gelehrt, derartige Fälle nicht durch Ignoranz zu tödten; ſie nahm ſchweigend den Arm des Fran⸗ zoſen und forderte ibn auf, ſie weiter zu führen. Der aus der Rolle gefallene Diplomat ſah ein, daß er einen recht ſchlechten Streich gemacht und überlegte,
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