684 Novellen⸗Jeitung.
anderen Worten, Mittaglsinien zu ziehen und Sonnen⸗ uhren zu conſtruiren.
Die Eintheilung der Nacht war nun ſchwieriger, ſie verlangte rein mechaniſche Hülfsmitiel, alſo Herſtellung von möglichſt gleichförmigen Bewegungen. Als ſolche wandte man zuerſt eine Wirkung der Schwere an, nämlich den Ausfluß von Waſſer oder feinem Sande aus fortwährend neugefüllten Gefäßen von enger Ausflußöffnung.
Dieſe Uhren ſcheinen in Babylon und vielleicht auch in China ſchon früh, ſogar zu aſtronomiſchen Meſſungen ange⸗ wandt worden zu ſein; wenigſtens iſt die Genauigkeit der Zeit⸗ angaben, mit denen uns die von den Chaldäern auf den Thür⸗ men von Babylon angeſtellten Mondbeobachtungen überliefert worden ſind, nicht denkbar ohne ſolche mechaniſche Vorrichtun⸗ gen, die man von Sonnenuntergang bis zum Aufgange unter⸗ hielt und welche die Genauigkeit eines Beobachtungsmomentes etwa auf eine Viertelſtunde verbürgt zu haben ſcheinen.
Dieſe Waſſeruhren, die beſonders kürzere Intervalle recht gut ausmaßen, wurden ſpäter in dem Mittelpuncte der griechiſchen Aſtronomie, in Alexandria, vervollkommnet und blieben neben den Sonnenuhren das wichtigſte Mittel der Tageseintheilung.—
In Rom wurden ſie in einfachſter Form unter Anderm auch benutzt, um die Beredtſamkeit der Sachwalter vor Gericht zu zügeln. Man ſtellte eine Waſſeruhr neben ſie, deren Ausfluß ihnen das Ende der Geduld der Hörer markirte. Dieſe Apparate gingen auch in das Mittelalter über.
Waſſer- und Sanduhren und auch wohl brennende Kerzen gaben in den Klöſtern Tages⸗ und Nachtzeiten an. Beſonders aber erlangten die Waſſer⸗ und Sonnenuhren bei den Arabern eine große Feinheit der Einrichtung.
Für den Norden Europa's war auf die Dauer weder Sonne noch Waſſer ein verläßliches Mittel der Tages⸗ eintheilung.
Im ſonnigen Süden, unter ſtets heiterem Himmel und bei beſtändiger Wärme, verſagten ſie allerdings nur ſelten den Dienſt. Im rauhen Norden, wo oft wochenlang die Sonne, von Wolken umhüllt, keine Schatten wirft, wo Monate lang die Flüſſigkeiten erſtarren, oder wenn man ſie künſtlich erwärmen ſoll, neue mechaniſche Schwierigkeiten erregen, mußte man allmälig anfangen, nach anderen Mitteln zu ſuchen. 3
So entſtanden etwa im 12. Jahrhundert die Gewicht⸗ uhren(ungenau Räderuhren genannt, denn auch die arabi⸗ ſchen Waſſeruhren hatten Räderwerke). Wickelt man einen Faden, an dem ein Gewicht hängt, über eine bewegliche Rolle, ſo wird die Schwere, die das Gewicht herabzieht, die Rolle drehen, und dieſe Drehungen kann man durch Widerſtand verlangſamen und durch Räderwerke ſo zur Zählung bringen, daß das Herabſinken des Gewichtes, welches bei conſtanter Schwere und einer gewiſſen Form des Widerſtandes gleich⸗ förmig vor ſich geht, in der That ein rohes Zeitmaß abgiebt.
Dieſe Gewicht⸗ Uhren verſuchte zuerſt der berühmte Patricier Bernhard Walter in Nürnberg, dann der Landgraf Wilhelm von Heſſen und endlich Tycho von Brahe durch aſtronomiſche Beobachtungen zu controliren und dann zu aſtronomiſchen Meſſungen zu verwenden; aber ihre geringe Genauigkeit zeigte ſich bald. Es fehlte ihnen ein regulirendes Princip, welches z. B. bei den feinſten Waſſeruhren die Erhaltung einer beſtändigen Druckhöhe des Waſſers geweſen
war.
Inzwiſchen war noch eine andere Kraftquelle zur Zeit⸗
meſſung in Anwendung gekommen.
Die Entdeckung der neuen Seewege und der neuen Länder verlangten auf's Dringendſte ein Mittel, um zur See die Zeit für längere oder kürzere Intervalle meſſen zu können.
Um zu wiſſen, unter welchem Meridian man ſich auf der See befand, mußte man ein Juſtrument haben, welches die Zeit des Abfahrts⸗Hafens unverändert bewahrte, damit die Vergleichung der eignen Schiffszeit, welche man durch die Meſſung der Sonnenhöhe erlangte, mit der Zeit des fernen Hafens die öſtliche oder weſtliche Länge des Schiffes, alſo in Verbindung mit der Breite ſeinen Ort auf der Karte angebe. Für dies Bedürfniß waren die Gewichtsuhren auf dem ſchwankenden Schiffe nicht tauglich.
Nun hatte man in Nürnberg, dem Mittelpuncte der wiſſenſchaftlichen Induſtrie, tragbare Apparate conſtruirt, bei denen die Wirkung der Schwere wegfiel, in denen vielmehr durch die Elaſticität einer auf eine Spindel aufgewundenen metalliſchen Feder, die ſich allmälig abzurollen ſtrebte, ein kleines Räderwerk in einer Kapſel getrieben wurde.
Aber auch dieſe Apparate zeigten keine genügend gleich⸗ förmige Wirkung der abrollenden Kraſt und des Widerſtandes, wenngleich für das bürgerliche Leben dadurch ein gefeierter Fortſchritt erreicht wurde.
Endlich, als das Bedürfniß der Schifffahrt immer dringender wurde, gelang es dem großen holländiſchen
Aſtronomen Huyghens um 1650, das regulirende Princip für
die Gewichtuhren und für die Federuhren herzuſtellen.
Alle längere Zeit hindurch fortſchreitenden Bewegungen bedingten im Fortſchreiten ſelbſt Veränderungen der wirkenden Kräfte, welche die Gleichförmigkeit ſtörten. Alſo in ſich wiederkehrende Bewegungen von kurzer Periode, Drehungen und Schwingungen mußte man auch hier ſuchen, um ſich den
Bedingungen der Gleichförmigkeit zu nähern.
Eine ſolche Bewegung erzeugte die Schwere beim Pendel, erzeugte die Elaſticität bei der zuſammengedrückten Spiral⸗
feder. So wurde das Pendel, deſſen Geſetze Galilei eben
ergründet hatte, das regulirende Princip der Gewichtuhren, die Spiralfeder der Spindeluhren.
Und die früheren Haupteinrichtungen: Gewichtrolle und Spindel, wurden jetzt nur Nebeneinrichtungen, um für die regulirenden Schwingungen durch ſtets erneuten Druck die Kraftverluſte der Reibung zu erſetzen, welche das Pendel und die Spiralfeder ſonſt bald zur Ruhe bringen würden.
Durch Pendel und Spiralfeder hat denn jetzt die Zeit⸗ eintheilung für das bürgerliche Leben einen Grad von Genauigkeit erreicht, welcher dieſem vollſtändig genügt. 6.
Der Marquis de Boiſſy.
Am 26. Sept. c. ſtarb Mary⸗le⸗Roi, der Marquis de Boiſſy, der als das enfant terrible des franzöſiſchen Senats in ganz Europa bekannt war, in Folge einer Krankheit, die ſchon ſeit einiger Zeit jede Hoffnung auf ſeine Wiederher⸗ ſtellung hatte verſchwinden laſſen.
Hilaire⸗Etienne⸗Octave Bouillé, Marquis de Boiſſy, wurde am 4. März 1798 in Paris geboren. Er gehörte einer alten Familie an, die in der Bretagne zu Hauſe war, und deren Mitglieder in frühern Zeiten wichtige Stellungen in den Parlamenten, den höchſten Gerichtshöfen des Landes, wie auch am Hofe bekleideten. Nachdem er ſeine Erziehung voll⸗ endet hatte, widmete er ſich, als der Sohn eines ſehr reichen
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