Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
682
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682 Novellen⸗

noch wenigſtens 1700 Jahre auf eine ungeminderte Ausbeute rechnen. Das wäre ein Troſt für uns, die wir gegenwärtig leben. Aber man denkt doch auch an das, was künftig einmal werden könne, und unerſchöpflich iſt die Kohle nicht; für ein⸗ zelne Oertlichkeiten läßt ſich mit mathematiſcher Beſtimmtheit angeben, wenn die Production ein Ende haben müſſe. Was hat ſpäter einmal Europa davon, wenn die ungeheuer ergiebi⸗ gen Kohlenfelder Nordamerika's, die wirklich über alle Maßen reich ſind, noch Vorräthe haben, wenn dieſelben bei uns, in unſerer alten Welt,alle geworden wären?

Der Gegenſtand iſt von hohem Intereſſe. Vor ein paar Jahren(1863) hat der bekannte Kanonenbauer W. Armſtrong denſelben in einer Sitzung der Britiſh Aſſociation zu New⸗ caſtle zur Sprache gebracht und jetzt iſt die Frage von einem franzöſiſchen Ingenieur(Simonin, in der Revue des deux Mondes, 1. November 1865) wieder aufgenommen worden. Er ſetzt zunächſt die mannigfache Verwendung der Kohle aus⸗ einander; da wir Alle dieſelbe kennen, ſo wäre ein näheres Eingehen hier überflüſſig. Die Kohle iſt für die Induſtrie das, was für den Menſchen das tägliche Brod. Ein Land gilt, in Bezug auf ſeine materielle Entwickelung, genau nach dem Maßſtabe ſeines Kohlenverbrauchs. Ueberall ſteigern ſich Förderung und Verbrauch der Kohle in einer Weiſe, von der man früher keine Ahnung hatte; in England von 500

Millionen Centner in 1854 auf mehr als 1800 Millionen

in 1864. Ein ähnliches Verhältniß findet in anderen Pro⸗ ductionsländern ſtatt; kein einziges macht eine Ausnahme. Wenn das, wie man wohl annehmen muß, in ähnlicher Weiſe fortgeht, was ſoll werden, nachdem die Gruben abgebaut ſind und ferner keinen Ertrag liefern?

Simonin meint, nach 500 oder 600 Jahren werde die Erſchöpfung eine Thatſache ſein, und in England, Deutſchland, Frankreich und Belgien werde ſie ſchon nach etwa 250 bis 300 Jahren eintreten. Er beruft ſich auf Armſtrong, für deſſen Anſichten ſich auch Roderich Murchiſon ausgeſprochen hatte.

Amerika, ſo meint Simonin, könne ſich wohl auf 1000 Jahre getröſten, ſo lange würde dort die Kohle vorhalten. In Afrika komme ſie, ausgenommen an der weſtlichen Küſte von Madagaskar, durchaus nicht häufig vor. Indien, Barma, China, Auſtralien, Neuſeeland, Neucaledonien und Chile haben allerdings Kohle, ſie kann aber dort immer nur vor⸗ zugsweiſe für den Localbedarf verwandt werden. Für Ver⸗ wendung bei induſtriellen Unternehmungen kann ſie ohnehin keine allzuweiten Frachten ertragen; ſie wird dann zu theuer.

Manche Eiſenhütten und Walzwerke werden vielleicht außer Betrieb geſetzt werden, wenn einmal alle Eiſenbahn⸗ netze in Europa hergeſtellt ſind. Wahrſcheinlich wird man das Leuchtgas auch künftig aus einem auderen Stoffe berei⸗ ten. Aber durch das eine wie durch das andere wird ſich keine erhebliche Verminderung im Verbrauche der Kohle her⸗ ausſtellen, denn der Bedarf der vermehrten Anzahl von Loco⸗ motiven und Dampfſchiffen wird immerhin ein ſehr beträcht⸗ licher ſein. Selbſt wenn alle ausgerodeten Wälder wieder angepflanzt würden und eine beträchtliche Ausbeute an Holz gäben, könnte doch das Letztere die Kohle nicht erſetzen. Die Gründe liegen nahe genug. Da und dort wird man ſtatt der Kohle Petroleum verwenden; wir wiſſen aber nicht, wie lange dieſer Stoff überhaupt vorhält.

Die Steinkohle alſo geht zu Ende; wir können mit mathematiſcher Genauigkeit beſtimmen, wann das für jede einzelne Ortlichkeit der Fall ſein werde. Nun erhebt ſich die Fraͤge: Was ſoll nachher werden? In den Grubenrevieren

Zeitung.

wird ſie oftmals aufgeworfen; man ſucht die Kohle jetzt ſchon aus einer Tiefe von 3000 Fuß zu Tage zu fördern; man baut ſelbſt ſehr mittelmäßige Lager ab, die man noch vor einem Menſchenalter hätte links liegen laſſen; man giebt ſich dlermn cenglich Mühe, ſo ſpät als irgend angeht, zu ſterben.

Ohne die Dampfmaſchine kann man nicht fertig werden 5 ſie iſt und bleibt das letzte Wort der Mechanik unſerer Tage Die neueren Unterſuchungen über das mechaniſche Aequivalent der Wärme haben dargethan, daß die Kraft, welche der Dampfmaſchine den Brennſtoff reſtituirt, das Product der im Kohlenſtoff verdichteten Sonnenwärme ſei, durch welche in geologiſchen Zeiten die Steinkohle gebildet worden iſt. Die⸗ ſelben Unterſuchungen haben dargethan, daß Licht, Wärme und Kraft nur die drei Daſeinsformen eines und deſſelben Agens ſind. Wer alſo bei der Heizung der Dampfkeſſel die Steinkohle durch irgend etwas Anderes erſetzen, oder auf die Entdeckung eines neuen, wohlfeileren Bewegungsmittels rechnen wollte, thäte weiter nichts, als daß er den Kohlenſtoff an die Stelle des Kohlenſtoffes ſetzte; er würde ſich alſo in einem Circulus vitiosus bewegen, wenn er nicht etwa auf das Petroleum verfallen wollte. Als ein Bahnzug vorüber⸗ ſauſte, ſagte Georg Stephenſon:Nicht durch die Kraft des Dampfes wird dieſe Maſchine vorwärts gezogen, ſondern durch die Kraft der Sonnenwärme; dieſe hat den Kohlenſtoff in den Pflanzen fixirt und vor Millionen Jahren die Stein⸗ kohlen gebildet. So giebt es nichts Neues in der Natur und nichts geht in derſelben verloren, weder Kraft noch Stoff, und die Locomotiven ſind, wie gleichfalls Stephenſon ſagte, nur Sonnenreoſſe. 4

Es iſt gewiß wohlgethan, bei der Erzeugung des Dampfes mit dem Brennſtoffe ſo ſparſam als möglich zu verfahren und ſo wenig Kohlen, als irgend angeht, zu ver⸗ brauchen. Jetzt geht ein großer Theil in Rauch verloren, manchmal ſogar 90 Procent! Die Erſparniß durch ver⸗ beſſerte Maſchinen kann und wird ſehr bedeutend ſein, aber die Erſchöpfung der Kohlengruben wird dadurch höchſtens nnr eine Weile verzögert. Die Kohlenbecken werden am Ende nichts mehr ausgeben und wären ſie noch zehnmal ſo mächtig wie ſie ſind, und dieſer Tag, der nicht ausbleiben kann, iſt in der unendlichen Dauer und Reihenfolge der Zeiten wie eine Secunde!

Es ſind recht ſeltſame Projecte aufgetaucht, um dem endlichen Mißgeſchick vorzubeugen und ihm gleichſam die Spitze abzubrechen. Hat man doch, und zwar nicht in Spott oder Scherz, den Vorſchlag gemacht, alle Maſchinen der Welt durch den Niagara in Bewegung ſetzen zu laſſen! Man müſſe, wird geſagt, dazu theils das Waſſer unmittelbar benutzen, theils die durch den Katarakt erzeugte comprimirte Luft, und beide würde man umſonſt haben. Das mag in der

Theorie Alles recht gut und ſchön ſein, iſt aber leider

unthunlich. Man kann doch nicht die ganze Fabrikation für den Weltbedarf an jenem Waſſerfalle zuſammendrängen. Eine Zeitlang glaubte man in den durch Elektricität in Bewegung geſetzten Maſchinen einen Erſatz finden zu können. Es hat ſich aber gezeigt, daß die Sache auf ein mechaniſches Spielwerk hinausläuft, wie die Gasmaſchinen mit verdünnter Luft auch. Dieſe letzteren verbrauchen für eine gegebene Kraft oft drei⸗ bis viermal mehr Brennſtoff, als die ge⸗ wöhnliche Dampfmaſchine. Damit iſt alſo rein nichts ge⸗ wonnen, und ebenſowenig mit den ſogenannten Exploſions⸗ maſchinen, welche ohnehin nur für die Fortbewegung von Geſchoſſen anwendbar ſind. Die Maſchinen, vermittelſt

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