Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
681
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Vierte Solge. 681

ren Cameraden an die Hand genommen, und machen dann wohl, wenn es im Geſchwindſchritt über Stöcke und Blöcke geht, die ihren möglichſt weit geſpreizten Beinchen doch noch zu hoch und zu breit ſind, recht ſauer und weinerliche Geſichter, welche mit ihrem blumigen Feſtſchmuck nicht wenig contraſtiren. Trotz aller Unbequemlichkeit des Weges möchten ſie aber doch um Nichts in der Welt zurückbleiben und ſtrengen ſich, wenn gleich mit bitteren Thränen in den Augen, auf's Beſte an, mit deu Uebrigen gleichen Schritt zu halten.

Auch alle Schweſtern, Mütter und Tanten ſind auf den Füßen, an den Fenſtern, vor den Thüren, auf den freien Plätzen, um dieſen jubilirenden Kinder⸗ zug vorbeipaſſiren zu ſehen, ihn bis an die Ecke der Gaſſe zu verfolgen, oder ihn, wenn er, aus einem Thalzweige zurückkehrend, am Bergabhange herabwogt, abermals zu erſpähen und ihn mit Freuden zu empfangen.

Endlich, wenn ſie Allen, denen es gebührt, ihren Fahnengruß dargebracht haben, ſo ziehen ſie alsdann auf den Schießplatz hinaus, und die hübſche Bil⸗ derreihe, welche die Kindergruppen darboten, ver⸗ ſchwindet nun, indem ſich die maleriſche und luſtige Proceſſion auflöſt und Alles ſich jetzt an das ernſte Geſchäft, an das Scheibenſchießen macht.

Aehnliche Feſtlichkeiten waren im Mittelalter in mehreren Theilen Deutſchlands verbreitet und zwar mit noch mehr romantiſchem Ritual und Ceremoniel, als es Kohl hier erzählt. Doch iſt der Harz, ſtabil und hartlebig in ſo vielen Dingen, wohl die einzige Stätte, auf welcher ſich dieſe Sitte erhalten hat. In Thü⸗

ringen, das ſo viel mit dem Harz gemein hatte und immer noch die Paſſion für die Kugelbüchſe und die daran geknüpften luſtig geräuſchvollen Vogelſchießen theilt, in Thüringen ſind dieſe Kinderſchützenfeſte meines Wiſſens verſchwunden. Eben ſo merkwürdig als mittelalterlicher Ueberreſt iſt auf Dresdener Gebiet und in Dresden ſelbſt das bis in neueſter Zeit blühende Armbruſtſchießen, an das ſich ſelbſt der Hof aus den Rittertagen her betheiligt, gewiß eine Volksbeluſtigung, die ſo ziemlich als Unicum in Deutſchland daſteht.

Doch wir haben es bei ſolchen Volks⸗ und Natur⸗ bildern nicht blos mit den Ausnahmen zu thun, ſon⸗ dern mit vielen Hantirungen und Gewerbthätigkeiten, die tief eingreift in die Exiſtenz des ſogenannten ge⸗ meinen Mannes, um dieſen Ausdruck aus der guten alten Feudalzeit zu brauchen, in welcher die bedrückende Ariſtokratie und die bürgerlichenGeſchlechter der Geldoligarchie ſich einbildeten, aus beſſerem Holze ge⸗ ſchnitzt zu ſein, als die Familie des erſten Fugger.

Hierhin gehört die Werkthätigkeit des Bergmanns, deſſen Ahnen von den Franken abſtammen und ſich in altfränkiſchen Sitten und Spracheigenthümlichkeiten im Harze erhalten haben; ferner der Waldarbeiter, der Köhler, der Vogelfänger und Fiſcher und endlich der Pech⸗ und Harzſammler. Hierüber giebt Kohl ſehr anſchauliche Bilder, und das Beſte iſt dabei, daß denſelben eine gewiſſe Allgemeinheit innewohnt, indem die Thätigkeit dieſer Gilden ſo ziemlich allenthalben die gleiche iſt und der Leſer daraus auch auf den Geſchäftsgang derſelben in anderen Gegenden von ähnlichem Gebirgsterrain ſchließen kann.

Feuilleton.

Die ſchwarzen Diamanten der Welteultur.

Man nimmt an, daß jetzt alljährlich etwa 4000 Millio⸗ nen Centner Stein und Braunkohlen zu Tage befördert und verbraucht werden. Die Kohle iſt gewiſſermaßen das Lebens⸗ princip der heutigen Culturvölker geworden, und die Nachfrage nach dieſem durchaus unentbehrlichen Brennſtoffe ſteigert ſich immerfort. Wie ſoll das enden, werden die Kohlengruben ſich nicht erſchöpfen? Dieſe Frage iſt ſchon ſehr oft aufge⸗ worfen worden. Schon jetzt iſt die Kohlenmaſſe, welche wir

Menſchen des neunzehnten Jahrhunderts verbrauchen, eine

koloſſale, eine ganz ungeheuere geworden, die ganze Welt iſt abhängig von dem ſchwarzen Diamanten; man denke ſich, was werden müßte, wenn urplötzlich einmal keine Kohle mehr vorhanden wäre. Es wäre ſo viel, wie ein Einſturz des Himmels.

Großbritannien hat im Jahre 1864 nicht weniger als

92,787,873 Tonnen Kohlen verbraucht; multiplicirt man

dieſe Summe mit 20, ſo erhält man die Ziffer der Centner, welche dieſes eine Land geliefert hat. Der deutſche Zoll⸗ verein lieferte 1862 an 263,000,000 Centner Steinkohlen und nahe an 100 Millionen Centner Braunkohlen, Belgien 170, Frankreich etwa 190, Nordamerika 300 Millionen Centner. Rechnet man Schweden, Rußland, Oeſterreich, Italien und noch einige andere Länder hinzu, dann kommen für das genannte Jahr nahe an 3000 Millionen Centner Kohle heraus; aber heute kann man, wie geſagt, nahe an 4000 Millionen annehmen. So großartig und gewaltig iſt der Kohlenverbrauch geworden.

Wird eine Erſchöpfung ſtattfinden? Wird die Kohle, um einen Ausdruck aus dem gewöhnlichen Leben anzuwenden, alle werden? Einige Fachmänner behaupten, das große Kohlenbecken von Newcaſtle z. B. werde kaum noch 300 Jahre vorhalten, wenn die Förderung ſich auf dem gegenwär⸗ tigen Standpunct behaupte; dagegen ſagen andere, man dürfe