Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
680
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680 Rovellen⸗Zeitung.

In jedem Orte iſt der jährlich wiederkehrende Sind ſie Alle beiſammen, ſo ſetzt ſich der Zug ſogenannteSchützenhof der Haupt⸗Feiertag, ja faſt V unter Muſik und Trommelſchlag mit ſtolperndem Pa⸗ das einzige öffentliche Volks⸗ und Nationalfeſt der radeſchritt in Bewegung. Die Trommel ſchleppt ein Bewohner, an welchem nicht nur die Schützen ſelbſt, coloſſaler alter Grenadier und auch die Muſik oder ſondern auch alle Uebrigen ohne Ausnahme Theil Bläſer ſind große ausgewachſene Männer, die unter

nehmen.

Da giebt es für Jeden etwas. Für die Jugend die Marktbuden und ihre aus aller Welt im Thale zuſammengekommenen Näſchereien und Curioſitäten, für die jungen Mädchen einen Tanzabend, und ſelbſt die vielleicht zu Hauſe bleibenden Mütter beſchenken ſich wenigſtens oder empfangenGeſchenke zum Schützen⸗ feſte. Manche Bergleute haben keinen anderen Jubel⸗ und Freudentag im Laufe des ganzen Jahres, als den Schützenhof ihres Ortes.

Die Harzer Schützen betreiben das Scheiben ſchießen ſchon von Kindesbeinen an. Bereits als zehnjährige Knaben haben ſie ihre Schützenvereine, deren jugendliche Mitglieder ſich ebenſo ſonntäglich im Bogenſchießen üben, wie die Erwachſenen mit der Büchſe, und die auch ebenſo gut wie dieſe ihr beſon⸗ deres jährlich wiederkehrendes Schützenfeſt, das ſoge⸗ nannteJungens-Schützenfeſt, feiern. Bei dieſem Feſttage geräth die ſogenannte Jugend des Ortes, von den Jünglingen von achtzehn Jahren abwärts vis zu den ganz kleinen Männlein, die kaum die Füße rühren können, hinab, in Aufregung. Sie ſchmücken ſich auf's Schönſte heraus, haben ihre Ver⸗ ſammlungen, Umzüge und Tänze, und dabei bieten

ſich während des ganzen Verlaufs eines ſolchenHarz⸗

Jungens⸗Schützenhofs⸗Tages viele luſtige und gefäl⸗ lige Scenen dar.

Sie verſammeln ſich auf dem öffentlichen Platze vor dem Rathhauſe des Ortes, jeder mit ſeinem Bogen auf der Schulter, in dem ſchönſten Sonntags⸗ Coſtüm und reichlich mit Blumen geſchmückt. Sie tragen dicke Blumen⸗Bouquets an der Mütze und im Knopfloch und ebenſo ſteckt in der Mündung des Rohres ihrer Bogen ein bunter Büſchel. Manche haben dazu noch eine Blume im Munde, wie denn irgend ein grünes Kraut zwiſchen den Zähnen hier im Harze bei ſolchen Veranlaſſungen ein ſehr gewöhn⸗ licher und faſt allgemeiner Schmuck iſt.

Die, welche Mitglieder des Turn⸗Vereins ſind, kommen in ihrem Turnhabit. Die Coſtüme der übrigen ſind nach den mannigfaltigſten Fagons, je nach den Mitteln, dem Geſchmacke und der Phantaſie ihrer ſie auf's Beſte herausputzenden Eltern.

Sie vereinigen ſich unter der Anführung und ſtellen ſich unter den Befehl ihresSchützenvoigts, eines von ihnen ſelbſtgewählten und ſehr eifrigen kleinen Mannes.

der Schaar der Kinder ſich wie Brobdignacs unter Lilliputanern ausnehmen.

Dem commandirenden kleinen Voigt, der einen großen und gefährlichen Säbel ſchwingt, wird die Vereinsfahne vorangetragen. Sie iſt von Seide, ſchon etwas alterthümlich ehrwürdig, abgebleicht, zerriſſen und mehrfach geflickt, zum Beweiſe, daß auch die Väter und Großväter ſchon einſt in ihren jungen Jahren ſich unter demſelben Zeichen vereinten.

Dieſe Fahne wird natürlich nur einem ihrer vornehmſten Officiere anvertraut. Außerdem giebt es noch eine Menge freiwilliger Fahnen und Fahnen⸗

V träger. Es ſind Phantaſie⸗Fähnchen mit verſchiedenen

oder Schweſtern für ſie erfanden, bereiteten und ihnen in die Hand ſteckten, um die Proceſſion mit allen in der Luft flatternden Farben des Regenbogens zu ver⸗ Zieren.

Auf dieſe Weiſe ziehen ſie bergauf und bergab, trommelnd, jubelnd und blaſend durch alle Thalzweige, in denen die Häuſer des Ortes verſtreut ſind. Vor V jeder Wohnung, deren Beſitzer ſie ehren wollen, ſtellen ſie ſich auf. Der Hauptfahnenträger ſchwenkt ſein altes Banner in weiten horizontalen Kreiſen und in taktmäßigem Schwunge, und alle anderen kleinen Wimpel⸗ und Flaggenträger beſtreben ſich, ihm nach⸗ zuahmen. Dazu ſchmettern die Hörner, und der ſtatt⸗ liche kleine Schützenvoigt bringt das Hoch des Gefeier⸗ ten aus.

Vor allen Dingen ſuchen ſie ihrenBeſtmann auf. So heißt der junge Schütze, der beim letzten Schießen den beſten Schuß that. Sie holen ihn mit Hurrah aus ſeiner Behauſung hervor und ſtellen ihn an die Spitze des Zuges. Als Emblem ſeiner Würde trägt er den Ehrenkranz.

Je weiter ſie kommen, deſto länger wird der Schwarm. Denn beſtand deſſen Kern urſprünglich nur aus den eigentlichen Mitgliedern des Schützen⸗ Vereins(Knaben über zehn oder zwölf Jahren), ſo ſchließen ſich nun allmälig doch auch als Freiſchär⸗ ler die ganz kleinen Klabauter bis zu drei Jahren hinab an, weil das Feſt als eine allgemeine Angele⸗ genheit der geſammten Jugend des Ortes betrachtet wird. Nur eine kleine Armbruſt oder wenigſtens das Conterfei einer ſolchen, einen mit Blumen geſchmück⸗ ten hölzernen Schaft muß Jeder zu tragen vermögen.

2.

bunten Emblemen und Figuren, welche die Mütter

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Einige der kleinen Knirpſe werden von den größe⸗

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