e. Belk,
Vierte Folge. 679
Liebſte, ſprich, wohin iſt Friede Und Vergnügen mir entſchwunden? Daß ich nicht kann fröhlich werden Selber in den frohſten Stunden?
Liebſte, ſprich, warum verſpottet
Täglich Hoffnung mich und Glaube?— Glauben, Hoffnung, Frieden, Wonne Gab der Liebſten ich zum Raube.
Liebe nur kann Alles heilen, Liebe nur kann mich entzücken; Soll Verzweiflung oder Liebe Leſen ich aus Deinen Blicken?
3.
Wär' ich Herr der dreien Welten, Cäſar, Timur, Alexander— Gern für eine Wehmuthsthräne Gäb' ich hin ſie miteinander.“
Wär' das Preiſen meines Ruhmes Endlos, wie der Sand am Meere— Gäb' ich meinen ſchönſten Lorbeer Hin für Eine Mitleidszähre.
Denn, wie mir der Haß geraubet, Iſt mir jetzt geraubt die Liebe, Und der Schöpfung Wunderbarſtes Dieſes ſind des Herzens Triebe.
4.
Ruhe kann ich nicht gewinnen In dem Spiegel meiner Seele! Was ich Tag und Nacht gefühlet, Länger nicht dem Wort ich hehle.
Denn ein Spiegel iſt mein Weſen Von dem Bilde der Geliebten; Fröhlich wird es vor der Frohen, Und betrübt vor der Betrübten.
Ja! Vergrößerung zu ſchaffen, Hat es Meiſter Schmerz geſchliffen.— Dieſes Aug' in ſtolzen Brauen Wird ein Bach in Felſenriffen.
Wuchs und Nacken gleich der ſtolzen Ceder auf den Bergeshöhen, Auserleſen, in der Fürſten Ragendem Palaſt zu ſtehen.—
Doch nicht lange freut die Kleine Sich an unſrer Beider Glücke;— Ach! ſie wirft mit Einem Finger Dieſes Glas in tauſend Stücke!
5.
Eine Bitte will der Richter
Auch dem Mörder nicht verſagen; Darum Eine letzte Bitte
Wag' ich ſelber vorzutragen:
Will in Deinen Armen ruhen, Einmal noch ein Kindlein ſein; Will nicht weinen, will nicht klagen, Einmal noch zufrieden ſein;
Und von Deinen Lippen trinken, Die ſo elend mich gemacht; Und aus Deinen Armen ſinken In die tiefe, ſchwarze Nacht.
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Deutſche Volksbilder und Naturanſich⸗ ten aus dem Harze. Von J. G. Kohl. Hanno⸗ ver, bei Rümpler. 1866.
Eine Rückſchau auf Ihre größeren wie kleineren Reiſen wird Ihnen zeigen, daß auch das uns gewöhn⸗ lich näher liegende Terrain der letzteren in ſeiner Art eben ſo viel Charakteriſtiſches an Sitten, Gebräuchen oder ſonſtigen Volks⸗ und Landeseigenthümlichkeiten darbietet, als die Ferne, welche die meiſten Reiſen⸗ den wie Leſer ſo ſehr romantiſch anzieht. Gerade in unſerer Nachbarſchaft, im lieben Deutſchland ſelbſt iſt noch Vieles nachzutragen, das lebhaftes Intereſſe ver⸗ dient, indem es in das innere Weſen des Volkes einen Einblick gewährt, trotzdem aber nur Wenigen bekannt iſt. In dieſem Sinne hat ſich Kohl den Harz zum Boden leicht und anſchaulich gehaltener Specialſtudien gewählt und darüber mitgetheilt, was er geſehen,
oder aus glaubwürdigen Quellen geſchöpft hat. Wir
wollen ihn über die Knabenſchützenfeſte plaudern laſſen, um durch ein Beiſpiel zu ſehen, wie anziehend der Gegenſtand ſelbſt iſt.
Von alten Zeiten her ſind die Harzer Bergleute durch geſchickte Handhabung der Schießwaffen berühmt geweſen. Die Harz⸗Schützen, eifrige Proteſtanten, haben ſich im dreißigjährigen Kriege und auch in den franzoͤſiſchen Kriegen der Neuzeit ausgezeichnet.


