Novellen⸗Jeitung.
man hat mich gezwungen, meine Eide zu brechen. Und Jetzt will ich Männer und Herren der Schöpfung Du? Der Herzog empfing Deinen Eid und Anna und will ſie beherrſchen!“
nahm ihn.“
„Und Sie, Prinzeſſin?“
„Ich werde ihn nicht verlangen.“
„Und Sie?“ 1
„Weißt Du es nicht, Alexis, daß das Hofleben es lehrt, wie man Schwüre bricht?“
„O, daß ich lebe— V
„Biſt Du ein Mann, haſt Du ein männlich Gemüth, ſo zeige ein männliches Handeln! Ich will Dir Alles ſagen, will Dir die verſteckteſten Pläne zeigen in meiner Bruſt!— Du ſprachſt mir von Liebe!— Sei mit mir im Bunde. Es iſt ein Lotto um's Leben!— Ich ſollte Ernſt's Gattin werden; ich habe ſiegreich widerſtanden, ob man mich auch zwingen wollte. Jetzt ſteht mir Troizki's Kloſter⸗ pforte offen; man wird mich gewaltſam hinter jenen Mauern begraben und man hätte ein Recht dazu. Muß ich nicht unſchädlich gemacht werden, wenn ich hier in der Freiheit doch nur ein unthätiges, Anderer Wirken hemmendes Leben will?“
„Aber, Prinzeſſin, es iſt——“
„Ein Thron!“
„Und was gilt ein Thron gegen ein Herz!“
„Dein Herz habe ich ja doch, Alexis!“ lächelte ſie.„Dir zwar, mein Freund, der Du überall herrſcheſt — was gilt dem Reichen die Münze, die doch dem Bettler——“ 13
„Und wie lange wird er Ihnen gehören, der Thron?— Das Herz, Prinzeſſin, kennt keine Zeit!“
„Und das Kloſter?“
„Fliehen Sie es!“
„Und dann?“
„Eliſe, die Zeit iſt eine kurze Spanne, dann folgt eine Ewigkeit voll Wonne und ſeligem Sein—“
„Ewigkeit, was iſt ſie?“
„Ich will es Sie lehren.— Hoch im Norden iſt ein Demantberg, groß und gewaltig. Nach je hundert Jahren aber kommt ein kleines Vöglein und wetzt ein Mal ſeinen Schnabel an dem Berge— und wenn er abgewetzt iſt, dann, Eliſe, dann— iſt eine Secunde der Ewigkeit verfloſſen!“
„Schwärmer Du!—“
„Nenne mich einen Schwärmer, nenne mich ein Kind— aber achte die Schwärmerei und den Kindermund, den reinen, der Dich warnt vor dem Abgrunde, den Dein ſonnengeblendetes Auge nicht
ſieht.“
„Nun denn, Eliſe— ich gehe, leben Sie wohl!—
Befehlen Sie über mich— ich werde Ihnen gehor⸗ chen.“
„Ueber Dein Herz, Alexis!“
„Nein, Prinzeſſin— ich nehme es mit mir und werde es tödten— dann ſollen Sie es haben und es mag Ihr Eigenthum ſein.— Leben Sie wohl!“
Er hatte die letzten Worte ernſt, beſtimmt, ſelbſt⸗ bewußt geſprochen— er ging jetzt. Eliſabeth blickte ihm düſter nach.— Der Marquis von Chetardie wurde gemeldet; er trat ein.
„Siehe da— Excellenz!“ empfing ſie ihn!„Ah, ein ſeltener Gaſt— und ich freue mich zu ſehen, daß Sie der ſonſt ſo vergeſſenen Prinzeſſin Eliſabeth doch noch eine geringe Erinnerung aufbewahren. Frei⸗ lich— wie ſollte ich auch darauf zählen können, Sie öfter zu ſehen, hier in dieſen triſten Räumen, die nichts von dem Glanze beſitzen, der ſich täglich ringsum dem Herrn Marquis entgegenbringt.“
„Sie ſind ſehr gnädig, Hoheit— und ich danke Ihnen für die freundlichen Worte; aber es iſt nicht das reizende Peterhof, welches mich anzieht und meine Zeit beanſprucht. Wir armen Diplomaten ſind miseri homines der Höfe, ſorgenvoll, wo Alles lacht; lachend könnten wir wohl zuweilen drein⸗
hat, ſo geht es auch dann nicht, denn ſolche Gelegen⸗ heiten finden ſich gewöhnlich nur, wenn es uns ge⸗ lungen iſt, Wunden zu ſchlagen.“
„Das iſt recht geiſtreich, Excellenz, wie man es ja bei Ihnen gewohnt iſt. Aber es wird für Manchen auch recht troſtlos ſein, nie aus der Miene eines Diplomaten etwas herausſtudiren zu können. Ich bin recht zufrieden, daß ich der bunt treibenden, ewig kreiſenden Clio fern ſtehe.“
„So!“ ſagte Chetardie mit feinem Lächeln; „allein ich muß geſtehen, daß ich nicht viel Vortheil⸗ haftes für Sie in dieſen Worten finde.“
„Ich verſtehe Sie nicht, Herr Marquis.“
„Das heißt, daß ich nicht genug Freund der ſtillen, ſich ſelbſt genügenden Weiberherzen bin. Glauben Sie, Hoheit, ein ſolches Weib erſcheint mir als eine duftige Blume, die doch nie eine erlabende Frucht treibt, als eine Blume, an der nur Poeten Geſchmack finden können; nicht ſo kalte Leute, wie die Diplo⸗ maten meiſtens ſind, oder doch im Laufe der Zeit werden. gleichviel, auf welches Gebiet ſie ſich damit begiebt.“
„Einſt liebte ich die Kinder und ihre jungen Herzen— ich haſſe ſie jetzt um ihres Glückes willen.
„Sie mögen von Ihrem Standpuncte aus Recht haben, Excellenz.“
blicken; wenn man aber dabei ein Herz in der Bruſt
Auch die Frau muß ihren Ehrgeiz haben,
nd
zm bile jixi einen „ Das
„Uu elbe du Sinnens
—
„
„G Ihrem laſſen' nehmun folgen,
Die nehr un hervortt Chetand
1 einer eben e die ho an M — ja wenn: heute wird
Worte das 6 Sorge geſetzt
wenn ſchaff würde ſtellen ic we
' ch-
Unte


