Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
667
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verlangt hätte, ſie ſollten die Leiche nicht in die Erde legen. Ich nehme an, daß meine Empfindungen vielleicht ſo gänzlich vom Augenblick hingenommen wurden, daß keine Kraft übrig blieb, den Moment in meinem Gedächtniſſe zu fixiren.

Ich fand weder damals, noch finde ich heute irgend welche Schönheit in jenen trüben, ſchwerfälligen Ceremonien. Was hatten ſie mit dem ſüßen, ſpielenden Kinde gemein? Ihr Leben und ihr Tod war gleich ſchön, aber dieſe traurige Periode iſt es nicht.

So betraf meine erſte Lebenserfahrung den Tod. Jene, die mir hätte Gefährtin des Lebens ſein können, wurde von mir getrennt und ich blieb allein. Es hat dies, wie ich glaube, einen großen Einfluß auf mein Schickſal gehabt. Wenn ihr ſchönes Geſicht nicht täuſchte, wäre ihr Charakter ſanft, an⸗ muthig und heiter geweſen, und er würde vielleicht dem meinigen zu einem ebenern und regelmäßigern Entwickelungs⸗ gang verholfen haben.

Mein Vater, deſſen Gefühle nun noch mehr auf mich concentrirt waren, unterrichtete mich ſelbſt. Dies war in ſo⸗ fern gut, als ich nicht, wie es mit ſo Vielen in den ſogenannten Vorbereitungsſchulen geſchieht, durch die Hände vieler ſchwachen und unwiſſenden Perſonen ging, und mir, indem ich unter ziemlich ſtrenge Zucht geſtellt war, ein mehr als gewöhnlich hohes Ziel geſteckt ſah. Vater ein Geſchäftsmann. Er war auf der Univerſität recht fleißig geweſen und hatte warme Anhänglichkeit an Alles, was er dort gelernt hatte, einmal ſchon des Vergnügens wegen, welches ihm die Uebung ſeiner Fähigkeiten gemacht, aber be⸗ ſonders auch im Andenken an den guten Erfolg, den Vortheil und Ruf, welche ſein Fleiß ihm eingetragen hatte. Außerdem war er in franzöſiſcher und engliſcher Literatur wohl be⸗ wandert, und ſo hoffte er mich zur Erbin ſeines Wiſſens zu machen und mir, ſo viel es ihm ſein Einkommen nur geſtatten würde, die Mittel zur Erlangung neuer Kenntniſſe zu bieten. Aber gleich Aufangs verfiel er in einen großen Irrthum, welcher hoffentlich bei der kommenden Generation ſeltener vorkommen wird, als es bei der jetzt lebenden der Fall iſt, wenn man nicht die Warnungen und Erfahrungen denkender

Vierte Folge.

Erzieher und Phyſiologen gänzlich unbeachtet laſſen will. Er

glaubte nämlich Zeit zu gewinnen, wenn er den Verſtand ſo ſchnell als möglich entwickelte und dem Gedächtniß und der Faſſungskraft ſo viel als möglich Kenntniſſe zu tragen gab. Ich erhielt daher Aufgaben, welche ſo zahlreich und vielſeitig waren, als die Stunden es nur erlauben wollten, und welche Gegenſtände be rafen, die weit über mein Alter hinausgingen. Dazu kam no* mißliche Einrichtung, daß ich ihm meine Aufgaben unß Arbeiten erſt Abends, wenn er vom Büreau kam, vorzeigen und herſagen durfte. Da es nun dort natürlich oft Verzögerungen gab, wurde ich häufig ſehr ſpät wach erhalten. Ueberdem war er ſowohl ſeinem ganzen Charakter und ſeinen Lebensgewohnheiten nach, als auch aus einem gewiſſen Stolz auf die Begabung und die Fortſchritte ſeiner Tochter ein ſtrenger Lehrer, ſo daß ich in ſteter Span⸗ nung blieb, bis dies Ueberhören und Nachſehen vorbei war. So wurde ich oft viele Stunden zu ſpät und mit unnatürlich aufgeregten Nerven zu Bett geſchickt. Es war wohl kein Wunder, ſondern nur die natürliche Folge davon, daß ich am Tage zu einem Wunderkinde, in der Nacht aber zu einem Opfer geſpenſtiſcher Erſcheinungen, des Alps und Nacht⸗ wandelns wurde.

Hierdurch ward die harmoniſche Entwickelung meiner Körperkräfte verhindert, mein Wachsthum geſtört und ein bis zum heutigen Tage nur ſelten unterbrochener, von nervöſen

wirkliche Leben bot mir wenig Anziehendes.

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Zufällen aller Art begleiteter Kopfſchmerz verurſacht. Was ſoll ich von den geiſtigen Nachtheilen ſagen, welche dieſe wohlgemeinte Unnatur der Erziehung für mich erzeugte? Ich fühle ſie täglich, obwohl ich jetzt mein kränklich übereiztes Temperament und Weſen verſtehen gelernt habe und es zu beherrſchen mich bemühe.

Keiner aus meiner Umgebung verſtand damals, wie nach⸗ theilig dies auf meine Geſundheit wirkte; Keiner wußte, woher das Kind, das ſchon ſo ſpät aufgehalten wurde, dennoch wiederſtrebte, ſich zurückzuziehen. Die Tanten ſchrieen über das unvernünftige verdorbene Kind, das, wie es ſchiene, niemals zu Bette gehen wollte, wenn nur der Bruder die Augen aufthunund es ſehen möchte! Sie wußten nicht, daß, ſobald das Licht weggenommen wurde, die Kleine fratzenhafte Geſichter ſah, die näher und immer näher rückten, mit aufge riſſenen Augen und ekelhaft angeſchwollenen Zügen, bis ſie, endlich, wenn ſie bis zur Berührung nahe waren, durch einen Schrei und haſtiges Auffahren verſcheucht wurden, doch augenblicklich wiederkehrten, ſovald ſie ſich niederlegte. Sie wußten nicht, daß, wenn Margarethe endlich einſchlief, ſie von Pferden, die über ihr forttrabten, wenn ſie am Tage im Virgil geleſen hatte, von einem bluttriefenden Walde träumte,

wo ſie wanderte und wanderte und nicht herauskommen Selbſt in der Literatur war mein

konnte und das Blut über ihre Füße ſpritzte und höher ſtieg, und faſt ſchon ihre Lippen berührte. Kein Wunder, daß das Kind in ſolchem Schlafe aufſtand und bewußtlos wehklagend das Haus durchwandelte, bis man es einmal hörte, dazu kam und es weckte. Als Margarethe nun erzählte, was ſie ge⸗ träumt hätte, gebot der Vater ihr ſtreng,nicht mehr an ſolchen Unſinn zu denken, wenn ſie nicht verrückt werden wolle, gar nicht ahnend, daß er ſelbſt den Grund zu dieſen nächtlichen Schrecken legte. Oft träumte ſie, ſie folge der Leiche ihrer Mutter zum Grabe, und wenn ſie dann er⸗ wachte, fand ſie ihr Kopfkiſſen naß von Thränen.

Armes Kind! Weit entfernt in Zeit und Gedanken von jener Periode, blicke ich auf dieſe dunkeln Schrecken zurück und finde, daß eine natürliche Kindheit mir nicht zu Theil ge worden iſt.

So vergingen meine früheſten Jahre; meine Mutter

war kränklich und ſehr von der Sorge für ihre jüngeren Kin⸗

der in Anſpruch genommen. Im Hauſe gab es weder Hund, noch Vogel, noch ſonſt ein fröhlich mitſpielendes Weſen. Ich ſah keine Menſchen, die meine Phantaſie feſſelten, und das So fand mein ſchon überreiztes Gemüth keine Befriedigung in der Außen⸗ welt und wurde, ſich ſelbſt fliehend, zur Bücherwelt getrieben. Ich lernte zu gleicher Zeit engliſche und lateiniſche Gramatik und fing ſchon im Alter von ſechs Jahren an, Latein zu leſen, was ich mehrere Jahre hindurch täglich fortſetzte. Anfangs durch meinen Vater, ſpäter durch einen Lehrer wurde ich im Lateiniſchen zu einem hohen Grade von Genauügkeit einexer⸗ cirt. Man muthete dem Kinde zu, den Mechanismus der Sprache vollſtändig zu verſtehen und die Gedanken beim Ueberſetzen in ſo wenig als möglich engliſch geordneten Wor⸗ ten wiederzugeben, und das ohne Pauſen und Stocken,

denn damit hatte mein Vater durchaus keine Geduld. In ſjeder Sache verlangte er Präciſion und Klarheit.Du

mußt nicht ſprechen, wenn du nicht Deine Meinung der an⸗

geredeten Perſon vollkommen verſtändlich machen kannſt, mußt nicht einen Gedanken ausdrücken, wenn Du ihn nicht begrün⸗ den kannſt, falls man es verlangen ſollte, mußt von keiner Thatſache reden, wenn Du nicht genau die Details weißt, das waren ſeine Regeln.Aber,wenn,wenn nicht,