Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
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ausholen, aber keine Klinge wehrte es, und tief bohrte es ſich in die Bruſt eines der Unglücklichen. Ein heller, rother Bluthſtrahl ſchoß empor. Schaudernd wandte ich mich ab, der Kopf ſchwindelte mir, kaum erreichte ich die Hütte, wo ich mich kraftlos auf einen Seſſel niederließ.

Der Kampf war beendet. Mein Freund rief mich wieder hinaus. Eine Geſtalt, durch Schmutz und Blut ganz unkenntlich, ſuchte ſich zu erheben, aber es gelang ihr nur durch die Hülfe eines Mannes, in welchem ich den alten Vaquero erkannte. Der Verwundete war ſein Sohn. Sein Feind lag auf dem Boden ausgeſtreckt, ſeine Freunde unter⸗ ſtützten ihn, aber er ſollte ſich nicht wieder erheben. Sein Röcheln wurde allmälig ſchwächer, ſeine Glieder reckten ſich im letzten Todeskampfe und bald lag an der Stelle, die wenige Momente vorher ein lebendes denkendes Weſen einahm, eine ſtarre, unkenntliche Leiche. Die Mineros, anfangs kleinlaut und ſtill, brachen jetzt in laute Verwünſchungen aus. Aber wir waren inzwiſchen nicht unthätig geweſen. Der junge Vaquero, ſowie ſeine ohnmächtige Mutter waren bereits in die Hütte geſchleppt und die Thüren gut verbarrikadirt.

Vergebens donnerten die Kerle an dieſelbe; die feſten Eichenbohlen trotzten ihren vereinten Kräften. Auch ein über ihre Köpfe gerichteter Schuß, den ich aus dem kleinen Feuſter abfeuerte, that ſeine Wirkung. Sie mochten wohl einſehen, daß ſie nicht viel Nutzen von einem Angriff auf die feſte und von Feuerwaffen vertheidigte Hütte haben würden, banden den Leichnam ihres erſchlagenen Cameraden auf deſſen Pferd, ſaßen auf und jagten unter wilden Drohungen und Geſchrei davon.

Dem Verwundeten wurde jetzt das Geſicht gewaſchen und noch daun hatte ich Mühe, in dieſer bleichen, binfälligen Geſtalt den noch vor kurzen Augenblicken ſo friſchen und kernigen Sohn des Vaquero zu er⸗ kennen. Er hatte im linken Arm eine tiefe Wunde und eine andere leichtere in der Schulter. Sie wurden gereinigt und mit den Blättern des blut⸗ ſtillenden, heilendenSauco belegt. Noch in der ſelben Nacht ſollte er mit ſeinem Vater nach den nördlicheren Diſtricten reiſen, um der gerichtlichen Nachſuchung, die unzweifelhaft erfolgen mußte, zu entgehen.

Nachdem wir den Leuten, ſo viel in unſern Kräften ſtand, geholfen und ſie getröſtet hatten, ſetzten wir trüben Sinnes unſern Weg nach Catagilco fort.

Wir hatten ſoeben die menſchlichen Leidenſchaften in ihren zerſtörendſten Wirkungen geſehen; es machte

Dierle Holge.

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mich nachdenkend über die Tiefe des Eleuds, in welche ſich der Menſch blindlings ſtürzt, um ſeinen thieriſchen Juſtinct der Rache zu befriedigen. Auch noch in dieſer Tiefe Heuchler, erfindet er das WortEhre, um ſeinen niedrigſten Trieb zu bedecken, Ehre, um Schande zu verbüllen.

Und das Reſultat?

Auf der einen Seite des Opfers die verlorene Zukunft eines Menſchen, das Unglück einer Familie, die ihren Ernährer verliert, auf der Seite des elenden Siegers das ewige Bewußtſein ſeiner Blut ſchuld, denn nur wenig hilft ihm nach begangener That der Mantel der Ehre, den er ihr umhängt. Immer wird er zweifeln, immer wird er ſich fragen: bin ich Mörder oder nicht? Von Zweifel zu Zweifel geworfen, wird er den Genuß verloren haben, den das Leben allen Gewiſſensruhigen bietet.

Die verlorene Zukunft zweier Menſchen!

Unſer modernes Duell, an das wir durch traurige Ueberlieferung gewöhnt ſind, gleicht freilich nicht ſo ſehr einem vandaliſchen Gemetzel, doch iſt es in den Reſultaten von der eben beſchriebenen Meſſerſchlächterei in nichts verſchieden und, verglichen mit vem italieniſchen Volke, muß man ſagen, daß dieſem noch jener ſtand⸗ hafte Muth zum regelrechten Zweikampf fehlen würde; in Italien wird oft der wehrloſe Beleidiger erſtochen oder man lauert ihm in den Abendſtunden hinter irgend einer Hecke auf, wie dies bei den Corſen Gebrauch der Blutrache und auch der übrigen Privatrache iſt. Uebrigens beruhigt, beſonders in katholiſchen Ländern, der gemeine Mann ſein Ge⸗ wiſſen über dergleichen Gewaltthaten und Selbſthülfen leichter, als der Verfaſſer von ſeinem Standpuncte ſittlicher Intelligenz zu glanben ſcheint. Noch giebt es mehr Rohheit in der menſchlichen Geſellſchaft aller Zonen, als die glatte Außenſeite verräth.

Jedenfalls iſt Südamerika in ſeinem tropiſch ſchönen, von feuerſpeienden Bergen durchzogenen Diſtrict ein Treibhaus nicht blos für die üppige Pflanzenwelt, ſondern auch für die Leidenſchaften des Menſchen. Sind doch dort ſelbſt beim weiblichen Geſchlecht, deſſen Reize und ſonſtige Vorzüge im Allgemeinen nicht blos von den Romanſchreibern, ſondern auch von den Reiſenden ſehr geprieſen worden, Eiferſucht, Dolch und Tod die Hauptrequiſiten ſeiner ſehr ſinnlichen Liebe.

Das chileniſche und argentiniſche Land iſt an Abenteuerlichkeiten und uranfänglichen Zuſtänden noch reich, noch vollkommen in der Anfangsbildung der Cul tur begriffen, worüber man ſich durch einen äußerlichen, daneben hergehenden Glanz von Luxus und Raffinement in den Hauptſtädten und bei reichen Leuten nicht