Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
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64 Novellen Mit meiner Lieb' iſt's wohl beſtellt,

Ich folge Dir in die weite Welt;

Doch die Hoffnung nur auf des Vaters Verzeihen, Sie konnte zur Flucht mir den Muth verleihen.

Er zieht ſie ſanft an den Buſen hin: Verzeihung, Roſamunde! Sei glücklich, bald ſind wir in Gretna Green, Dort liegt's an des Horizonts Runde. Vergiß Deinen Schmerz: eh' der Morgen graut, Biſt, Liebchen, Du mir angetraut! Sieh, dort an der Wolken falbem Ritze Erſcheint des erſehnten Kirchleins Spitze.

Und horch! es erſchallt das Thal entlang Gleich eilender Pferde Tritten. Ach Edward, Edward, mir wird ſo bang, Dort kommt mein Vater geritten. Sei ruhig, mein Kind, und fürchte Dich nicht, Deine Angſt gebieret dies Schreckensgeſicht. Und ſchneller und ſchneller treibt er die Pferde, Im Flug nurx berühret ihr Fuß die Erde.

Doch näher und immer näher heran Ertönet's von ſtampfenden Hufen, Nicht länger iſt es ein eitler Wahn, Schon hören ſie zürnendes Rufen. Da bricht durch die Wolken des Mondes Licht Und fällt auf des Vaters zornig Geſicht. Die Wolke ſchließt ſich; doch ſehn ſie im Dunkeln Nur heller des Vaters Auge funkeln.

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Er ruft und zückt ſeine blanke Wehr:

Halt ein, nicht weiter von hinnen!

Verſuche, o Schurke, die Flucht nicht mehr,

Entdeckt iſt Dein feiges Beginnen. Mein Kind gieb mir, mein verirrtes, zurück, O zögre keinen Augenblick,

Sonſt ſuchet in Deinem Eingeweide

Mein Schwert ſich eine blutige Scheide!

Was! zögerſt Du noch? Er ruft's und ſchnellt Durch die Luft die Klinge des Schwertes, Doch ehe der Streich noch traf, da fällt Ein Schuß auf den Kopf ſeines Pferdes;

Und niederſtürzen ſieht Liedenhall

Den Grafen ſammt Roß in gewaltigem Fall. Mein Vater! o daß ſich Gott erbarme! So ruft ſie und ſinkt in des Liebſten Arme.

Faſſ' Muth, mein Lieb, das gewagte Spiel, Faſſ' Muth wir haben's gewonnen.

Dein Vater lebt ſein Pferd war mein Ziel, Wir ſind der Gefahr entronnen.

Zeilung.

Schau hin im Oſten die Strahlen glüh'n, Halt an, ſchon ſind wir in Gretna Green, Hier vor dem Altar Deine Hand⸗ mir reiche. Schön Lieb blieb ſtumm ſie war eine Leiche.

Literariſche Briefe von Otto Banckh.

Reiſe durch Chile und die weſtlichen Provinzen Argentiniens, von Auguſt Kahl. Berlin, bei Gärtner. 1866.

(Schluß.)

Der Kampf ſollte jetzt beginnen: im weiten Halb⸗ kreis umſtanden die Mineros die beiden bis auf die Unterkleider entblößten Kämpfer. Ein vier Ellen langer lederner Riemen, deſſen Enden um die Hüf⸗ ten der beiden Gegner geſchlungen waren, verband dieſe. Keiner ſollte der Wuth des Andern entfliehen. In ihren Händen blitzte das ſcharfgeſchliffene ſpitze Meſſer.

Sobald ſich die Männer zurückgezogen, die ihnen den Riemen um die Hüfte befeſtigt, ſtürzten ſie mit hocherhobenem Meſſer aufeinander zu, ohne irgend ein Signal abzuwarten. Die Wucht des erſten Stoßes riß Beide zu Boden. Wie zwei Verzweifelte rangen ſie dort, ohne auch nur einen Laut von ſich zu geben. Unmöglich konnte man erkennen, wer oben, wer unten lag, ſo raſch folgte Bewegung auf Bewegung, Stoß auf Stoß. Zuweilen erkannte man das Blitzen eines Meſſers, zum Stoße erhoben, aber blitzſchnell wurde es von der andern Klinge aufgefangen. Es währte nicht lange, bis ſich eine Blutlache unter den Kämpfen⸗ den bildete; langſam bahnte ſich der Blutſtrom durch den Sand ſeinen Weg. Nach einigen Minuten hörte das Ringen plötzlich auf, beide Kämpfer, ſcheinbar von dieſer furchtbaren Anſtrengung ermattet, ſtarrten einander an: einen ſcheußlichen Anblick boten dieſe Körper, von Kopf bis zu Fuß mit Blut und Staub bedeckt. Die Umſtehenden traten näher, um ſie ausein⸗ ander zu bringen, aber nur einen Moment hatte dieſe Ruhe der beiden Elenden gedauert. Das gräßliche Rin⸗ gen hatte wieder begonnen. Die Mineros ſchienen jetzt an dem Blutſchauſpiel genug zu haben, andrer⸗ ſeits mochten ſie auch wohl von dem herzzerreißenden, krampfhaften Geſchrei der Mutter, die fortwährend nach ihrem Sohne rief und den ehernen Cirkel, der den Kampfplatz umgab, vergebens zu durchbrechen ſuchte, gerührt ſein, genug, ſie eilten jetzt, um die Streitenden zu trennen, aber zu ſpät, wieder

ſahen wir ein Meſſer aufblitzen, hoch zum Stoß

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