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Novellen⸗eitung.
ſie vernachläſſigte dabei die Beobachtung verſchiedener herangekommen erklärt, das beißt, bis ſeine verehr⸗
ruſſiſcher Gebräuche, betrug ſich nichts weniger als populär, überhäufte viele ihrer Anhänger mit zu großer, mißfälliger Gnade und zog die Deutſchen vor. Ihre häuslichen Angelegenheiten, die geringe Harmonie, die zwiſchen ihr und ihrem Gemahl, der auch gerne regieren wollte, zwiſchen den Grafen Oſtermann und Golopkin herrſchte, gab überdies zu übler Nachrede Anlaß. Andererſeits war ihre Tante, die Prinzeſſin Eliſabeth, freundlich, herab⸗ laſſend, ſelbſt wohlthätig gegen das Volk, ſo viel ſie es eben ſein konnte. Die harte Lage, in welcher dieſe Prinzeſſin ſich während der Regierung der am 28. October 1740 geſtorbenen Kaiſerin Anna, die ſie oft am Nothwendigſten Mangel leiden ließ, be⸗ funden, brachte ihr Mitleid, dann Liebe und Anhäng⸗ lichkeit hervor; war ſie doch auch die Tochter des großen Kaiſers, den das Volk noch im Grabe mit Enthuſiasmus verehrte.
Ein Revolutionsplan verſprach alſo Glück, und wenn die Kriegserklärung Seitens Schweden noch nicht erfolgt, ſo lag dies lediglich an dem Baron von Nolken, deſſen Berichte an ſein Cabinet den rechten Zeitpunct noch immer nicht als gegenwärtig be⸗ zeichneten.—
Der Hof befand ſich in Peterhof, dem nordi⸗ ſchen Verſailles, und die Geſandten der fremden Höfe waren ihm auch dorthin gefolgt.—
Der Marquis von Chetardie hatte ſoeben De⸗ peſchen aus Frankreich erhalten, die ihn zu ſchleuniger Herbeiführung der activen Handlung ermahnten, und war in ſeinem Gemache ſoeben mit ihrem Studium zu Ende.
Mit geſenktem Haupte und verſchränkten Armen ſtand er vor ſeinem Schreibtiſche und ließ das ſin⸗ nende Auge noch auf den vor ihm liegenden Blättern haften.
„Handeln! actives Handeln will man von mir,“ murmelte er vor ſich hin.„Ja, das wäre recht wünſchenswerth und ich begreife die Wünſche der Eminenz vollkommen; ich begreife auch, daß nach der Lage der Verhältniſſe die Anforderungen nicht ſo ganz ungerechtfertigt ſind, allein mir däucht, der Herr Marquis von Chetardie wird ſeinen Schatz an ſprachlichen Wendungen auf's Neue zu Hülfe nehmen müſſen, um dem würdigen Premier wieder einmal eine Vertröſtungsdepeſche zukommen zu laſſen, wie ſchon ſo oft geſchehen, und die Heiligkeit nxd eine Probe von Geduld abzulegen haben, da
Herr Baron von Nolken das Factum des
s abwarten zu wollen ſcheint, ehe er ſeinem Reichsrath den Zeitpunct der Zeitpuncte als
Redigirt un
liche Gemahlin die Peterhofer Feſte ſatt und ihres lieben Freundes Melartin geiſtreiche Unterhaltung überdrüſſig hat. Ich wollte, es käme ein Decret, das allen Geſandten verböte, ſich von ihren Frauen be⸗ gleiten zu laſſen, heraus; ſo lange das freilich nicht iſt und eine Intrigue gegen dieſe harmloſe Dame ſich nicht gut einfädeln laſſen will, ſo lange— hm! eine Intrigne!“ hob der Marquis den Kopf und ſtreckte die Hand aus, um zwecklos mit den Papieren zu ſpielen und in denſelben zu blaͤttern, ohne ſie anzublicken,„hm! eine Intrigne!— Man beliebt mich für einen feinen Spieler anzugeben und ich weiß doch nicht, was ich mit dieſer zierlichen Baroneſſe anfangen ſoll, die ſich um nichts in der Welt zu kümmern ſcheint, als um ihr gold⸗ und ſeide⸗ geſticktes Pantöffelchen, welches ſie mit wahrer Virtuo⸗ ſität über ihren dicken Gatten ſchwingt, und um das Amuſement, für welches man in dem hochpreislichen Stockholm nicht eben große—— ja— hm! Die Feſte in Peterhof— ſie müßten ein Ende nehmen, das iſt wahr, und dann dürfte der Bericht des Herrn Barons vielleicht plötzlich anders werden. Hm! Das iſt indeß eine maliciöſe Perſpective und ich würde wahrhaftig Jeden, der mir dieſe Aufgabe ſtellte, für toll erklären,— da ich indeß ſelbſt die Mal⸗ adreſſe gehabt, es zu thun, ſo bleibt mir wohl nichts übrig, als mich zu bewundern. Die Feſte— denn ich glaube nicht, daß dieſe Frau noch eine andere Leiden⸗ ſchaft—— hm! Frau— Leidenſchaft— das iſt ſchon wieder Etwas und mein gutes Geſchick führt mir dieſe Worte zur rechten Zeit in den Mund. Ich möchte wiſſen, ob die Baroneſſe verliebt iſt!— Daß ſie es in ihren Gemahl ſei— bah— und ſonſt — da wäre nur Melartin— und dieſer impertinent blond gefärbte Baron iſt eben auch keine Perſönlichkeit, welche Leidenſchaften einzufloͤßen im Stande wäre. Mit der Eiferſuchk iſt es alſo nichts und es bliebe nur noch die Eitelkeit— nun— ich werde die ſchöne Dame, die wahrſcheinlich keine Ahnung hat, welch' Kopfzerbrechen ſie mir macht, heute ein wenig näher in's Auge faſſen, da ſie hoffentlich bei Trubetzkoi—“ Chetardie unterbrach ſich wieder und erſt nachdem er einen Blick auf die koſtbare Pendule geworfen, beendete er ſeinen Satz—„erſcheinen wird. Da aber,“ ſetzte er hinzu,„iſt es Zeit geworden, der Invitation zu folgen, und ich werde Gelegenheit haben, mein Studium ſogleich zu beginnen.“
Er verſchloß die Depeſchen und ging in ſein Schlafgemach, um dort ſeine Equipage für die Soirée, welche der Oberprocurator, Fürſt Trubetzkoi, hente gab, zu vollenden. Als er vor den über ſeinem Toiletten⸗
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