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bei Seite gelegt und die Thür der Werkſtätte verrammelt hat, ſo ſitzt ihm, ehe er es ſich verſieht, ſein Staar ſchon wieder auf dem Rücken und läßt ſich, müde von allen ſeinen flatter⸗ haften Streifereien, gemächlich von ihm nach Hauſe tragen.
Sollte er ſich aber, wie es zuweilen paſſirt, etwas in der Zeit verſehen und zu weit in die Tannen hinaus gemacht haben, ſo genügt es, daß der Schmied einmal:„Hans, Hans!“ in den Wald hineinruft, und alsbald iſt das kluge Thier da und beeilt ſich, ihm nachzukommen. Dabei kennt es genau ſeines Herrn Stimme, und jeder Andere, der etwa auch „Hans!“ in den Wald hineinriefe, würde ſich vergebens be— mühen. Für ihn hätte Hans taube Ohren.
Auch ſonſt zeigt der Vogel ſich klug, keck und ſelbſtſtändig, namentlich z. B. gegen die großen Hühner. Er weiß das Futter, das man für ihn hinſtreute, und das dieſe gierigen, ewig pickenden Thiere ihm wohl zurauben trachten, tapfer gegen ſie zu bewahren.— Bei ſeiner Kleinheit und Schwäche kann er zwar keinen offenen Kampf mit ihnen aufnehmen. Allein er hat bei den Hühnern, die für ihn Rieſen ſind, hinten an ihren Füßen irgend eine Achilles⸗Ferſe entdeckt, und da ſetzt er ihnen, wenn er mit ihnen zu thun bekommt, mit ſcharfem Schnabel ſo tapfer zu, daß ſie alle einen entſchiedenen Re⸗ ſpect vor ihm haben, und ſobald ſie ihn erblicken, Reißaus nehmen.—
Sogar auch die liſtigen Katzen können dem Hans wenig anhaben; denn er verſteht es, ſich auch vor ihnen, wo nicht mit Gewalt, doch mit Gegenliſt zu retten. Eines Tages hatte der Bergſchmied den Vogel in ſeiner Werkſtatt verſchloſſen, und als er ſie wieder öffnete, kamen ihm zu ſeinem Schrecken zwei Katzen daraus entgegengeſprungen. Sie mußten ſich auf irgend eine unbemerkte Weiſe eingeſchlichen haben, um dem Hans, auf den ſie ein Auge geworfen, nachzuſtellen. Dieſen hielt der Meiſter natürlich für hin und verloren und ſuchte überall nach ſeinen Federn. Doch rief er noch einmal und faſt hoffnungslos:„Hans! Hans!“ Aber ſiehe da, auf einmal raſchelte und piepte es in einer Ecke einer Fuge des Gebälks. Der Staar hatte ſich, ſtatt, wie Vögel es gewöhn⸗ lich beim Erſcheinen der Katzen thun, vor Furcht außer ſich zu gerathen, ängſtlich und wild umherzuflattern und am Ende gar den Raubthieren vor die Tatzen zu kommen, dort in einem unzugänglichen Loche vor den Feinden verſteckt und niedergeduckt. Und ziemlich lange mußte er darin ausgeharrt haben.
Es iſt mir oft eingefallen und ich habe es gewünſcht, daß ein Maler einmal meinen guten alten ſchmiedenden und
rußigen Wittwer und Vogelfreund mit ſeinem Staare auf.
der Saulter porträtiren möchte. Aber ich habe lange Zeit nicht gewußt, wie man das Bild recht charakteriſtiſch und gefällig geſtalten und anordnen ſollte, bis endlich eines Tages der Schmied ſelber mir dies wider ſeinen Willen zeigte.
Es war nämlich ein ſchöner, heller, warmer Sonntags⸗ Morgen, als mich mein Weg, wie es häufig geſchah, wiederum bei meines Nachbars Wohnung vorbeiführte. Da fand ich ſein ſonſt gewöhnlich geſchloſſenes Fenſter weit geöffnet. Er hatte alle ſeine Vögel in ihren Käfigen von verſchiedener Größe hinausgehängt, unter und über dem Fenſter und um daſſelbe herum. Und ſie hüpften und zwitſcherten fröhlich in die friſche Luft hinaus. Nur am Sonntage kann ihnen ihr Beſitzer dieſe Extra⸗Freude gewähren; denn an den Wochentagen, wo er nicht zu Hauſe iſt, müſſen ſie in dem dumpfigen Zimmer verſchloſſen und verriegelt bleiben. Ein reizender Fliederbuſch bog ſich um das Fenſter und die zahl⸗ reichen Vogelbauer herum, gab dieſen den gewünſchten
Novellen⸗Jeitung.
Schatten und ſpielte mit den durchfallenden Lichtern und Blätterfiguren an der Wand.
In der Mitte aber des offenen Fenſters lehnte, ge⸗ müthlich ſeine Pfeife rauchend und ſich der friedlichen Scene und ſeiner gefiederten Familie freuend, mein Freund, der Schmied, mit ſeinem braunen Antlitze, ſeiner ernſten, aber gutmüthigen und ſinnigen Miene und mit ſeinem treuen Hans, dem Staar, den er fütterte, auf ſeiner Schulter. 9.
Ans dem Tagebuche eines Dichters.
Die„Revue moderne“ veröffentlicht ſeit einiger Zeit unter dem Titel:„Journal d'un Poëte“ eine Reihe von Noten, welche Louis Ratisbonne, der Freund und literariſche Erbe Alfred de Vigny's, in den Papieren dieſes berühmten Schriftſtellers geſammelt hat. Dieſe Sammlung von Be⸗ trachtungen, innern und einſamen Studien, perſönlichen und literariſchen Dingen, die Alles berühren und von Tag zu Tag ohne Rückſicht auf das Publicum aufgezeichnet ſind, bietet ein ſehr großes Intereſſe dar. Dieſe Veröffentlichung erlaubt ſo zu ſagen in das Leben und das Herz Alfred de Vigny's einzudringen, den man nur aus ſeinen Werken kannte. Man gewinnt ihn dadurch lieb und dieſe Veröffentlichung wird ſeinem reinen Rufe viele Sympathieen hinzufügen. Wir glauben unſern Leſern eine Freude zu machen, wenn wir ihnen einige Bruchſtücke daraus mittheilen:
Ueber Cinq⸗Mars.
Meine hiſtoriſchen Studien wurden ſeit meiner Kindheit ſehr weit getrieben. Man begnügte ſich nicht mit den Stu⸗ dien im Colléège und ich, ein ewiger und unermüdlicher Frager, hörte des Abends nach meiner Rückkehr aus dem Penſionat des Herrn Hix, nachdem die anderen Kinder zu Bett ge⸗ gangen waren, nicht auf, meinen Vater mit Fragen über die Perſönlichkeiten, deren große Namen ich unbeſtimmt kannte, zu beläſtigen. Dann wurden mir die Memoiren erlaubt und als Antwort zugeworfen, um ſich von meinen Fragen zu be⸗ freien. Eines Tages ſagte mir mein Vater, um mich zurecht zu weiſen, ich gliche dem Interroganten Bailly von Voltaire; das veranlaßte mich, eine neue Frage an ihn zu richten und er las mir darauf den Ingénn vor. Seit dieſem Tage fragte ich nicht mehr; ich las, ich verſchlang die ganze Bibliothek meines Vaters und die ſeiner Freunde. Nachdem ich die Memoiren des Cardinals von Retz geleſen hatte, ſiel mir der Gedanke ein, die Geſchichte der Fronde zu ſchreiben. Ich war damals vierzehn Jahre alt. Die Geſchichte war ſicher ſehr ſchlecht und ich zerriß ſie ſpäter, aber ich behielt die That⸗ ſachen jener Zeit genau in meinem Gedächtniß und dieſe erſte Leidenſchaft der geſchichtlichen Wißbegierde ließ in meinem Gedächtniß von den Perſonen, welche ich liebte, eine ſolche Erinnerung, wie die geliebter Perſonen, die man ſeit ſeiner Kindheit gekannt hat. Es ſchien mir ſeitdem, daß ich eine Schuld der Freundſchaft abtrage, als ich Cinq⸗Mars ſchrieb und den Abbé de Gondi malte. Mein Vater arbeitete bis tief in die Nacht hinein und um ihm nachzuahmen, zündete ich in meinem Schlafzimmer die Kerze an und ſchrieb mit der Bleifeder die Geſchichte der Fronde. Dieſe Idee gab ich bald auf, um die alten Dichter anzubeten. Man ließ mich den Homer aus dem Griechiſchen ins Engliſche überſetzen und Seite für Seite mit der Iliade von Pope vergleichen. Der Abbé Galllard, einer meiner Lehrer, hatte die ausgezeichnete Idee dieſer Arbeit, welche mich in den Geiſt zweier Sprachen
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