Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
653
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en Dichter. dr zugleich rs, in der der Effecte, gelmäßiger dten ſich in Semiramis taltet. Als 1738 im etiheidigen. verlaſſen; rje in der⸗ der König glloſe, da⸗ über dieſen von Geiſt ren im Co- Voltaire da⸗ alt. Seine erühmtheit. nit geweſen, geſchrieben t gemacht,

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den Eindruck der Achtung, der Dankbarkeit und der Zuneigung, von dem ſeine ſpätere Correſpondenz an vielen Stellen zeigt. Wenn Voltaire's Mitſchüler ihre Verwunderung darüber ausſprachen, daß er die Unterhaltung mit dieſen beiden Männern ihrem Treiben vorziehe, antwortete er ihnen:Ich ſpringe und laufe, wie ich es verſtehe. Sein Muthwille hüpfte und lief von einem Gegenſtande zum andern, von der Dichtkunſt zur Geſchichte, vom Theater zur Politik. Er fragte ſeine Profeſſoren über die Tagesangelegenheiten, ſprach vom Frieden und Kriege, entwarf eine andere Karte Europas und nahm nach Belieben Veränderungen mit Generälen und Miniſtern vor. Einer dieſer Profeſſoren ſagte von ihm: Er wog in ſeinen kleinen Waagſchalen die großen Staats⸗ intereſſen. Kurz, in ihm fand ſich eine allgemeine Wißbe⸗ gierde, die das Erwachen eines encyklopädiſchen Genies war. Derfelbe Voltaire, der ſpäter den Parlamenten, der Kirche und dem Miniſterium ſo ſcharf zu Leibe ging, war als Jeſuitenzögling viel zu geſchickt, als daß er ſich einer ernſten Gefahr ausgeſetzt hätte, wie z. B. einer ſeiner Mitſchüler in der Rhetorik, der bereits Obriſt eines Regiments und künftiger Gouverneur von Flandern war, der Herzog von Boufflers, der aber die Peitſche erhielt, weil er einen finſtern Lehrer, den Pater Lejay, aus einem Blaſerohre während der Lection mit Erbſen beſchoſſen hatte. So etwas erlaubte Voltaire ſich nie, er beſchränkte ſich auf verfängliche Fragen, auf kühne Antworten und zeigte ſich überhaupt ſchon damals als ein Freigeiſt. Erwähnt zu werden verdient, daß das Studium der griechiſchen Sprache, das 50 Jahre früher in demſelben Collegium mit großem Erfolge betrieben wurde, zu Voltaire's Zeiten ganz von dem Lectionsplan verſchwunden war. Voltaire vermißte ſpäter die Kenntniß der griechiſchen Sprache, als er Oedipus, Oreſtes u. ſ. w. ſchrieb, wobei ihm nur mangelhafte Ueberſetzungen der Griechen zu Gebote ſtanden, ſehr ſchmerzlich und 1765 ſchrieb er:Zu meiner Zeit lernten wir im Collège nur Lateiniſch und Sottiſen.

C.

Zur geiſtigen Begabung der Thiere.

Wir haben ſchon, durch Daumer's, Brehm's und Anderer Studien veranlaßt unſern Leſern einige höchſt auffallende Beiſpiele von der Intelligenz in der Thierſeele mitgetheilt und erweitern hier dieſes intereſſante Capitel durch einen Beitrag Kohl's über die ſelbſtthätige Klugheit und Gelehrigkeit eines Staars, den er ſelbſt beobachtet. Er erzählt:*

Unter den vielen Vogelfreunden, die ich in meinem Harzdorfe kennen lernte, war auch mein Nachbar, der Bergſchmied unſeres Ortes, d. h. derjenige arme Eiſen⸗ künſtler, der die Aufgabe hat, den Bergleuten täglich ihr vielgebrauchtes und beſtändig abgenutztesGezäh, nament⸗ lich ihre geſtählten Meißel und Bohrinſtrumente, mit denen ſie die Sprenglöcher in den Erzgängen aushöhlen, zu ſchärfen und zu repariren.

Da dieſer Bergſchmied Alles ohne Gehülfen ganz allein zu beſorgen hat und in ſeinem Waldatelier wie ein Clausner wirthſchaftet, da er auch alskinderloſer Wittwer zu Hauſe keine liebende Geſellſchaft beſitzt, ſo iſt es wohl natürlich, daß er ſich an die Kinder des Waldes gewandt hat und daß er ein großer Vogelfreund geworden iſt. In ſeinem kleinen

Dorfquartier zwitſchert und hüpft es wie in einem Gehölze, in allen Ecken und an allen Wänden. Sein Lieblingsthier und ſein beſtändiger Begleiter iſt ein Staar, der ihm ſtets

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auf der Schulter ſitzt, und der ſo grau, ſchwarz und rußig ausſieht, wie ſein Herr ſelber.

Dieſer kleine kluge Vogel hat ſich ihm einſt freiwillig angeſchloſſen, und zwar vor mehreren Jahren in folgender Weiſe: Der Meiſter hatte damals drei junge Staare auf einmal gefangen und aufgezogen und dieſelben auch ſchon einigermaßen an Haus und Zimmer gewöhnt; dennoch aber nicht völlig, und daher entſchlüpfte ihm eines Tages einer der flügge gewordenen Vögel in's Freie. Begierig, ſein Thierchen wieder zu haſchen, folgte er ihm in den Wald, und als er es dort auf niedrigen Geſträuchen von Baum zu Baum hüpfend fand, ſo ließ er noch einen der beiden übrigen, der ſchon früher oft von ſelbſt beim Fenſter aus und ein gehüpft war, frei, in der Hoffnung, daß derſelbe dem Flüchtling den Heimweg zeigen werde.

Allein dieſe Hoffnung ſchlug fehl. Der zweite, ſtatt den Deſerteur zur Vernunft zu bringen, geſiel ſich auch in der freien Natur und beide flogen in Gemeinſchaft davon.

Da wurde der Mann ärgerlich, dachte:Ei, wo die Beiden ſind, da ſoll auch der Dritte ſein, und entließ nun ebenfalls noch ſeinen letzten Vogel in den Wald, weil er argwöhnte, daß die ganze Sippſchaft ein treuloſes Geſchlecht ſei.

Doch auch hierin irrte er ſich. Denn am andern Morgen ganz in der Frühe hörte er es an ſeinem Fenſter flattern und picken. Er öffnete und ſiehe da! der dritte kleine Pflegling, den er von ſich geſtoßen, der aber das Haus nicht vergeſſen hatte, hüpfte herein, ſetzte ſich auf ſeine Schulter und verlangte wie früher ſein Milchbrod. Dies rührte den guten Meiſter. Er entſchloß ſich, das treue Thierchen für immer zu behalten und hat es ſeitdem tagtäglich, wie geſagt, auf ſeinen Schultern getragen.

Um drei Uhr, wenn es zur erſten Arbeitsſtätte, wo die ſtumpfſten Meißel ſeiner warten, geht, läßt er es freilich noch ſchlafen. Aber um ſieben Uhr, wenn er von da zurückkehrt und zum Kaffee in ſeiner Wohnung vorſpricht, dann frühſtückt er mit ſeinem Staar, läßt ihn aufhüpfen und trabt nun mit ihm nach der zweiten Arbeitsſtätte, wo er den ganzen Reſt des Tages Geſchäfte hat, hinaus.

Auf dem Wege dahin bleibt das gute Vögelchen meiſtens (beſonders wenn es ſchlechtes Wetter iſt) an dem ihm an⸗ gewieſenen Platze auf der Schulter ſeines Herrn ſitzen. Iſt das Wetter ſchön und ſpielen am Wege die Inſecten, ſo fliegt er wohl ſeitwärts davon, ſich eine Mücke zu erhaſchen. Er flattert in den Gebüſchen längs des Weges den Berg hinauf. Doch ſchaut er ſich dabei nach dem Meiſter um, ſetzt ſich, ihn erwartend, auf einen Stein oder Pfahl der Straße, meldet ſich mit einem fröhlichen Geſchrei und fliegt, wenn dieſer ihnHans! ruft, auf die Schulter zurück.

So kommen die Beiden, miteinander ſpielend und ſich den langen Waldweg verkürzend, bei ihrem Bergwerke an. Da begiebt ſich nun der Herr an die ſaure Arbeit, Hänschen aber wird in's Freie entlaſſen und darf in dem ſchönen Ge⸗ hölze, das die Schmiede umgiebt, ſpazieren und auf die Jagd gehen.

Er kennt jedoch genau die Stunden der Mittags⸗ und der Vesper⸗Mahlzeit ſeines Herrn, und ſowie dieſer Hammer und Ambos ruhen läßt und ſein Brod und Zubrod hervor⸗ holt, iſt Hänschen aus dem Walde da, ihm dabei Geſellſchaft zu leiſten und zugleich für ſich die Broſamen aufzuleſen. Er weiß auch am Abend die Zeit der Abreiſe und ihrer ge⸗ meinſamen Heimkehr, und wenn der Schmied ſein Werkzeug