Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
638
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638 Novellen Die Mechitariſten.

Die Inſel San Lazaro in Venedig beſitzt ein von ar⸗ meniſchen Mönchen geleitetes Inſtitut, das den Künſten und Wiſſenſchaften große Dienſte geleiſtet hat.

Dieſer Orden wurde im Jahr 1701 von dem Armenier Mechitar(d. h. der Tröſter) in Conſtantimopel zu dem Zweck gegründet, um die nationale Literatur blühend zu machen und die Kenntniß der armeniſchen Sprache weiter zu verbreiten.

Mechitar führte 1703 ſeine Schüler nach Morea und baute in Modon eine Kirche und ein Kloſter. Bald brach zwiſchen den Venetianern und den Türken ein Krieg aus und im Jahr 1715 flüchteten die Mechitariſten nach Venedig, und da 1717 ihr Kloſter und ihre Kirche in Modon von den Türken 24 zerſtört worden waren, ſo machte der Senat in Venedig ihnen die IFnſel San Lazaro zum Geſchenk, die damals nur von einer kleinen Zahl Fiſcher bewohnt war. Der Pater Mechitar ver⸗ ſchönerte die Inſel ſehr bald und errichtete dort Gebäude, die ſich in der Folge durch die Geſchenke, welche von reichen Ar⸗ meniern dem Orden gemacht wurden, immer mehr erweiterten. Das Collegium auf San Lazaro iſt der bürgerlichen und der religiöſen Erziehung gewidmet und es beſitzt eine Bibliothek und eine Buchdruckerei, die ſehr berühmt gewor⸗ den ſind.

Man verdankt den Mechitariſten auf San Lazaro eine ſehr große Zahl von koſtbaren Werken, von denen wir nur die berühmte Chronik des Euſebius von Cäſarea erwähnen wollen. Unter den jetzt berühmten Mönchen dieſes Ordens verdienen die Patres Zohrab, Auker und Gelagien erwähnt zu werden.

Die Mechitariſten veröffentlichen in armeniſcher Sprache

Ueberſetzungen der Claſſiker und der Meiſterwerke aller älteren und neueren Literatur. Ihre Druckerei iſt mit Lettern, die allen orientaliſchen Sprachen gehören, verſehen, und im Jahr 1831 veröffentlichten ſie den Euchologium (Kirchenritual) des heiligen Gregor in 25 verſchiedenen Sprachen.

Ihr armeniſcher Dictionnaire iſt ein wahres Meiſter⸗ werk von Gelehrſamkeit.

Ein Armenier, Namens Moorat, welcher 1840 in Oſt⸗ indien ſtarb, vermachte den Mechitariſten eine Summe von 8 Millionen Franken, um ein neues Collegium zu ſtiften. Sie errichteten daſſelbe in Paris, wo es noch beſteht. Auch in Wien haben ſie ein Kloſter und eine große Buchhandlung.

Man kann nicht nach Venedig gehen, ohne die Inſel der Armenier zu beſuchen, und in einem Regiſter kann man die Namenseinzeichnungen aller Reiſenden leſen, die ſich dorthin begeben haben. In demſelben findet man die Namens⸗ zeichnungen von Buonaparte, Goethe, Schiller und Lord Byron.

C.

8

Dr. Ruſſell und Saln.

Die literariſche Welt in London ſieht einem ganz neuen Verſuche des Dr. W. H. Ruſſell, des Kriegscorreſpondenten der Times, entgegen, der aus dem Reich der Thatſachen in das der Dichtung übergetreten iſt und ein Werk von drei Bänuden unter dem TitelThe adventures of Dr. Brady; or the City and the camp geſchrieben hat. Ruſſell kennt das Leben in der Stadt ebenſo gut wie das im Lager, denn er bewegt ſich in London in ſehr guter Geſellſchaft. Seine Tochter, die ſehr hübſch ſein ſoll, hat kürzlich einen hoch⸗ ſtehenden Officier von guter Familie geheirathet. Herr Sala, der zweimal ſo viel geſehen, ein wunderbares Gedächtniß

Zeitung.

hat und mit einem gewiſſen Humor ſchreibt, war während des letzten Krieges Correſpondent desTelegraph, in welcher Stellung er die Freiwilligen unter Garibaldi be⸗ gleitete. Von den kriegeriſchen Operationen derſelben, von denen ſo Großes erwartet wurde, gab es bekanntlich faſt gar nichts zu berichten, und daher enthielten ſeine Briefe nichts weiter, als ſpaßhafte Erzählungen von Abenteuern, die ihm begegneten, wenn er für ſich Speiſen und Getränke aufſuchte. Während die andern Kriegscorreſpondenten der engliſchen Blätter ausführliche Mittheilungen über die Gefechte, die mit den Oeſterreichern ſtattfanden, berichteten, beſchrieb Sala die Jagd nach einer Bratwurſt, oder erzählte den Inhalt der Taſchen eines Rocks auf, der ihm verloren gegangen war, wobei er gleichzeitig die ausführliche Geſchichte jedes beſondern Artikels mittheilte. C.

Profeſſor Agaſſiz.

Dieſer berühmte Naturforſcher kehrte im Auguſt von ſeiner Erforſchungsreiſe in Braſilien nach Boſton zurück. Er war etwas länger als ein Jahr abweſend und hat während dieſer Zeit viele wichtige Entdeckungen in der Geologie und

Naturgeſchichte gemacht; dann fand er überflüſſige Beweiſe,

um ſeine Lieblingstheorie der Einwirkung der Eisperiode auf die äußere Bildung der Erde feſtzuſetzen, und zuletzt hat er den Claſſificationen des Thierreichs einige Hundert bisher unbekannter oder unbeſchriebener Species hinzugefügt. Wir vernehmen, daß er in der Kürze die Ausarbeitung einer wiſſenſchaftlichen Denkſchrift beginnen wird, worin er die Erfolge ſeiner Forſchungen zuſammenfaſſen will. Ein Werk von einem mehr populären Charakter ſeiner Feder iſt unter dem TitelReiſen in Braſilien bereits angekündigt und wird in dieſem Herbſte in der amerikaniſchen Buchhandlung Tickner und Fields erſcheinen. C.

Geiſtesgegenmart.

Ein Advocat, der zuweilen ſehr vergeßlich war und der die Vertheidigung eines Angellagten übernommen hatte, be⸗ gann ſeine Rede vor Gericht mit den Worten:Ich kenne den Gefangenen auf der Anklagebank und er trägt den Charakter eines vollendeten und unverſchämten Schurken. Hier wisperte ihm Jemand zu, der Gefangene ſei ja ſein Client, worauf er ſogleich fortfuhr:Aber wo lebte je ein großer und guter Mann, der nicht von Vielen ſeiner Zeitgenoſſen verleumdet worden ſei? C.

Gedanken.

Manche Perſonen beklagen ſich, für ihre Gedanken keine Worte finden zu können, während ſie in der Wirklichkeit für ihre Worte keine Gedanken finden.

Als man einem Recruten ſagte, es ſei ſüß, für ſein Vater⸗ land zu ſterben, verſuchte er ſich damit zu entſchuldigen, daß ihm alles Süße ſtets zuwider geweſen ſei.

Ein ſehr zerſtreuter Mann ſiel ins Waſſer und ſank zweimal unter, ehe er ſich daran erinnerte, daß er ſchwim⸗ men könne.

Dickens ſagt von einem ſchlanken Manne:Er war in ſeinen Schenkeln ſo lang, daß er dem Nachmittagsſchatten einer anderen Perſon glich.

Beſcheidenheit iſt eine Wache für die Tugend. C.

Bünden! führen. kann man deriſch 6 wand: Ei ih noch ke Fehler der ſuchen, eben daß ſöwierige machen, Und doch Philoſop erſt nach heilſam.

Der

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