Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
639
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Vierte Misrellen.

Seneca ſchreibt in einem Briefe an ſeinen Freund Lu⸗ cilig unter Anderm Folgendes:Harpaſte, die Närrin meiner Frau, iſt, wie du weißt, als ein bloßes Erbſtück bei mir ge⸗ blieben; denn mir ſind dieſe Mißgeburten durchaus zuwider, und hab' ich Luſt, über einen Narren zu lachen, ſo brauche ich ihn nicht weit zu ſuchen, ich lache über mich ſelbſt. Dieſe Närrin hat plötzlich das Geſicht verloren. Das klingt ſonder⸗ bar, iſt aber wirklich wahr; ſie fühlt nicht, daß ſie blind iſt, und bittet ihre Führerin unaufhörlich, ſie doch aus meinem Hauſe zu ſchaffen, weil es darin, wie ſie ſagt, finſter iſt. Was wir an ihr belachen, das glaub' mir, lieber Freund, begegnet uns allen; keiner ſieht, daß er geizig oder habſüchtig iſt: die Blnden verlangen doch einen Führer, da wir uns ſelbſt irre führen. Ich bin nicht ehrgeizig, ſagen wir, aber in Rom kann man einmal nicht anders leben; ich bin nicht verſchwen⸗ deriſch, aber das Leben in der Reſidenz erfordert großen Auf⸗ wand: es iſt nicht mein Fehler, wenn ich jähzornig bin, wenn

Auguſt don

3 zurück. ich noch keinem beſtimmten Lebensplane folge; dies iſt der elodähkend Fehler der Jugend. Nicht außer uns müſſen wir unſer Uebel Kologie und ſuchen, es liegt in uns, es ſitzt tief in unſerm Innern; und

uge Beweiſe,

Spexiode auf' dlletzt hat er undert bisher

eben daß wir uns nicht krank fühlen, macht die Heilung ſchwieriger. Wenn wir mitt dieſer nicht recht bald den Anfang machen, wie wollen wir mit ſo viel Uebeln fertig werden? Und doch beſitzen wir ein ſehr mildes Heilmittel an der

geſügt. Wir Philoſophie; denn von den andern fühlen wir dies Angenehme deitung einer erſt nach der Heilung, dieſes aber iſt zugleich angenehm und worin er die heilſam.

Ein Werk

Der elende Herzog von Feuillade ließ Ludwig XIV' ein Standbild errichten, wobei der Kaiſer, der Kurfürſt von Brandenburg, der König von Spanien und die Republik Holland in der Geſtalt von vier angefeſſelten Sclaven ange⸗ bracht waren, und damit ja kein Zweifel über die Bedeutung entſtehe, waren die Kennzeichen hinzugefügt, wie z. B. beim Kaiſer der zweiköpfige Adler; der Kaiſer und und der Kurfürſt verachteten ſolche Erbärmlichkeiten und begnügten ſich mit einigen Vorſtellungen; dem Entwurf gemäß ſollten auch die⸗ jenigen Fürſten dargeſtellt werden, die dem franzöſiſchen Schutz ihre Erhaltung verdankten. Der König von Schweden war in demüthiger gebeugter Stellung angebracht, und nicht nur durch Aehnlichkeit der Figur, ſondern auch durch eine Fahne mit drei Kronen kenntlich; der ſchwediſche Geſandte ward hie⸗ von jedoch im Voraus unterrichtet, und die ernſthaften Drohungen Carl's XI. hinderten die Ausführung.

der iſt unter

tkündigt und

duchhandlung 6.

war und der en hatte, be⸗ Ich kenne den den Charatter Hier wisperte t, worauf er er und guter en verleumdet

6.

Ein Abbé ſchenkte der Prinzeſſin Gonzaga, welche ſpäter⸗ hin, durch ihre Vermählung mit Uladislas, Königin, von 8 Polen wurde, einen kleinen Hund. Die Sache verhält ſich 1 ſo: Man ſagt, dieſer Abbé, von ziemlich dürftigem Anſehen, * habe, ehe noch von jener Verbindung der Prinzeſſin die Rede geweſen, einſt mit derſelben zu ſprechen verlangt. Als er vorgelaſſen wurde, zeigte er ihr einen kleinen Hund, den er unter dem Mantel trug; die Prinzeſſin wünſchte den Preis

re Gedanken Virklichkeit

ſein Vater⸗ ldigen, daß

Folge. 639 her, als die Prinzeſſin zu Paris mit dem Könige von Polen vermählt worden war, meldete man ihr, daß ſie ein kleiner Abbé durchaus zu ſprechen verlange. Er wurde vorgelaſſen. Ihre Majeſtät, ſagte er,ſind mir funfzig Piſtolen ſchuldig. Wollten Sie die Güte haben, mir ſie auszahlen zu laſſen? Ich? verſetzte die Königin.Ja, Madame, erinner Sie ſich noch des kleinen Hundes, den ich die Ehre hatte, En Majeſtät zu verkaufen, unter der Bedingung, daß Sie mi ihn erſt bezahlen ſollten, wenn Sie eine Königin ſein würden Ihre Tugenden und ihre Reize ließen mich dieſes voraus ſehen. Die Königin lachte über dieſe Schmeichelei und ließ den Hund auf eine ihren neuen Verhältniſſen angemeſſene Weiſe bezahlen.

Vom deutſchen Büchermarkt.

Ahasverus. Ein Heldengedicht von S. Heller. Leipzig, bei Otto Wigand. 1866.

Dem großen Friedrich Rückert hat der Dichter dieſes Epos mit warmer undkindlicher Begeiſterung gewidmet. Dieſe Begeiſterung findet ſich auch in der ausführlichen ernſten Behandlung des Stoffes ſelbſt wieder, und ohne daß wir hier Raum haben, auf eine Prüfung des Gedichtes ausführlicher einzugehen, ſei doch im Allgemeinen hervorgehoben, daß ſchon ein ganz beſonderer Muth und eine große Liebe zur Sache dazu gehört, in unſerer faſt poeſiearmen, aber durchaus dem Epos feindlichen Zeit ein ſolches in einer Länge zu ſchreiben, daß es über 500 enggedruckte Seiten einnimmt.

Dazu kommt noch ein anderer Muth, der, die Terzinenform zu wählen, welche in Deutſchland wenig Freunde hat, obgleich wir ſelbſt ſie zu den vollendetſten Versformen für das Epos halten. Als Julius Moſen ſeinenEwigen Juden ſchrieb, machte er an dieſer Form eine Veränderung, die nicht dazu beitrug, ſie eingänglicher werden zu laſſen. Den wenigen Freunden epiſcher Poſie wird es eine wünſchenswerthe Anregung ſein, ſich ſelbſt mit dem Charakter der Heller'ſchen Arbeit be⸗ kannt zu machen. 1

Schwanen ⸗Lieder. Gedichte Waldow. Leipzig, bei Alex. Waldow.

Ein mehr als gewöhnlich ſinniges und oft fein em⸗ pfindendes Gemüth, von friſcher Phantaſie unterſtützt, ſpricht ſich in dieſen Liedern aus. Gedichte wieAbendliche Meeres⸗ fahrt undAn meine Kinder zeigen dieſe willkommene Seite nebſt manchen anderen und erfreuen noch durch eine gute Sprache und ziemlich wohlklingende Flüſſigkeit des Versbaues, Eigenſchaften, wodurch ſelbſt wenig gehaltvolle lyriſche Piècen genießbar gemacht werden können. O. B.

von Hermann

Einige Worte an deutſche Frauen. Von J. C. Jacobi. Breslau, bei Urban.

Dies Heftchen hat eine Schriftſtellerin zur literariſchen Mutter und beſchäftigt ſich mit praktiſchen Fragen über Hausfrauenthum, Bildung, Erziehung, weiblichen Broderwerb,

dafür zu wiſſen.Funfzig Piſtolen, erwiderte der Abbé.

er und ſant Dieſe Summe ſchien der Prinzeſſin ungeheuer.Glauben Fer ſchwim⸗ Sie mir, Madam, verſetzte Jener,dieſer kleine Hund iſt nicht theuer, zumal da Sie mir ihn nicht eher bezahlen ſollen, als Er war in bis Sie Königin geworden ſind.Unter dieſer Bedingung ttagsſchatten nehme ich ihn an, verſetzte lächelnd die Prinzeſſin; denn es war damals nicht der geringſte Anſchein vorhanden, daß ſie d. 6. jemals dieſe Schuld würde bezahlen müſſen, da alle Könige

Europas zu jener Zeit vermählt waren. Einige Jahre nach⸗

Herrin und Dienerin ꝛc. durch kleine raiſonnirende Anſprachen, die weniger mit Beredtſamkeit, als mit geſundem Verſtand geſchrieben ſind und in erlaubter Weiſe auf die Emancipation, d. h. auf die Selbſtſtändigkeit des Weibes hinarbeiten.

O. B.

Ein Gruß für denkende Braunſchweig, bei Alfred Bruhn. Zum Theil ſelbſt erdacht, zum Theil verſchiedene⸗

deutſche Fraue⸗